Nahost-Konflikt treibt Ölpreis: Was Europa jetzt spürt

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der Ölpreis ist zum Wochenbeginn deutlich gestiegen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Montagmorgen, 20. Juli 2026, zeitweise 90,87 US-Dollar. Das waren 2,77 Dollar oder 3,14 Prozent mehr als am vorherigen Handelstag und der höchste Stand seit dem 11. Juni. Die US-Sorte West Texas Intermediate, kurz WTI, verteuerte sich auf 84,84 Dollar je Barrel. In der Vorwoche hatte Brent bereits 15,9 Prozent zugelegt.

Auslöser sind die verschärften militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran sowie die zunehmenden Risiken für Schiffe in der Straße von Hormus. Die schmale Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Sie gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Öl und Flüssiggas weltweit.

Angriffe und weniger Schiffe in der Straße von Hormus

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters setzten die USA ihre Angriffe gegen iranische Ziele über das Wochenende fort. Gleichzeitig meldeten Kuwait und Bahrain weitere iranische Angriffe. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten am Montag, zwei Öltanker seien in der Straße von Hormus explodiert und anschließend manövrierunfähig gewesen. Reuters konnte diese Darstellung zunächst nicht unabhängig bestätigen.

Das britische Überwachungszentrum UK Maritime Trade Operations meldete zudem einen Brand auf einem Schiff nordwestlich der omanischen Küstenregion Kumzar. Die Zahl der Schiffe, die die Meerenge passierten, blieb niedrig. Nach Daten des Finanzdienstleisters LSEG durchquerten am Sonntag lediglich vier Schiffe die Straße von Hormus. Am Samstag waren es noch acht gewesen.

Für den Ölmarkt ist dabei nicht allein entscheidend, wie viele Förderanlagen tatsächlich ausfallen. Schon die Gefahr längerer Verzögerungen kann Preise erhöhen. Reedereien müssen mit höheren Versicherungsprämien, zusätzlichen Sicherheitskosten und möglichen Wartezeiten rechnen. Händler verlangen außerdem häufig einen Risikoaufschlag, wenn künftige Lieferungen unsicherer werden.

Warum die Straße von Hormus für den Ölmarkt so wichtig ist

Durch die Straße von Hormus flossen nach Berechnungen der US-Energiebehörde EIA im ersten Halbjahr 2025 durchschnittlich 20,9 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte pro Tag. Das entsprach rund 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs flüssiger Erdölprodukte und etwa einem Viertel des globalen Ölhandels auf dem Seeweg. h Angaben der Internationalen Energieagentur IEA waren 2025 rund 80 Prozent der durch die Meerenge transportierten Öl- und Produktmengen für asiatische Abnehmer bestimmt. Europa erhielt nur einen vergleichsweise kleinen Teil der dort verschifften Rohölmengen. Die IEA beziffert ihn auf etwa 600.000 Barrel täglich oder rund vier Prozent der Rohölexporte durch die Meerenge. Europa bleibt dennoch betroffen. Öl wird international gehandelt. Fällt ein Teil des Angebots für asiatische Käufer aus, suchen diese zusätzliche Lieferungen aus anderen Regionen. Dadurch kann auch der Preis für Nordseeöl, afrikanisches Öl oder amerikanisches Rohöl steigen.

Alternative Transportwege sind nur begrenzt vorhanden. Nach Berechnungen der IEA könnten Pipelines in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zwischen 3,5 Millionen und 5,5 Millionen Barrel pro Tag zusätzlich an der Meerenge vorbeileiten. Für die übrigen normalerweise durch Hormus transportierten Mengen gibt es kurzfristig keine gleichwertige Ausweichroute. Was der höhere Ölpreis für Autofahrer und Haushalte bedeutet

Ein steigender Rohölpreis kann Benzin und Diesel verteuern. Der Effekt erscheint jedoch nicht immer sofort und nicht im gleichen Umfang an den Tankstellen. Neben dem Rohölpreis beeinflussen Raffineriekosten, Transportkosten, Lagerbestände, Wechselkurse, Steuern und der Wettbewerb zwischen den Anbietern den Endpreis.

Da Öl weltweit überwiegend in US-Dollar gehandelt wird, spielt für Verbraucher in der Eurozone außerdem der Wechselkurs eine wichtige Rolle. Ein stärkerer Euro kann einen Teil des Preisanstiegs abfedern. Ein schwächerer Euro kann ihn dagegen verstärken.

Die Europäische Zentralbank weist darauf hin, dass Preisänderungen bei Kraftstoffen meist vergleichsweise schnell auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Bei Heizenergie oder Strom können die Auswirkungen später sichtbar werden, etwa weil Versorger langfristige Lieferverträge nutzen oder Preise nur zu bestimmten Terminen anpassen. h Heizöl kann teurer werden, wenn hohe Rohölpreise länger anhalten. Für Haushalte hängt die tatsächliche Belastung vom Einkaufszeitpunkt, den Lagerbeständen der Händler und der jeweiligen Nachfrage ab. Eine kurzfristige Bewegung des Brent-Preises muss deshalb nicht vollständig beim Verbraucher ankommen. Umgekehrt können höhere Großhandelspreise mit Verzögerung sichtbar werden, selbst wenn der Rohölpreis zwischenzeitlich wieder sinkt.

