
922 Flurstücke und insgesamt knapp 13,8 Millionen Quadratmeter: Der Grundbesitz des Landes Nordrhein-Westfalen in Münster hat eine beachtliche Größenordnung. Rechnerisch entsprechen die landeseigenen Flächen in Münster rund 13,8 Quadratkilometern – und damit etwa 4,6 Prozent des gesamten Stadtgebiets. Doch die große Zahl hat einen entscheidenden Haken: Aus den neuen Daten der Landesregierung geht nicht hervor, wie viel davon tatsächlich für neue Wohnungen infrage kommt. Die Stadtfläche Münsters liegt bei 303,28 Quadratkilometern.
Gerade vor dem Hintergrund des weiterhin hohen Wohnungsbedarfs ist diese Lücke interessant. Denn gleichzeitig zeigen konkrete Projekte in Münster, dass Grundstücke des Landes durchaus eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer Quartiere spielen können.
Ein Vergleich mit der letzten umfassenden Aufstellung des Landes zeigt eine leichte Veränderung. Im Mai 2024 waren für Münster noch 927 Flurstücke mit zusammen 13.861.143 Quadratmetern verzeichnet. In der aktuellen Antwort sind es 922 Grundstücke mit exakt 13.802.913,07 Quadratmetern. Damit sind gegenüber 2024 fünf Flurstücke und rechnerisch rund 58.230 Quadratmeter weniger erfasst – ein Rückgang um etwa 0,4 Prozent.
Wodurch die Veränderung entstanden ist, lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen allerdings nicht ableiten. Insbesondere kann daraus nicht geschlossen werden, dass sämtliche weggefallenen Flächen verkauft oder einer bestimmten Nutzung zugeführt wurden.
Schon 2024 hatte die Landesregierung zudem auf ein grundsätzliches Problem der Statistik hingewiesen: Für die Grundstücke waren zwar Größe und jeweilige Kommune bekannt, Angaben zum baurechtlichen Status oder zur Eignung als Wohnbaufläche lagen jedoch nicht flächendeckend vor. Über das landeseigene System LIMA.NRW sollen entbehrliche Grundstücke geprüft und dabei unter anderem auf ihre Eignung für den Wohnungsbau untersucht werden.
Die Münster-Zahl darf deshalb nicht mit verfügbarem Bauland gleichgesetzt werden. Zum Immobilienbestand des Landes gehören sehr unterschiedliche Flächen. Landesweit entfallen große Bestände beispielsweise auf Wald und Holz NRW und Straßen.NRW. Allein Wald und Holz NRW hält nach der aktuellen Aufstellung mehr als 1,16 Milliarden Quadratmeter, Straßen.NRW knapp 235 Millionen Quadratmeter.
Welche der 922 Münsteraner Flurstücke zu welchem Landesbetrieb gehören und wo sie genau liegen, schlüsselt die veröffentlichte kommunale Übersicht nicht auf. Ebenso wenig nennt sie eine Zahl der Grundstücke, die kurzfristig bebaut werden könnten.
Genau diese Unterscheidung ist beim Blick auf die 13,8 Millionen Quadratmeter entscheidend: Die Zahl zeigt die Größenordnung des staatlichen Eigentums in Münster, sagt aber zunächst wenig über tatsächlich mobilisierbare Wohnbauflächen aus.
Wie relevant Landesgrundstücke für den Wohnungsbau werden können, zeigt ein aktuelles Großprojekt im Westen Münsters. Das rund 18 Hektar große Areal an der Busso-Peus-Straße befindet sich nach Angaben der Stadt größtenteils im Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen. Stadt und Land haben im April 2026 eine Kooperationsvereinbarung für die gemeinsame Entwicklung unterzeichnet.
Auf dem Gelände zwischen Wissenschaftspark und Gievenbeck soll ein gemischtes Quartier aus Wohnen, Forschung und wissenschaftsnahen Arbeitsplätzen entstehen. Nach der aktuellen Planung sind dort bis zu 900 Wohnungen und rund 2.000 Arbeitsplätze vorgesehen; etwa 300 Wohnplätze sollen Studierenden zugutekommen. Die landeseigene Entwicklungsgesellschaft NRW.URBAN ist auf Seiten des Landes in die Planung eingebunden.
Das Beispiel macht zugleich deutlich, dass selbst bei geeigneten Flächen zwischen Eigentum und fertiger Wohnung zahlreiche Planungsschritte liegen. Für das Modellquartier werden derzeit unter anderem städtebauliche Rahmenplanung und Bebauungsplanung vorangetrieben. Als erstes Projekt soll dort ein Forschungsgewächshaus des Fraunhofer-Instituts IME entstehen.
Ein weiteres Beispiel liegt in der Aaseestadt. Bereits 2022 wurde ein 9.200 Quadratmeter großes Landesgrundstück an der Von-Stauffenberg-Straße mit einer Zweckbindung veräußert. Die Fläche ist in der früheren Landtagsantwort ausdrücklich unter den Grundstücken aufgeführt, bei denen geförderter Wohnungsbau beziehungsweise die damals genannten Nutzungszwecke vertraglich abgesichert waren.
Auf dem Gelände des ehemaligen Landeszentrums Gesundheit plant Sahle Wohnen inzwischen ein neues Quartier. Der städtebauliche Entwurf sieht 135 Wohnungen vor, davon sollen 70 Prozent öffentlich gefördert entstehen. Außerdem ist eine Kindertageseinrichtung mit fünf Gruppen geplant. Die Stadt beziffert das eigentliche Plangebiet auf rund 8.500 Quadratmeter. Sahle hatte die Liegenschaft vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW erworben.
Damit gibt es in Münster bereits ein konkretes Beispiel dafür, wie ein ehemals landeseigenes Grundstück für neuen Wohnraum aktiviert werden kann.
Die Diskussion um geeignete Grundstücke trifft auf einen angespannten Wohnungsmarkt und eine wachsende Stadt. 2025 wurden in Münster 1.402 Wohnungen fertiggestellt, nach 1.115 im Jahr zuvor. Gleichzeitig bestanden zum Jahresende noch 4.154 genehmigte, aber nicht fertiggestellte Wohnungen. Bei 2.571 davon hatte der Bau noch gar nicht begonnen.
2026 hat sich die Zahl der Genehmigungen wieder deutlich erhöht: In den ersten acht Monaten des Jahres genehmigte die Stadt 1.640 Wohneinheiten. Zugleich geht die aktuelle Bevölkerungsprognose der Stadt – sofern die zugrunde gelegten Annahmen eintreten – von einem Anstieg der wohnberechtigten Bevölkerung von 320.728 Menschen Ende 2025 auf 335.781 im Jahr 2035 aus.
Landesweit verfügt Nordrhein-Westfalen aktuell über rund 120.700 Flurstücke mit insgesamt rund 170.000 Hektar. Seit der vorherigen Landtagsantwort nennt die Landesregierung vier Grundstücke in Hürth, Köln, Haan und Wesel, die mit entsprechenden Vorgaben für geförderten Wohnungsbau beziehungsweise die Unterbringung von Geflüchteten verkauft wurden. Münster befindet sich nicht unter diesen vier neuen Fällen.
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