Ein Jahr nach AI171: Trauer und offene Fragen in Ahmedabad

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Der Absturz von Air India Flug 171

Air India Flug 171 startete am 12. Juni 2025 am Flughafen Ahmedabad. Ziel war London-Gatwick. An Bord der Boeing 787-8 Dreamliner befanden sich laut AAIB 230 Passagiere, zwölf Besatzungsmitglieder und zwei Piloten. Das Flugzeug stürzte in der Anfangsphase des Steigflugs ab. Nach den im Vorbericht genannten Daten erreichte die Maschine nur wenige Sekunden nach dem Abheben ihre entscheidende Flugphase. Der Unfall traf auch Gebäude im Bereich des B.J. Medical College. Die AAIB bezifferte die Zahl der Todesopfer auf 229 Passagiere, zwölf Crewmitglieder und 19 Menschen am Boden.

AAIB-Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen

Der bisher wichtigste amtliche Stand ist der vorläufige AAIB-Bericht. Darin hält die Behörde ausdrücklich fest, dass die Untersuchung der Unfallverhütung dient und nicht der Klärung von Schuld oder Haftung. Ein abschließender Bericht liegt nach bisherigem öffentlich bekannten Stand nicht vor. Reuters berichtete vor dem Jahrestag, dass sich der Abschlussbericht voraussichtlich verzögere. Hintergrund seien demnach weitere Analysen im Zusammenhang mit GE-Aerospace-Komponenten. Nach internationalen Regeln soll ein Abschlussbericht möglichst binnen eines Jahres vorliegen. Ist das nicht möglich, folgt üblicherweise eine Zwischeninformation zum Stand der Untersuchung.

Fuel Cutoff Switches rücken in den Fokus

Besonders aufmerksam geprüft werden die Fuel Cutoff Switches. Laut AAIB-Daten wechselten die Schalter für beide Triebwerke kurz nach dem Start fast nacheinander von RUN auf CUTOFF. Dadurch wurde die Treibstoffzufuhr zu den Triebwerken unterbrochen. Im Cockpit Voice Recorder soll nach Angaben des Vorberichts zu hören sein, dass ein Pilot den anderen fragte, warum er die Treibstoffzufuhr abgeschaltet habe. Der andere Pilot soll dies verneint haben. Entscheidend bleibt: Die AAIB hat daraus keine endgültige Ursache abgeleitet. Warum die Schalter in diese Stellung wechselten, ist amtlich nicht abschließend geklärt.

RAT-Auslösung zeigt schwere Systemlage kurz nach dem Start

Ein weiteres zentrales Indiz ist die Ram Air Turbine, kurz RAT. Laut AAIB zeigte eine Videoaufnahme, dass die RAT unmittelbar nach dem Abheben ausgefahren war. Die RAT dient als Notstrom- und Hydraulikhilfe, wenn wichtige Energiequellen nicht ausreichend verfügbar sind. Der Vorbericht nennt zudem, dass die Triebwerksdrehzahlen nach dem Wechsel der Fuel Cutoff Switches zurückgingen. Anschließend wurden die Schalter wieder auf RUN gestellt, die Systeme leiteten eine Wiederzündung ein. Ein Triebwerk zeigte Anzeichen einer Erholung, das zweite konnte den Leistungsabfall nach den AAIB-Daten nicht rechtzeitig ausgleichen. Auch daraus folgt jedoch noch keine amtlich festgestellte Unfallursache.

Boeing, GE und Behörden verweisen auf die laufende Untersuchung

Boeing erklärte nach dem Unfall, man unterstütze die AAIB-geführte Untersuchung und verweise für Details auf die indische Behörde. GE Aerospace ist wegen der GEnx-Triebwerke und zugehöriger Analysen Teil der technischen Aufarbeitung. Die FAA erklärte laut Reuters nach eigenen Prüfungen zunächst, sie sehe keinen Hinweis auf ein mechanisches Problem an der Boeing 787 oder auf ein unbeabsichtigtes Bewegen der Fuel-Control-Einheit. Air India teilte mit, man habe die Verriegelungsmechanismen der Fuel Control Switches bei Boeing 787 und Boeing 737 vorsorglich überprüft. Nach Angaben der Airline wurden dabei keine Auffälligkeiten festgestellt.

Keine weltweite Stilllegung der 787-Flotte

Aus dem AAIB-Vorbericht ergaben sich zunächst keine Sicherheitsempfehlungen an Betreiber der Boeing 787-8 oder der GE-GEnx-Triebwerke. Damit gab es auf Grundlage der vorläufigen Erkenntnisse keine weltweite Stilllegung der Dreamliner-Flotte. Dennoch bleibt der Fall für die Luftfahrtindustrie von großer Bedeutung. Der Absturz war der erste tödliche Totalverlust einer Boeing 787 seit Einführung des Musters. Für Airlines, Hersteller und Behörden hängt viel davon ab, ob der Abschlussbericht eine technische Schwachstelle, eine Bedienhandlung, eine Kombination mehrerer Faktoren oder eine andere Ursache benennt. Bis dahin bleibt Zurückhaltung bei jeder Bewertung geboten.

Gedenken in Ahmedabad und Reaktionen der Angehörigen

Am Jahrestag versammelten sich laut Reuters Angehörige in Ahmedabad zu Gebeten und Gedenkveranstaltungen. Teile der beim Absturz beschädigten Gebäude am B.J. Medical College blieben demnach weiter geschlossen. Die Regierung des Bundesstaats Gujarat plant nach Reuters-Angaben, beschädigte Gebäudeteile abzureißen und mit Unterstützung der Tata-Gruppe neu aufzubauen. Angehörige fordern weiterhin eine vollständige, transparente Aufklärung. Auch aus dem Umfeld eines Piloten gab es Forderungen nach einer unabhängigen Prüfung, damit nicht vorschnell nur eine mögliche Bedienhandlung in den Mittelpunkt gestellt wird.

Entschädigungen und Klagen laufen weiter

Parallel zur Unfalluntersuchung laufen Entschädigungen und juristische Schritte. Air India und Tata Sons haben nach Berichten indischer Medien umfangreiche Zahlungen an Angehörige und Betroffene geleistet. Dazu gehören Soforthilfen der Airline und zusätzliche Leistungen der Tata-Gruppe. Air India erklärte, Familien würden nicht unter Druck gesetzt und könnten den Abschluss der Untersuchung abwarten. Zugleich gibt es Klagen in Großbritannien und den USA. In den USA richten sich Vorwürfe unter anderem gegen Boeing und Honeywell. Diese Verfahren betreffen Haftungsfragen, ersetzen aber nicht die amtliche Unfallursachenanalyse der AAIB.

Was bis zum Abschlussbericht offen bleibt

Offen bleibt vor allem, warum beide Fuel Cutoff Switches kurz nach dem Start in die Stellung CUTOFF wechselten. Ebenso wichtig sind die endgültige Auswertung der Cockpitaufnahmen, der technischen Systemdaten, der Triebwerks- und Steuerungskomponenten sowie der betrieblichen Abläufe. Der Jahrestag von Air India Flug 171 ist deshalb nicht nur ein Tag des Gedenkens. Er zeigt auch, wie wichtig eine präzise und unabhängige Untersuchung ist. Für die Angehörigen, für Air India und für die internationale Luftfahrt bleibt der Abschlussbericht der AAIB der entscheidende nächste Schritt.

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