Höhere Energiepreise erschweren den Kampf gegen Inflation

Öl beeinflusst nicht nur Tankstellen und Heizungen. Kraftstoffe werden für Lastwagen, Schiffe, Flugzeuge, Landmaschinen und zahlreiche industrielle Prozesse benötigt. Steigen die Kosten, können Unternehmen versuchen, einen Teil davon über höhere Preise an ihre Kunden weiterzugeben.

Die EZB unterscheidet dabei zwischen direkten und indirekten Folgen. Direkt steigen beispielsweise die Preise für Benzin, Diesel oder Heizöl. Indirekt verteuern sich Produktion, Transport und Verteilung anderer Waren. Das kann unter anderem Lebensmittel, industrielle Produkte und Dienstleistungen betreffen. ibt der Preisanstieg vorübergehend, erhöht er zunächst vor allem das allgemeine Preisniveau. Schwieriger wird die Lage, wenn Unternehmen ihre Preise dauerhaft anpassen, Beschäftigte höhere Löhne zum Ausgleich verlangen oder Verbraucher langfristig mit stärker steigenden Preisen rechnen. Solche sogenannten Zweitrundeneffekte können die Inflation hartnäckiger machen.

Für Zentralbanken entsteht dadurch ein Zielkonflikt. Höhere Zinsen können weder zusätzliches Öl fördern noch eine blockierte Schifffahrtsroute öffnen. Sie können aber die Nachfrage bremsen und verhindern, dass sich der ursprüngliche Energiepreisschub auf immer mehr Preise und Löhne überträgt. Gleichzeitig belasten höhere Zinsen Investitionen, Bauwirtschaft und Konsum.

Nach Angaben von Reuters erwarteten die Finanzmärkte am Montag, dass die EZB ihren Leitzins bei ihrer Sitzung am Donnerstag zunächst bei 2,25 Prozent belassen könnte. Eine weitere Erhöhung im September war in den Markterwartungen nahezu vollständig berücksichtigt. Dabei handelt es sich um Erwartungen von Marktteilnehmern, die sich abhängig von Energiepreisen, Konjunkturdaten und politischen Entwicklungen kurzfristig verändern können. Welche Unternehmen besonders betroffen sind

Höhere Ölpreise können die Einnahmen von Öl- und Gasproduzenten erhöhen, sofern sie ihre Produktion ohne größere Störungen verkaufen können. Gleichzeitig steigen jedoch auch Risiken durch beschädigte Infrastruktur, blockierte Transportwege, höhere Sicherheitskosten und politische Eingriffe. Deshalb profitieren nicht alle Energieunternehmen automatisch im gleichen Umfang.

Besonders deutlich können höhere Kosten Fluggesellschaften treffen, da Kerosin ein wichtiger Ausgabenposten ist. Viele Airlines sichern einen Teil ihres erwarteten Treibstoffverbrauchs im Voraus gegen Preisschwankungen ab. Wie stark ein Ölpreisanstieg auf Flugpreise oder Unternehmensgewinne wirkt, hängt daher unter anderem von diesen Absicherungen und vom Wettbewerb ab.

Chemiekonzerne verwenden Ölprodukte sowohl als Energiequelle als auch als Ausgangsstoff für zahlreiche Erzeugnisse. Auch Logistikunternehmen, Speditionen, Reedereien und Hersteller mit langen Lieferketten reagieren empfindlich auf höhere Transportkosten. Ob Unternehmen diese Belastungen weitergeben können, hängt von Verträgen, Nachfrage und Marktmacht ab.

Zusätzlicher Druck kommt von den Anleihemärkten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Montag im europäischen Handel laut LSEG auf 4,569 Prozent. Die Rendite dreißigjähriger Papiere lag wieder über fünf Prozent. igende Renditen machen sichere Anleihen für Anleger attraktiver und erhöhen zugleich den rechnerischen Abzinsungsfaktor für zukünftige Unternehmensgewinne. Das kann besonders Aktien hoch bewerteter Technologieunternehmen belasten, deren Bewertung stark von weit in der Zukunft erwarteten Gewinnen abhängt. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen automatischen Zusammenhang. Unternehmenszahlen, Konjunkturdaten und Erwartungen an die Geldpolitik bleiben ebenfalls wichtig.

Warum Europa trotz geringer direkter Hormus-Importe verwundbar ist

Die Europäische Union ist stark auf Ölimporte angewiesen. Nach Angaben von Eurostat wurden 2024 insgesamt 471,3 Millionen Tonnen Rohöl in die EU eingeführt. Die Importabhängigkeit bei Rohöl und Erdölprodukten lag bei 96,6 Prozent. Europa bezieht einen großen Teil seines Öls nicht direkt aus dem Persischen Golf. Der globale Ölpreis verbindet jedoch die verschiedenen Lieferregionen miteinander. Steigende Preise erhöhen die Importrechnung der EU, entziehen Haushalten Kaufkraft und können die Produktionskosten energieintensiver Unternehmen erhöhen.

Wie stark die Belastung ausfällt, hängt vor allem von der Dauer der Einschränkungen in der Straße von Hormus ab. Eine weitere Verschärfung könnte den Risikoaufschlag am Ölmarkt erhöhen. Eine Entspannung und eine Normalisierung des Schiffsverkehrs könnten ihn wieder verringern. Beide Entwicklungen sind offen.

Entscheidend bleiben die tatsächlich exportierten Mengen, die Zahl sicherer Schiffspassagen, Versicherungs- und Frachtkosten, verfügbare Lagerbestände sowie der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar. Ölpreise und Markterwartungen können sich deshalb innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu