SAP vor den Quartalszahlen: Der Blick richtet sich auf die Zukunft

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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SAP legt am Donnerstag, 23. Juli 2026, die Geschäftszahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor. Veröffentlicht werden die Ergebnisse um 22.05 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Die Telefonkonferenz für Analysten und Investoren beginnt um 23.00 Uhr. Bis zur Veröffentlichung befindet sich SAP in einer Quiet Period und äußert sich daher nicht zu seiner aktuellen Geschäftsentwicklung.

Die Zahlen erscheinen nach dem Ende des Xetra-Handels. Eine deutlichere Reaktion an der Börse dürfte deshalb vor allem am Freitag sichtbar werden. Für den DAX besitzt die Veröffentlichung besondere Bedeutung. SAP war nach dem DAX-Datenblatt des Indexanbieters STOXX für Juli 2026 mit einem Gewicht von 7,976 Prozent der drittgrößte Einzelwert im deutschen Leitindex. Grundlage ist der Stand vom 30. Juni. Einzelne DAX-Mitglieder dürfen höchstens 15 Prozent des Index ausmachen.

SAP-Konsens erwartet deutliches Cloudwachstum

Die Geschäftszahlen für das zweite Quartal sind noch nicht veröffentlicht. Einen Anhaltspunkt für die Erwartungen liefert der von SAP veröffentlichte Analystenkonsens. Er wurde zuletzt am 16. Juli aktualisiert und basiert auf Schätzungen, die SAP gesammelt hat, sowie auf Daten von Visible Alpha.

Der jeweils genannte Wert entspricht dem Median der eingegangenen Schätzungen. Er stellt ausdrücklich keine eigene Prognose des Konzerns dar.

Für das zweite Quartal erwarten die Analysten im Mittel einen Cloudumsatz von 6,255 Milliarden Euro. Das wären 22 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. In diesen Konsenswert fließen 16 Schätzungen ein.

Der Gesamtumsatz wird auf 9,849 Milliarden Euro veranschlagt. Dies entspräche einem Wachstum von 9 Prozent. Für den Cloud- und Softwareumsatz liegt die Erwartung bei 8,812 Milliarden Euro und damit 11 Prozent über dem Vorjahreswert.

Beim bereinigten operativen Gewinn rechnet der SAP-Konsens mit 2,883 Milliarden Euro. Das wäre ein Anstieg um 12 Prozent. Die bereinigte operative Marge wird bei 29,4 Prozent erwartet. Die Marge zeigt, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der laufenden betrieblichen Kosten als operativer Gewinn verbleibt.

Warum der Cloudumsatz allein nicht ausreicht

SAP wandelt sein Geschäft seit Jahren von klassischen Softwarelizenzen zu Cloudangeboten um. Bei einer herkömmlichen Lizenz zahlt ein Kunde häufig einen größeren Betrag für ein dauerhaftes Nutzungsrecht. Bei einem Cloudvertrag wird die Software dagegen meist über einen bestimmten Zeitraum abonniert und regelmäßig bezahlt.

Für SAP bedeutet dieses Modell besser planbare Einnahmen. Gleichzeitig verteilen sich die Umsätze aus einem mehrjährigen Vertrag über dessen Laufzeit. Ein neuer Großauftrag erscheint deshalb nicht sofort vollständig im Quartalsumsatz.

Der Cloudumsatz zeigt, wie viel Umsatz SAP in einem bestimmten Zeitraum aus seinen Cloudangeboten verbucht hat. Er ist eine wichtige Kennzahl, bildet aber nur einen Teil der Geschäftsentwicklung ab. Für die Bewertung eines Softwarekonzerns mit Abomodell ist zusätzlich entscheidend, wie viele Verträge abgeschlossen wurden, welche Laufzeiten sie besitzen und welcher Umsatz daraus in der näheren Zukunft erwartet werden kann.

Auch die Entwicklung des bereinigten operativen Gewinns ist relevant. Stark steigende Umsätze sind für sich genommen wenig aussagekräftig, wenn gleichzeitig die Kosten ähnlich schnell oder noch stärker wachsen. Die operative Marge hilft dabei, Umsatzwachstum und Profitabilität gemeinsam zu betrachten.

Current Cloud Backlog zeigt bereits vereinbarte Erlöse

Eine besonders beachtete Kennzahl ist der Current Cloud Backlog. Er umfasst vertraglich zugesicherte Cloudumsätze, die SAP voraussichtlich innerhalb der kommenden zwölf Monate als Umsatz erfassen kann.

Vereinfacht gesagt zeigt die Kennzahl, welcher Teil des künftigen Cloudgeschäfts bereits durch bestehende Verträge abgesichert ist. Dadurch kann der Current Cloud Backlog früher als der ausgewiesene Quartalsumsatz erkennen lassen, ob die Nachfrage anzieht oder nachlässt.

Zum 31. März 2026 lag der Current Cloud Backlog bei 21,932 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einem Plus von 20 Prozent. Währungsbereinigt betrug das Wachstum 25 Prozent.

