Streit um Italo wirft neue Fragen zur Zukunft des Fernverkehrs auf

Baustelle auf der A59 bei Köln dauert länger als geplant
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EVG warnt vor Folgen für kleinere Fernverkehrshalte

16 Städten droht Fernzug-Aus. Diese Warnung bezieht sich nicht auf eine bereits beschlossene Streichliste der Deutschen Bahn, sondern auf eine Analyse der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Nach Darstellung der Gewerkschaft könnten bestimmte ICE und IC Halte unter Druck geraten, falls der italienische Anbieter Italo ab 2028 in Deutschland vor allem stark ausgelastete Hauptstrecken bedient. Die zentrale Sorge lautet: Wenn besonders rentable Verbindungen stärker umkämpft sind, könnten weniger lukrative Fernzughalte in kleineren oder mittleren Städten für die Deutsche Bahn wirtschaftlich schwerer zu halten sein.

Diese 16 Städte nennt die EVG-Analyse

Nach der EVG-Analyse wären vor allem Aachen, Augsburg, Bamberg, Chemnitz, Cottbus, Freiburg, Ingolstadt, Jena, Magdeburg, Münster, Norddeich Mole, Osnabrück, Rostock, Saarbrücken, Schwerin und Singen betroffen. Für Trier wird zusätzlich eine geplante IC-Anbindung genannt, die demnach wegfallen könnte. Eine unabhängige Bestätigung dieser konkreten Folgen lag zunächst nicht vor. Wichtig ist deshalb die Unterscheidung: Die Liste beschreibt eine gewerkschaftliche Risikoeinschätzung, keinen veröffentlichten Fahrplanbeschluss der Deutschen Bahn. Fahrgäste müssen aktuell also nicht davon ausgehen, dass diese Halte bereits verbindlich gestrichen sind.

Warum Italo den Streit auslöst

Italo will ab 2028 in den deutschen Fernverkehr einsteigen. Geplant sind nach bisher bekannten Angaben Hochgeschwindigkeitszüge auf besonders nachfragestarken Achsen, darunter München, Frankfurt, Köln und Dortmund sowie München, Berlin und Hamburg. Für einen solchen Einstieg braucht das Unternehmen verlässliche Trassen. Damit sind Zeitfenster gemeint, in denen Züge bestimmte Strecken nutzen dürfen. Genau darüber gibt es Streit. Italo fordert bessere Planungssicherheit für neue Anbieter. Die Deutsche Bahn und ihre Infrastrukturtochter verweisen dagegen auf knappe Netzkapazitäten und auf Regeln, die für alle Eisenbahnunternehmen gleich gelten müssten.

Fernverkehr in Deutschland funktioniert eigenwirtschaftlich

Der Hintergrund ist strukturell wichtig. Der Schienenpersonenfernverkehr wird in Deutschland eigenwirtschaftlich betrieben. Anders als viele Regionalverkehre wird er nicht von Ländern bestellt und regelmäßig über öffentliche Aufgabenträger finanziert. Eisenbahnunternehmen entscheiden daher selbst, welche Fernverkehrsverbindungen sie anbieten. Die EVG argumentiert, dass die Deutsche Bahn bislang auch schwächere Relationen aus einem Gesamtsystem heraus bedient. Wenn private Anbieter nur auf besonders lukrativen Hauptstrecken fahren, könne dieses Modell aus Sicht der Gewerkschaft ins Wanken geraten. Diese Bewertung ist politisch umstritten, aber für die aktuelle Debatte zentral.

Offiziell läuft ein Verfahren zur Trassenvergabe

Offiziell bestätigt ist, dass Italo sich mit einer Beschwerde an die Bundesnetzagentur gewandt hat. Dabei geht es um Vorrangregeln bei der Trassenvergabe in den Infrastrukturnutzungsbedingungen der DB InfraGO. Die Bundesnetzagentur führt dazu ein Verfahren. Die DB InfraGO betont, sie begrüße Wettbewerb grundsätzlich, lehne aber eine strukturelle Bevorzugung neuer Marktteilnehmer ab. Zugleich verweist sie auf überlastete Knoten, dicht belegte Hochleistungsstrecken und Bahnhöfe mit begrenzter Kapazität. Damit bleibt der Kern der Auseinandersetzung offen: Wie viel Wettbewerb ist möglich, ohne bestehende Fernverkehrsangebote in der Fläche zu schwächen?

Für Fahrgäste bleibt vieles offen

Für Fahrgäste in den genannten Städten bedeutet die EVG-Warnung zunächst vor allem Unsicherheit. Konkrete Fahrplanänderungen sind damit nicht automatisch verbunden. Entscheidend wird sein, wie die Bundesnetzagentur, die Politik, DB InfraGO, die Deutsche Bahn und mögliche Wettbewerber die Vergabe knapper Trassen künftig regeln. Sollte Italo tatsächlich in großem Umfang in den deutschen Markt eintreten, könnte der Wettbewerb auf Hauptstrecken zunehmen. Ob dadurch Tickets günstiger, Verbindungen besser oder einzelne Halte seltener werden, ist derzeit nicht abschließend belegt. Fest steht nur: Die Debatte über den Fernverkehr in der Fläche hat damit neue Schärfe bekommen.

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