Alphabet und Tesla liefern den nächsten Belastungstest für KI

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Alphabet und Tesla legen am Mittwoch, 22. Juli 2026, ihre Quartalszahlen vor. Beide Unternehmen berichten nach dem Ende des US-Börsenhandels. Alphabets Ergebnis-Call beginnt um 22.30 Uhr deutscher Zeit, bei Tesla startet die Fragerunde um 23.30 Uhr. Die Ergebnisse sind noch nicht veröffentlicht. Dennoch gelten die Berichte schon jetzt als wichtiger Test dafür, ob die hohen Erwartungen an künstliche Intelligenz durch wachsende Umsätze, belastbare Margen und ausreichende Mittelzuflüsse gestützt werden.

Zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle im KI-Fokus

Alphabet und Tesla werden häufig gemeinsam als Unternehmen mit großen KI-Ambitionen betrachtet. Ihre Geschäftsmodelle unterscheiden sich jedoch deutlich.

Alphabet verdient einen wesentlichen Teil seines Geldes mit digitaler Werbung. Hinzu kommen das Cloudgeschäft und weitere Dienste. Künstliche Intelligenz soll die Google-Suche verbessern, Werbeanzeigen wirksamer machen und die Nachfrage nach Cloudkapazitäten erhöhen. Gleichzeitig muss Alphabet viel Geld in Rechenzentren, Server und eigene KI-Chips investieren.

Tesla produziert dagegen Fahrzeuge und Energiespeicher. Das Unternehmen verbindet diese bestehenden Geschäfte mit Zukunftsplänen für Robotaxis, Robotik und künstliche Intelligenz. Deshalb hängt die Bewertung der Entwicklung nicht allein von den verkauften Fahrzeugen ab. Entscheidend ist auch, ob Tesla seine technologischen Projekte voranbringt, ohne die Profitabilität und den Mittelzufluss dauerhaft zu belasten.

Die Berichte liefern damit zwei verschiedene Perspektiven auf den KI-Boom. Bei Alphabet geht es vor allem darum, ob KI bereits zusätzliche Nachfrage und höhere Werbeerlöse erzeugt. Bei Tesla steht stärker die Frage im Mittelpunkt, wie sich hohe Zukunftsinvestitionen mit dem laufenden Industriegeschäft vereinbaren lassen.

Alphabet: Suche, Klickpreise und Cloudwachstum

Bei Alphabet dürften das Werbegeschäft, die Entwicklung der Google-Suche und die Cloudaktivitäten im Mittelpunkt stehen. Analyst Youssef Squali erwartet laut Kiplinger für Alphabet ein Umsatzwachstum von rund 22 Prozent. Als mögliche Stützen nennt er die Zahl der Suchanfragen und die Entwicklung der Klickpreise.

Der Klickpreis gibt vereinfacht an, wie viel ein Werbekunde durchschnittlich bezahlt, wenn ein Nutzer auf eine Anzeige klickt. Steigt dieser Preis, kann Alphabet mit einer vergleichbaren Zahl von Anzeigenkontakten mehr Umsatz erzielen. Sinkende Klickpreise müssen dagegen nicht automatisch auf ein schwaches Geschäft hindeuten. Sie können beispielsweise auch mit Veränderungen bei Werbeformaten, Regionen oder Endgeräten zusammenhängen.

Für den Quartalsbericht wird daher wichtig sein, wie sich die Zahl der Suchanfragen, die Werbenachfrage und die durchschnittlichen Erlöse je Klick gemeinsam entwickelt haben. Zusätzlich dürfte das Unternehmen erläutern müssen, welchen Einfluss neue KI-Funktionen auf die Nutzung der Google-Suche und die Darstellung von Werbung haben.

Der Cloudauftragsbestand als langfristiger Indikator

Ein weiterer Schwerpunkt ist Google Cloud. Alphabets Auftragsbestand in der Cloudsparte lag Ende März bei 462 Milliarden Dollar. Das Unternehmen erklärte, etwas mehr als die Hälfte dieses Volumens innerhalb der folgenden 24 Monate als Umsatz verbuchen zu wollen.

Der Auftragsbestand zeigt Leistungen, die bereits vereinbart, aber noch nicht vollständig als Umsatz erfasst wurden. Er kann deshalb Hinweise auf die künftige Geschäftsentwicklung geben. Entscheidend ist jedoch nicht nur seine absolute Höhe. Beobachter achten auch darauf, wie schnell daraus tatsächlich Umsatz entsteht und ob die Cloudaktivitäten profitabel wachsen.