Die währungsbereinigte Betrachtung soll Wechselkurseffekte ausblenden. Das ist für einen international tätigen Konzern wichtig. Steigt beispielsweise der Euro gegenüber einer anderen Währung, können dort erzielte Umsätze nach der Umrechnung niedriger erscheinen, obwohl das operative Geschäft vor Ort gewachsen ist.

Bei der Veröffentlichung am Donnerstag wird daher nicht nur die absolute Höhe des Auftragsbestands eine Rolle spielen. Beobachter dürften auch darauf achten, wie sich seine Wachstumsrate im Vergleich zum ersten Quartal entwickelt hat.

Erstes Quartal setzte einen hohen Vergleichsmaßstab

Im ersten Quartal 2026 hatte SAP einen Cloudumsatz von 5,962 Milliarden Euro erzielt. Das waren 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bereinigt um Wechselkurse lag das Wachstum bei 27 Prozent.

Der Gesamtumsatz stieg um 6 Prozent auf 9,555 Milliarden Euro. Währungsbereinigt erreichte das Wachstum 12 Prozent. Der bereinigte operative Gewinn erhöhte sich um 17 Prozent auf 2,867 Milliarden Euro.

Besonders dynamisch entwickelte sich die Cloud ERP Suite. Ihre Erlöse legten um 23 Prozent zu. Bei konstanten Wechselkursen betrug das Wachstum 30 Prozent. ERP steht für Enterprise Resource Planning. Gemeint sind zentrale Unternehmensanwendungen, mit denen beispielsweise Finanzen, Einkauf, Produktion, Personal und Lieferketten gesteuert werden.

SAP hatte allerdings darauf hingewiesen, dass mehrere quartalsspezifische Effekte das Cloudwachstum zu Jahresbeginn begünstigt hatten. Für das zweite Quartal stellte der Konzern deshalb eine Abschwächung der Wachstumsrate beim Cloudumsatz in Aussicht. Ein geringeres Wachstum als auf währungsbereinigter Basis im ersten Quartal wäre daher nicht automatisch eine Überraschung.

Entscheidend wird sein, wie die tatsächlichen Zahlen im Verhältnis zu dieser angekündigten Normalisierung und zum veröffentlichten Analystenkonsens ausfallen.

Wiederkehrende Umsätze verbessern die Planbarkeit

Bei einem Abomodell spielen wiederkehrende Umsätze eine zentrale Rolle. Sie entstehen durch laufende Verträge, für die Kunden regelmäßig bezahlen. Solange die Verträge bestehen und verlängert werden, muss SAP den entsprechenden Umsatz nicht in jedem Quartal vollständig neu gewinnen.

Ein hoher Anteil wiederkehrender Erlöse kann die Schwankungen im Geschäft verringern und die Vorhersagbarkeit verbessern. Trotzdem sind auch diese Einnahmen nicht dauerhaft garantiert. Kunden können Verträge nach Ablauf kündigen, Leistungen reduzieren oder zu anderen Anbietern wechseln.

Deshalb ist neben dem ausgewiesenen Umsatz wichtig, ob SAP neue Cloudverträge gewinnt, bestehende Verträge ausbaut und Kunden dauerhaft an seine Plattformen bindet. Der Current Cloud Backlog verbindet mehrere dieser Aspekte, weil er bereits vereinbarte Erlöse für die kommenden zwölf Monate abbildet.

Die Entwicklung des Auftragsbestands kann dadurch mehr über die nähere Zukunft aussagen als der Umsatz eines einzelnen Quartals. Der Quartalsumsatz blickt überwiegend zurück. Der Current Cloud Backlog enthält dagegen einen Teil der bereits vertraglich gesicherten künftigen Geschäftsentwicklung.

Jahresprognose und Business AI im Blick

SAP hatte seine Jahresprognose im April bestätigt. Bei konstanten Wechselkursen erwartet der Konzern für 2026 einen Cloudumsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro. Der Cloud- und Softwareumsatz soll 36,3 bis 36,8 Milliarden Euro erreichen.

Für den bereinigten operativen Gewinn sieht die Prognose eine Spanne von 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro vor. Nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen dürfte daher besonders beachtet werden, ob SAP diese Ziele erneut bestätigt oder verändert.

Auch das Geschäft mit künstlicher Intelligenz steht im Mittelpunkt. Eine separate Umsatzzeile für Business AI enthält der veröffentlichte Quartalskonsens jedoch nicht. KI-Funktionen sind teilweise in größere Cloudverträge eingebettet. Dadurch lässt sich aus den veröffentlichten Umsatzzahlen nicht unmittelbar ablesen, welchen eigenständigen finanziellen Beitrag die KI-Angebote leisten.

Hinweise können stattdessen aus Aussagen zur Nachfrage, zur Nutzung der Anwendungen und zum Umfang neuer Cloudverträge kommen. Für die Einordnung der SAP-Zahlen bleibt deshalb das Gesamtbild entscheidend: Cloudwachstum, Current Cloud Backlog, operative Marge, wiederkehrende Erlöse und die Jahresprognose müssen gemeinsam betrachtet werden.

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