
Die ARD-Dokumentation Einigkeit und Recht und Vielfalt läuft heute Abend um 22:45 Uhr in der Wiederholung. Der WDR-Film von Regisseur Philipp Awounou widmet sich einer zentralen Frage des deutschen Fußballs: Wie veränderten Spieler mit Migrationshintergrund die Nationalmannschaft – und was sagt das über die deutsche Gesellschaft aus? Die Dokumentation entstand ursprünglich im Vorfeld der Europameisterschaft 2024 und sorgte damals für bundesweite Diskussionen.
In rund 45 Minuten zeichnet Awounou nach, wie die deutsche Nationalmannschaft seit den 1990er Jahren immer vielfältiger wurde. Damals war das DFB-Team noch nahezu ausschließlich von Spielern ohne Zuwanderungsgeschichte geprägt. Seither hat sich das Bild grundlegend gewandelt: Spieler wie Miroslav Klose, Lukas Podolski, Mesut Özil oder Leroy Sané brachten neue Biographien und Perspektiven in die Elf und machten das Team zum Spiegelbild eines sich verändernden Einwanderungslandes.
Der Regisseur stellt dabei keine einseitige These auf, sondern lässt Zahlen, Archivbilder und vor allem die Protagonisten selbst sprechen. Das Ergebnis ist ein differenziertes Porträt eines sportlichen wie gesellschaftlichen Wandels, der weit über den Fußball hinausgeht. Die Dokumentation war nach ihrer Erstausstrahlung 2024 zunächst ausschließlich in der ARD-Mediathek verfügbar – nun kommt sie erstmals als Wiederholung ins späte Abendprogramm des Ersten.
Die emotionalsten Momente des Films liefern die Interviews mit drei Spielern, die in ihren Karrieren sehr unterschiedliche Erlebnisse gemacht haben. Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah, einer der ersten Schwarzen Spieler im DFB-Team, berichtete, er sei im Laufe seiner Karriere tausende Male mit rassistischen Beleidigungen konfrontiert worden. Was heute kaum vorstellbar erscheint, beschrieb er als damalige Normalität – ein Satz, der die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte eindringlich spürbar macht.
Weltmeister Shkodran Mustafi schilderte einen anderen Aspekt des Drucks: Er soll stets unter der Erwartung gestanden haben, sich besonders integriert und leistungsfähig beweisen zu müssen – eine Frage, mit der einheimisch geprägte Teamkameraden so nie konfrontiert worden sein sollen. Hasskommentare und Anfeindungen treffen im Sport bis heute viele Athleten: Auch Tischtennis-Nachwuchsstar Annett Kaufmann berichtete zuletzt von Morddrohungen im Netz, wie ms-aktuell.de berichtete. Jonathan Tah, aktueller Leistungsträger der Nationalelf, steht für den Generationenwandel: Er betrachtet sich als Deutschen mit afrikanischen Wurzeln, ohne diesen Aspekt als belastend zu empfinden.
Begleitend zur Dokumentation hatte der WDR eine Umfrage in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse für erhebliche öffentliche Aufregung sorgten. Demnach soll sich jeder fünfte Deutsche mehr hellhäutige Spieler in der Nationalmannschaft wünschen. Unter AfD-Wählern soll dieser Wert laut der Erhebung sogar bei 47 Prozent liegen.
Bundestrainer Julian Nagelsmann reagierte scharf und bezeichnete die Begleitumfrage als rassistisch. Medienkritiker wiesen hingegen darauf hin, dass weniger die Ergebnisse selbst als deren öffentliche Kommunikation durch den WDR problematisch gewesen sei. Trotz der Kontroverse – oder vielleicht auch gerade deswegen – entwickelte sich die Dokumentation zu einem echten Mediathek-Erfolg: Innerhalb von drei Wochen nach der Erstausstrahlung wurde der Film rund 350.000 Mal in der ARD-Mediathek abgerufen.
Die Wiederholung von Einigkeit und Recht und Vielfalt heute Abend um 22:45 Uhr im Ersten bietet die Gelegenheit, diesen viel diskutierten Film nachzuholen oder ihn erneut zu sehen. Angesichts anhaltender gesellschaftlicher Debatten über Identität, Zugehörigkeit und Rassismus in Deutschland bleibt die Dokumentation von Philipp Awounou hochaktuell. Wer die Ausstrahlung verpasst, kann den Film außerdem dauerhaft in der ARD-Mediathek abrufen.
Quellen: ARD, WDR, Sportschau, t-online, Rhein-Neckar-Zeitung
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