Gerade bei Anwendungen rund um künstliche Intelligenz benötigen Kunden große Mengen an Rechenleistung. Davon können Cloudanbieter profitieren. Gleichzeitig verursachen Aufbau und Betrieb der Infrastruktur hohe Kosten. Ein stark wachsender Auftragsbestand wäre deshalb nur ein Teil des Bildes. Ebenso wichtig sind die operative Marge der Cloudsparte, die Geschwindigkeit der Umsatzrealisierung und der Umfang der dafür notwendigen Investitionen.

Hohe Investitionsausgaben werden zum Prüfstein

Alphabet investiert stark in Rechenzentren, Server und eigene KI-Chips. Die sogenannten Investitionsausgaben umfassen Ausgaben für Vermögenswerte, die über einen längeren Zeitraum genutzt werden. Dazu zählen beispielsweise Gebäude, technische Anlagen und Computerinfrastruktur.

Steigende Investitionsausgaben können notwendig sein, um künftig mehr Cloudkunden zu bedienen und neue KI-Produkte anzubieten. Kurzfristig belasten sie jedoch den freien Mittelzufluss. Dieser berechnet sich vereinfacht aus dem Geld, das das laufende Geschäft erwirtschaftet, abzüglich der Investitionen in langfristige Vermögenswerte.

Ein hoher freier Mittelzufluss zeigt, dass nach den notwendigen Investitionen noch finanzielle Mittel verbleiben. Ein Rückgang kann dagegen darauf hindeuten, dass der Ausbau der Infrastruktur schneller wächst als der operative Mittelzufluss. Das ist nicht automatisch negativ, macht aber die erwarteten Erträge aus den Investitionen umso wichtiger.

Ein veränderter Investitionsausblick von Alphabet könnte außerdem Hersteller von Halbleitern, Netzwerktechnik und Rechenzentrumsausrüstung beeinflussen. Höhere geplante Ausgaben würden auf eine weiterhin starke Nachfrage nach technischer Infrastruktur hindeuten. Eine vorsichtigere Planung könnte dagegen Erwartungen an die gesamte KI-Lieferkette verändern.

Tesla: Fahrzeugmargen und Energiespeicher entscheiden mit

Tesla meldete für das zweite Quartal mehr als 480.000 ausgelieferte Fahrzeuge. Hinzu kamen 13,5 Gigawattstunden neu installierte Energiespeicher. Damit stehen zwei unterschiedliche Geschäftsbereiche im Fokus: das Fahrzeuggeschäft und die schnell wachsende Energiespeicherung.

Der von Tesla zusammengestellte Analystenkonsens aus 23 Schätzungen erwartet im Durchschnitt 27,6 Milliarden Dollar Umsatz und eine Bruttomarge von 19,5 Prozent. Diese Werte sind Erwartungen und noch keine veröffentlichten Ergebnisse.

Die Bruttomarge zeigt, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der unmittelbar mit Herstellung und Leistungserbringung verbundenen Kosten übrig bleibt. Bei einem Fahrzeughersteller gehören dazu unter anderem Produktionskosten und Materialaufwand. Je höher die Bruttomarge, desto mehr Geld steht grundsätzlich zur Verfügung, um Entwicklung, Verwaltung und andere betriebliche Kosten zu decken.

Bei Tesla dürfte deshalb nicht nur die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge wichtig sein. Entscheidend ist, zu welchen Preisen sie verkauft wurden und wie hoch die Herstellungskosten waren. Auch der Beitrag des Energiespeichergeschäfts zur Profitabilität könnte stärker in den Vordergrund rücken.

Robotaxis und Robotik treffen auf messbare Quartalszahlen

Neben den aktuellen Geschäftszahlen werden bei Tesla die Pläne für Robotaxis, Robotik und künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle spielen. Diese Projekte besitzen langfristige Bedeutung, liefern aber nicht zwangsläufig schon im aktuellen Quartal einen großen Umsatzbeitrag.

Für die Einordnung kommt es deshalb darauf an, wie Tesla zwischen bereits messbaren Ergebnissen und langfristigen Zielen unterscheidet. Aussagen zu Entwicklungsfortschritten, Investitionsbedarf und möglichen Zeitplänen dürften genau beobachtet werden. Gleichzeitig bleiben Fahrzeugmargen, Energiespeicher, Investitionsausgaben und freier Mittelzufluss die Kennzahlen, an denen sich die gegenwärtige wirtschaftliche Entwicklung ablesen lässt.

Alphabet und Tesla stehen somit für zwei Seiten der KI-Erwartungen. Alphabet muss zeigen, dass sich der Ausbau der Infrastruktur in Werbung und Cloudwachstum übersetzt. Tesla muss erläutern, wie das bestehende Fahrzeug- und Energiegeschäft die Entwicklung kapitalintensiver Zukunftsprojekte tragen kann. Erst das Zusammenspiel aus Wachstum, Margen, Investitionen und Mittelzufluss zeigt, wie tragfähig die jeweiligen Strategien sind.

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