
Der Bundeshaushalt 2027 nimmt Gestalt an: Das Bundeskabinett hat am 29. April 2026 die Eckwerte für den Haushalt des kommenden Jahres sowie die Finanzplanung bis 2030 beschlossen. Die Zahlen sind gewaltig – und sorgen bereits jetzt für heftige Debatten. Finanzminister Lars Klingbeil legt einen Plan vor, der auf Rekordschulden, massiv gestiegene Verteidigungsausgaben und tiefe Einschnitte bei Sozial- und Gesundheitsleistungen setzt.
Der Bundeshaushalt 2027 sieht Gesamtausgaben von 543,3 Milliarden Euro vor – bis 2030 sollen diese auf 625,1 Milliarden Euro ansteigen. Um diese Ausgaben zu finanzieren, plant der Bund neue Schulden in Höhe von 196,5 Milliarden Euro für das Jahr 2027. Das ist eine der höchsten Neuverschuldungen in der Geschichte der Bundesrepublik. Allein im Kernhaushalt beläuft sich die geplante Neuverschuldung laut Finanzminister Klingbeil auf 110,8 Milliarden Euro.
Hintergrund für die enormen Schuldenpläne sind neben den gestiegenen Verteidigungskosten auch die milliardenschweren Sondervermögen: Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität erhält 2027 rund 58,2 Milliarden Euro. Insgesamt stehen laut Bundesfinanzministerium 118,5 Milliarden Euro an Investitionsmitteln bereit – für Verkehrsinfrastruktur, Digitalisierung, Schulen, Kindergärten, Wohnungsbau und Krankenhäuser. Die schwache Konjunktur in Deutschland macht den Finanzierungsspielraum zusätzlich enger.
Der Bundeshaushalt 2027 setzt einen deutlichen Schwerpunkt bei der Bundeswehr. Der Verteidigungsetat soll um knapp 28 Prozent auf rund 106 Milliarden Euro anwachsen. Einschließlich des Sondervermögens Bundeswehr (rund 27,5 Milliarden Euro) und der Ukraine-Hilfe sollen die gesamten Verteidigungsausgaben auf 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Damit übertrifft Deutschland das von der NATO geforderte Zwei-Prozent-Ziel deutlich.
Die schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz begründet die massiven Mehrausgaben mit der veränderten Sicherheitslage in Europa. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die wachsende Instabilität im Nahen Osten hätten die Anforderungen an die Bündnisverteidigung grundlegend verändert. Gleichzeitig stehen andere Ressorts unter erheblichem Spardruck, um die Mehrkosten zu finanzieren.
Besonders hart trifft es das Bundesgesundheitsministerium: Sein Etat soll im Bundeshaushalt 2027 um 5,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr sinken. Kernpunkt ist die Kürzung des Bundeszuschusses zum gesetzlichen Gesundheitsfonds um zwei Milliarden Euro. Weitere Einsparungen kommen hinzu. Kritiker warnen, dass die Kosten auf Versicherte und Arbeitgeber abgewälzt werden und die Beiträge zur Krankenversicherung stark steigen könnten.
Auch im Bereich der Sozialleistungen plant die Koalition Einschnitte: Die Zuschüsse zur Rentenversicherung sollen sinken, beim Elterngeld und Wohngeld sind Kürzungen geplant, und Inflationsanpassungen bei der Grundsicherung sollen entfallen. Auch bei der Beamtenbesoldung hatte die Bundesregierung bereits in der Vergangenheit für Aufregung gesorgt.
Die Haushaltspläne stoßen auf breiten Widerstand. Die AfD bezeichnete die Eckwerte als Offenbarungseid für die Bundesregierung und sprach von Verantwortungslosigkeit. Die Grünen warnen vor einer Beitragssatzeskalation bei der gesetzlichen Krankenversicherung: Versicherte, Betriebe und Beschäftigte würden die Zeche zahlen, während die Versorgungsqualität in Praxen und Kliniken erheblich unter Druck gerate. Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse kritisierte, dass der Staat seine Finanzierungsrolle im Gesundheitssystem zunehmend aufgebe.
Auch Ökonomen melden Zweifel an. Das Handelsblatt spricht von einem Haushaltsplan mit Lücken, der eher als Aufwärmübung zu verstehen sei – viele Fragen zur langfristigen Finanzierbarkeit blieben offen. Bis zur Vorlage des eigentlichen Haushaltsentwurfs im Sommer 2026 ist mit weiteren politischen Auseinandersetzungen zu rechnen.
Die beschlossenen Eckwerte bilden die Grundlage für den eigentlichen Haushaltsentwurf, den das Kabinett voraussichtlich im Sommer 2026 verabschieden soll. Dieser muss dann durch den Bundestag beraten und beschlossen werden. Angesichts der enormen Zahlen – fast 200 Milliarden Euro neue Schulden, 106 Milliarden für Verteidigung, drastische Kürzungen bei Gesundheit und Soziales – ist eine hitzige Parlamentsdebatte vorprogrammiert. Der Bundeshaushalt 2027 dürfte eines der bestimmenden Themen der deutschen Politik im Herbst 2026 werden.
Quellen: Bundesfinanzministerium, Bundesregierung.de, ZDFheute, Handelsblatt, Deutsches Ärzteblatt, Berliner Zeitung
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