
Apple gibt einen Teil der stark gestiegenen Kosten für Speicherchips an Kunden weiter. Der Konzern hat die Preise für mehrere Geräte angehoben, darunter MacBooks, iPads, Apple TV und HomePod. Das iPhone ist zunächst nicht betroffen. An der Börse kam die Nachricht schlecht an. Die Apple-Aktie geriet deutlich unter Druck.
Die Preiserhöhungen betreffen nach aktuellem Stand vor allem MacBooks und iPads sowie einzelne Geräte aus dem Bereich TV und Home. In den USA nannte Reuters mehrere Beispiele: Das MacBook Neo steigt demnach beim Einstiegspreis von 599 auf 699 Dollar. Ein MacBook Air mit 512 Gigabyte Speicher wird von 1.099 auf 1.299 Dollar teurer. Beim MacBook Pro mit einem Terabyte Speicher steigt der Preis von 1.699 auf 1.999 Dollar. Auch das iPad Air mit 128 Gigabyte Speicher wird teurer.
In Deutschland zeigen die Apple-Seiten ebenfalls höhere Einstiegspreise. Das Standard-iPad wird inzwischen ab 499 Euro geführt. Das iPad Air beginnt bei 799 Euro, das iPad Pro bei 1.299 Euro. Beim MacBook Neo war zur Vorstellung im März ein Einstiegspreis von 699 Euro genannt worden. Aktuell wird es im Apple Store ab 799 Euro angeboten. Die konkreten Aufschläge hängen von Land, Modell und Ausstattung ab.
Apple begründet die Preisanpassungen mit stark gestiegenen Kosten für Speicher- und Storage-Chips. Gemeint sind vor allem DRAM und NAND-Speicher. Diese Bauteile stecken in Smartphones, Tablets, Laptops, Servern und vielen anderen Geräten. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass Apple bei mehreren Produktgruppen Preise angehoben hat und die Komponentenkosten als Grund nennt.
Die genauen Lieferverträge, Margeneffekte und Einkaufspreise legte Apple nicht offen. Eine unabhängige Bestätigung einzelner Apple-interner Kostenblöcke lag zunächst nicht vor. Belastbar ist aber die Marktlage: Branchenbeobachter berichten seit Monaten von deutlich höheren Speicherpreisen. TrendForce erwartet für das zweite Quartal 2026 starke Preissteigerungen bei klassischen DRAM- und NAND-Verträgen.
Hinter dem Preisdruck steht nicht nur eine gewöhnliche Lieferkettenstörung. Der Ausbau von KI-Rechenzentren bindet große Mengen an Speicherchips. Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron konzentrieren Kapazitäten stärker auf besonders gefragte und margenträchtige Speicher für Server, KI-Beschleuniger und Enterprise-SSDs.
Für klassische Verbrauchergeräte bleibt dadurch weniger Spielraum. IDC beschreibt den Engpass als strukturelle Verschiebung im Speichermarkt. Gartner rechnet wegen steigender Speicher- und SSD-Kosten 2026 mit sinkenden weltweiten Auslieferungen bei PCs und Smartphones. Damit erreicht der KI-Boom nun auch Verbraucherpreise bei Alltagsgeräten.
Das iPhone ist von der aktuellen Preisanhebung zunächst nicht betroffen. Das ist für Apple wichtig, weil das Smartphone weiterhin das zentrale Produkt im Konzernumsatz ist. Analysten rechnen allerdings damit, dass höhere Speicherpreise später auch auf iPhone-Modelle durchschlagen könnten. Das ist bislang eine Einschätzung von Marktbeobachtern, keine bestätigte Apple-Entscheidung.
Für Kunden bedeutet die Entwicklung: Wer neue Geräte kaufen will, muss stärker auf Speichergrößen und Konfigurationen achten. Besonders teurer werden können Modelle mit viel Arbeitsspeicher oder großem internen Speicher. Hersteller könnten zudem versuchen, höhere Einkaufskosten nicht nur über Preise, sondern auch über angepasste Ausstattung auszugleichen.
An der Börse wurde die Nachricht negativ aufgenommen. Die Apple-Aktie verlor deutlich und lag zuletzt bei 275,15 Dollar. Das waren 18,32 Dollar weniger als der vorherige Schlusskurs. Rechnerisch entspricht das einem Minus von rund 6,2 Prozent.
Der Kursrückgang zeigt, dass Investoren nicht nur auf höhere Verkaufspreise schauen. Entscheidend ist auch die Frage, ob teurere Geräte die Nachfrage bremsen und ob Apple seine Margen trotz höherer Komponentenkosten halten kann. Eine Anlageempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Entwicklung ist über Apple hinaus relevant. Wenn selbst ein Konzern mit großer Einkaufsmacht und langfristigen Lieferbeziehungen die Preise anhebt, spricht das für erheblichen Druck im Speichermarkt. Andere Hersteller von PCs, Tablets, Konsolen und Smartphones stehen vor ähnlichen Problemen.
Für Verbraucher könnte die Phase günstigerer Elektronik damit vorerst enden. Der KI-Ausbau sorgt nicht nur für neue Softwaredienste und leistungsfähigere Rechenzentren. Er verändert auch die Verteilung knapper Halbleiterkapazitäten. Die Folge sind höhere Kosten in Bereichen, die mit KI auf den ersten Blick wenig zu tun haben.
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