Der DAX nahe Rekordhoch hat den letzten Handelstag im Juli mit einem kleinen Plus beendet. Der deutsche Leitindex schloss am Freitag bei 25.630,78 Punkten und damit 0,07 Prozent über dem Vortagesniveau. Zeitweise war das Börsenbarometer bis auf rund 25.891 Punkte gestiegen und seinem bisherigen Höchststand sehr nahe gekommen. Während die Gewinne in Frankfurt bis zum Handelsschluss weitgehend abschmolzen, erreichte der europaweite Stoxx Europe 600 ein neues Rekordniveau. Rückenwind kam vor allem von Technologieaktien, Halbleiterwerten und überwiegend robusten Unternehmenszahlen.
Der bisherige DAX-Rekord liegt bei rund 25.900 Punkten. Gemessen am Schlussstand vom Freitag fehlten dem Index damit etwa 269 Punkte oder gut ein Prozent. Im Tagesverlauf war der Abstand wesentlich kleiner. Das Hoch von knapp 25.900 Punkten zeigte, dass Anleger grundsätzlich bereit waren, erneut auf steigende Kurse zu setzen. Im späteren Handel fehlte jedoch die Kraft für einen dauerhaften Ausbruch.
Auf Monatssicht blieb die Bilanz dennoch deutlich positiv. Gegenüber dem Stand von Ende Juni gewann der DAX im Juli rund 2,5 Prozent. Je nach verwendetem Vergleichszeitpunkt und Kursanbieter fiel die ausgewiesene Monatsperformance etwas höher aus. Der Index hatte den Juni bei 24.995,81 Punkten beendet.
Die Schwankungen innerhalb des Handelstages verdeutlichten zugleich, dass die Nähe zum Rekord allein noch kein verlässliches Signal für einen weiteren Anstieg ist. Nach einem Tageshoch von rund 25.891 Punkten fiel der DAX bis zum Xetra-Schluss wieder deutlich zurück. Damit konnte er den größten Teil seines zeitweisen Gewinns nicht halten.
An der Spitze des DAX stand am Freitag Infineon. Die Aktie des Halbleiterkonzerns gewann zum Handelsschluss rund 3,7 Prozent. Die Papiere profitierten von der internationalen Erholung bei Chipwerten und neuen Hoffnungen auf weiter steigende Investitionen in Speichertechnik, Rechenzentren und Infrastruktur für künstliche Intelligenz.
Ebenfalls gefragt waren RWE mit einem Plus von rund 1,6 Prozent und SAP mit etwa 1,1 Prozent. Siemens Energy legte ebenfalls zu. Auf der Verliererseite stand Adidas mit einem Minus von rund 1,2 Prozent am unteren Ende des Leitindex. E.ON verlor etwa 0,6 Prozent. Die Kursbewegungen einzelner Werte veränderten sich im nachbörslichen Handel teilweise noch geringfügig.
Der starke Beitrag von Infineon war für den Gesamtmarkt bedeutsam, reichte aber nicht aus, um den DAX dauerhaft über sein bisheriges Rekordniveau zu heben. Andere große Indexmitglieder entwickelten sich weniger dynamisch. Damit blieb der Anstieg stärker auf einzelne Branchen und Unternehmen konzentriert.
Deutlich stärker zeigte sich der europäische Gesamtmarkt. Der Stoxx Europe 600 stieg am Vormittag um rund 0,9 Prozent auf 655,45 Punkte und erreichte damit einen neuen Rekord. Der Index umfasst 600 große, mittlere und kleinere Unternehmen aus 17 entwickelten europäischen Aktienmärkten und bildet den Kontinent daher breiter ab als der deutsche DAX.
Im Vergleich zum Stand von Ende Juni entsprach das zwischenzeitlich einem Monatsgewinn von gut zwei Prozent. Der Juli war damit der vierte positive Monat in Folge. Besonders kräftig stieg der europäische Technologiesektor. Neben Infineon legten unter anderem ASML, Aixtron, Soitec und weitere Halbleiterwerte zu. Auch Finanzwerte und Unternehmen mit überzeugenden Quartalszahlen stützten den Markt.
Die Entwicklung zeigte, dass europäische Aktien weiterhin von einer breiteren Branchenmischung profitieren. Während der DAX stark von einigen wenigen Schwergewichten beeinflusst wird, verteilten sich die Gewinne im Stoxx 600 auf mehrere Länder und Branchen.
Zu den zentralen Treibern gehörten erneut die hohen Investitionen internationaler Technologiekonzerne. Starke Cloudzahlen und optimistische Aussagen zum Ausbau von KI-Rechenzentren stärkten die Erwartung, dass die Nachfrage nach Speicherchips, Leistungshalbleitern, Netzwerktechnik und Produktionsanlagen hoch bleibt.
Hinzu kam eine bislang überwiegend robuste europäische Berichtssaison. Eine Factset-Auswertung der bereits veröffentlichten Zahlen zeigte, dass das durchschnittliche Gewinnwachstum der erfassten Stoxx-600-Unternehmen über den zuvor erwarteten Werten lag. Allerdings waren die Unterschiede zwischen den Unternehmen erheblich. Enttäuschende Ergebnisse führten bei einzelnen Aktien zu zweistelligen Kursverlusten.
Marktbeobachter verweisen trotz der Rekordstände auf wachsende Risiken. Dazu zählen hohe Bewertungen vieler Technologieunternehmen und die Frage, ob die enormen Ausgaben für künstliche Intelligenz langfristig genügend zusätzliche Gewinne erzeugen. Sollten große Cloudkonzerne ihre Investitionen reduzieren, könnte dies später auch die Bestellungen bei Chipproduzenten und deren Zulieferern belasten.
Weitere Unsicherheiten entstehen durch geopolitische Spannungen, volatile Ölpreise und den geldpolitischen Kurs der großen Notenbanken. Steigende Energiepreise könnten die Inflation erneut antreiben und Zinssenkungen erschweren. Gleichzeitig reagieren die Märkte zunehmend empfindlich auf einzelne Unternehmensprognosen. Die Rekordstände spiegeln daher sowohl Zuversicht als auch hohe Erwartungen wider.
Dieser Text stellt keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sämtliche Kursangaben sind Momentaufnahmen und können sich jederzeit verändern.
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