
In Münster sind im Jahr 2025 weniger Menschen eingebürgert worden als im Vorjahr, obwohl die Zahl der neuen Anträge weiter hoch bleibt. Nach Angaben der Grünen Ratsfraktion erhielten 671 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft, während zugleich 1331 neue Einbürgerungsanträge gestellt wurden. Im Vorjahr hatte die Zahl der abgeschlossenen Einbürgerungen noch bei fast 900 gelegen.
Damit zeigt sich in Münster eine Entwicklung, die auf den ersten Blick gegen den Bundestrend läuft. Während bundesweit mehr Menschen eine Einbürgerung beantragen, kommt die Stadt bei der Bearbeitung offenbar nicht im gleichen Tempo hinterher. Die Zahlen deuten deshalb weniger auf ein nachlassendes Interesse hin, sondern vor allem auf einen wachsenden Rückstau in der Verwaltung.
Die Grünen im Rat sehen in den aktuellen Zahlen ein deutliches Signal für weiteren Handlungsbedarf. Medya Mustafa, migrationspolitische Sprecherin der Grünen Ratsfraktion, verweist auf die Dimension des Problems: „Über 5000 unbearbeitete Einbürgerungsanträge: Die aktuellen Zahlen bedeuten, dass dieser Stau bei den Einbürgerungen in Münster zuletzt noch weiter gewachsen ist.“ Ein solcher Zustand sei aus ihrer Sicht „nicht akzeptabel“.
Auch Simon Haack, ebenfalls migrationspolitischer Sprecher der Grünen im Rathaus, betont, dass die Koalition aus Grünen, SPD und Volt mit dem Haushalt zusätzliche Mittel für Personal bereitgestellt habe. Ziel sei es, den Rückstand schrittweise abzubauen. „Die Zeit der Bearbeitungsstaus muss auf diese Weise ein Ende haben“, sagt Haack.
Die Schwierigkeiten bei Einbürgerungsverfahren beschäftigen Münster nicht erst seit den aktuellen Zahlen. Bereits Ende 2025 war öffentlich von sehr langen Bearbeitungszeiten die Rede. Damals wurden eine durchschnittliche Dauer von rund 28 Monaten und nahezu 5000 offene Anträge genannt. Die nun berichteten mehr als 5000 unbearbeiteten Einbürgerungsanträge fügen sich daher in eine Entwicklung ein, die sich seit Monaten abzeichnet.
Zugleich ist Münster mit diesem Problem nicht allein. Viele Städte verzeichnen seit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts eine deutlich höhere Nachfrage, während Personal und Verwaltungsabläufe vielerorts nicht schnell genug angepasst wurden. Wenn mehr Anträge eingehen, als abgeschlossen werden können, wächst der Rückstau selbst dann weiter, wenn die Verwaltung laufend Fälle bearbeitet.
Ein wichtiger Hintergrund ist das modernisierte Staatsangehörigkeitsrecht, das seit dem 27. Juni 2024 gilt. Die Reform hat die reguläre Mindestaufenthaltsdauer für eine Einbürgerung von acht auf fünf Jahre verkürzt und zugleich Mehrstaatigkeit grundsätzlich ermöglicht. Viele Menschen, die früher länger warten mussten oder ihre bisherige Staatsangehörigkeit hätten aufgeben müssen, können nun einen Antrag stellen.
Diese Änderungen haben bundesweit zu einer höheren Nachfrage geführt. Für Münster bedeutet das: Die 1331 neuen Anträge im Jahr 2025 stehen einer deutlich geringeren Zahl abgeschlossener Verfahren gegenüber. Der Rückgang bei den Einbürgerungen lässt sich deshalb nicht einfach als geringeres Interesse erklären, sondern verweist auf die Frage, wie schnell die Stadt die offenen Verfahren künftig bearbeiten kann.
Die Stadt Münster informiert online über Voraussetzungen, notwendige Unterlagen und den Ablauf einer Einbürgerung. Anträge können inzwischen auch digital gestellt werden, wobei unter anderem ein BundID-Konto benötigt wird. Zusätzlich bietet die Stadt regelmäßige Informationsveranstaltungen an, die allgemeine Fragen klären und nach Angaben der Stadt in vielen Fällen einen Beratungstermin ersetzen können.
Für Erwachsene beträgt die Gebühr für eine Einbürgerung 255 Euro, für Kinder unter 18 Jahren werden 51 Euro fällig. Entscheidend wird jedoch weniger die Antragstellung selbst sein als die Bearbeitung der bereits aufgelaufenen Fälle. Ob die zusätzlich bereitgestellten Mittel für Personal ausreichen, wird sich daran zeigen, ob die Wartezeiten in Münster tatsächlich sinken und der Rückstau spürbar kleiner wird.
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