
Die Schweizer Stimmberechtigten haben am Sonntag, dem 14. Juni 2026, die Änderung des Zivildienstgesetzes angenommen. Die Vorlage erreichte nach den Schlussresultaten einen Ja-Anteil von 52,5 Prozent. 47,5 Prozent stimmten dagegen. Die Stimmbeteiligung lag bei 58,3 Prozent und damit ungewöhnlich hoch für eine eidgenössische Abstimmung.
Die genaue Vorlagenbezeichnung lautete: Änderung vom 26. September 2025 des Bundesgesetzes über den zivilen Ersatzdienst, Zivildienstgesetz, ZDG. Die Abstimmungsfrage zielte darauf, ob diese Änderung angenommen werden soll. Politisch wurde die Vorlage vor allem als Beitrag zur Stärkung der Armee diskutiert. Rechtlich handelte es sich jedoch nicht um eine direkte Finanzierungsentscheidung für die Schweizer Armee.
Neben dem Volksmehr fiel auch das Stände-Ergebnis zugunsten der Reform aus. Nach den Schlussresultaten sagten zwanzig Kantone beziehungsweise 17,5 Stände Ja. Sechs Kantone beziehungsweise 5,5 Stände lehnten die Änderung ab. Damit war auch die föderale Unterstützung klarer als das reine Volksmehr.
Besonders hohe Ja-Anteile wurden unter anderem in Appenzell Innerrhoden, Obwalden und Schwyz verzeichnet. Auch Nidwalden, Glarus, Thurgau und Zug lagen deutlich über sechzig Prozent Zustimmung. Abgelehnt wurde die Vorlage dagegen in Basel-Stadt, Zürich, Jura, Genf, Neuenburg und Waadt. Damit zeigte sich ein deutliches regionales Muster: Die Westschweiz stand der Reform mehrheitlich skeptischer gegenüber als viele deutschsprachige Kantone.
Mit dem Ja zur Vorlage werden sechs Massnahmen eingeführt, die den Wechsel vom Militärdienst in den Zivildienst erschweren sollen. Kernpunkt ist eine Mindestdauer von 150 Zivildiensttagen. Diese soll unabhängig davon gelten, wie viele Militärdiensttage der betroffenen Person noch fehlen.
Zudem gilt der Faktor 1,5 künftig auch für Unteroffiziere und Offiziere. Wer alle Ausbildungstage der Armee bereits geleistet hat, kann nicht mehr in den Zivildienst wechseln. Hinzu kommen eine jährliche Einsatzpflicht, strengere Regeln bei Gesuchen während der Rekrutenschule und der Ausschluss bestimmter Einsätze, die ein Human-, Zahn- oder Veterinärmedizinstudium voraussetzen.
Bundespräsident Guy Parmelin äußerte sich am Abstimmungssonntag im Namen der Regierung. Nach seiner Darstellung geht es bei der Reform um den Grundsatz, dass junge Männer Militärdienst leisten sollen und der Zivildienst eine Ausnahme bleibt. Parmelin betonte zugleich, es gehe nicht darum, den Zivildienst abzuschaffen oder abzuwerten.
Der Bundesrat hatte die Vorlage bereits im Abstimmungskampf unterstützt. Seine Linie war, dass es keine freie Wahl zwischen Militärdienst und Zivildienst geben solle. Die Regierung verwies auf hohe Zulassungszahlen beim Zivildienst. 2025 wurden 7211 Personen neu zugelassen, so viele wie nie zuvor. Nach Einschätzung des Bundesrates sollen die neuen Regeln die Zahl der Zulassungen senken. Über das genaue Inkrafttreten will der Bundesrat voraussichtlich Mitte 2027 entscheiden.
Im Ja-Lager wurde das Ergebnis als Erfolg für Armee und Bevölkerungsschutz gewertet. SVP-Nationalrat Michael Götte sprach von einem ersten Schritt für weitere Maßnahmen, die nötig seien, um die Sicherheit des Landes mittel- und langfristig sicherzustellen. Auch Vertreter bürgerlicher Parteien sahen in der Reform ein Signal, dass ausgebildete Soldaten stärker in der Armee gehalten werden sollen.
Der Entscheid ist für die SVP allerdings kein uneingeschränkter Erfolg des Abstimmungssonntags. Parallel wurde die SVP-Volksinitiative Keine 10-Millionen-Schweiz (Nachhaltigkeitsinitiative) abgelehnt. Beim Zivildienstgesetz setzte sich hingegen die bürgerliche Position durch.
Die Gegnerinnen und Gegner der Reform warnten vor spürbaren Folgen für Bereiche, in denen Zivildienstleistende eingesetzt werden. Dazu zählen Heime, Spitäler, Schulen, Umweltprojekte, Landwirtschaft und Alpwirtschaft. Vertreter des Nein-Lagers kritisierten, dass die Reform den Zivildienst schwäche, ohne sicher zu garantieren, dass die Armee dadurch tatsächlich deutlich profitiert.
Die Jungen Grünen und der Verband Civiva hatten gegen die Gesetzesänderung das Referendum ergriffen. Unterstützt wurden sie unter anderem von SP, Grünen und GLP. Das Nein-Lager konnte die Vorlage zwar nicht verhindern, erzielte aber angesichts des knappen Ausgangs einen Achtungserfolg. Die Debatte über die Zukunft des Schweizer Dienstpflichtsystems dürfte damit nicht beendet sein.
Für die Schweizer Verteidigungspolitik ist das Ergebnis der heutigen Schweiz Armee Abstimmung ein Signal zugunsten strengerer Dienstpflichtregeln. Die Armee steht seit Jahren unter Druck, weil Bestände, Abgänge und Wechsel in den Zivildienst politisch intensiv diskutiert werden. Die angenommene Reform soll vor allem verhindern, dass Personen nach bereits weitgehend absolviertem Militärdienst noch in den Zivildienst wechseln.
Gleichzeitig löst die Abstimmung die Grundfrage nicht vollständig. Offen bleibt, wie die Schweiz langfristig genügend Personal für Armee, Zivilschutz und zivile Ersatzdienste sichern will. Der Bundesrat prüft bereits weitergehende Modelle, darunter eine Sicherheitsdienstpflicht. Das knappe Ja vom 14. Juni 2026 stärkt kurzfristig die Position der Befürworter einer härteren Linie, zeigt aber auch, dass weitere Verschärfungen politisch umstritten bleiben dürften.
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