Pipeline beschädigt: Europas Raffinerien suchen Ersatz für Saudi-Öl

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Schäden an einer der wichtigsten saudischen Ölverbindungen treffen nun auch europäische Abnehmer. Saudi Aramco soll mindestens zwei europäischen Raffineriekunden mitgeteilt haben, dass sie im Oktober kein Rohöl aus ihren regulären Lieferverträgen erhalten werden. Eine unabhängige Bestätigung dieser konkreten Oktober-Zuteilungen lag zunächst nicht vor. Der staatliche Ölkonzern äußerte sich dazu zunächst nicht öffentlich. Klar ist dagegen, dass die Ost-West-Pipeline nach Angriffen erheblich beschädigt wurde und Saudi-Arabien seine Exporte über den Rotmeerhafen Yanbu einschränken musste.

Der Aramco-Lieferstopp im Oktober betrifft nach bisherigem Kenntnisstand damit nicht sämtliche Raffinerien in Europa. Öffentlich bekannt ist lediglich, dass mindestens zwei Kunden im kommenden Monat keine vereinbarten Mengen erhalten sollen. Welche Anlagen konkret von diesen Oktober-Ausfällen betroffen sind, blieb zunächst offen. Schon zuvor waren einzelne für Ende September vorgesehene Ladungen nach Europa gestrichen worden.

Drei Pumpstationen an wichtiger Pipeline beschädigt

Die rund 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline verbindet die Fördergebiete im Osten Saudi-Arabiens mit Yanbu am Roten Meer. Sie hat in den vergangenen Monaten erheblich an Bedeutung gewonnen, weil der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus infolge des Krieges mit Iran stark eingeschränkt ist. Über die Leitung konnten zuletzt rund vier Millionen Barrel Rohöl täglich nach Westen transportiert werden. Ihre technische Kapazität liegt noch höher.

Bei den Angriffen im September wurden nach inzwischen vorliegenden Erkenntnissen drei Pumpstationen beschädigt. Saudi-Arabien stellte den Betrieb der Leitung zunächst ein, auch die Rohölverladung in Yanbu wurde zeitweise ausgesetzt.

Unklar blieb zunächst, wie lange die Reparaturen insgesamt dauern werden. Aus dem Ölhandel wurden Zeiträume von wenigen Wochen bis zu fünf oder sechs Wochen genannt. Zuletzt hieß es, Saudi-Arabien wolle einen Teil der Kapazität möglichst innerhalb weniger Tage wiederherstellen. Eine offiziell bestätigte Frist für die vollständige Wiederaufnahme des Normalbetriebs lag zunächst nicht vor.

Orlen sucht zusätzliches Öl aus anderen Regionen

Besonders sichtbar werden die Folgen beim polnischen Energiekonzern Orlen, einem der größten europäischen Käufer saudischen Rohöls. Rund 40 Prozent des von Orlen verarbeiteten Öls kamen zuletzt von Saudi Aramco. Das Unternehmen erklärte zunächst, die Versorgung seiner Raffinerien laufe ohne Unterbrechung.

Gleichzeitig beschaffte der Konzern zusätzliche Mengen am Markt. Händler meldeten unter anderem Käufe von Nordseeöl. Als weitere mögliche Quellen wurden Rohöl aus den USA, Kasachstan, Algerien und Guyana gehandelt. Orlen betreibt Raffineriekapazitäten in Polen, Litauen und Tschechien.

Die Ersatzlieferungen aus der Nordsee sind allerdings ebenfalls teurer geworden. Besonders die norwegische Sorte Johan Sverdrup wurde stark nachgefragt, weil ihre Eigenschaften sie für Raffinerien zu einer möglichen Alternative zu mittelschweren schwefelhaltigen Sorten aus dem Nahen Osten machen. Bereits vor der aktuellen Störung hatte Orlen mit Equinor einen dreijährigen Vertrag geschlossen, der ab September Lieferungen von jährlich bis zu neun Millionen Tonnen Johan-Sverdrup-Rohöl ermöglicht. Das entspricht nach Unternehmensangaben bis zu einem Viertel des Rohölbedarfs der Gruppe.

Saudi-Arabien verlagert Exporte Richtung Oman

Saudi Aramco versucht gleichzeitig, den Ausfall der Route nach Yanbu teilweise über den Persischen Golf aufzufangen. Für September und Oktober wurden nach Angaben aus dem Ölhandel rund 60 Millionen Barrel aus Ras Tanura verkauft, die anschließend vor dem omanischen Hafen Sohar von Schiff zu Schiff umgeladen werden sollen. Das entspricht im Durchschnitt etwa einer bis 1,5 Millionen Barrel pro Tag.

Die zusätzlichen Mengen gehen bislang vor allem an Käufer in China, Südkorea, Indien und Japan. Damit kann Saudi-Arabien einen Teil der Verluste am Roten Meer kompensieren. Die Route bleibt jedoch von den erheblichen Einschränkungen in der Straße von Hormus abhängig. Dort lag die Zahl sichtbarer Frachtschiffe zuletzt weit unter dem üblichen Niveau.

Ölpreis bleibt über 100 Dollar

Die Sorge vor länger anhaltenden Ausfällen ließ den Ölpreis zunächst deutlich steigen. Brent-Rohöl schloss am Dienstag, 15. September, bei 108,75 Dollar je Barrel. US-Rohöl der Sorte WTI lag bei 105,83 Dollar. Danach gaben die Notierungen wieder nach, unter anderem weil zusätzliche saudische Mengen über Oman angeboten wurden.

Zum Handelsschluss am Freitag, 18. September, lag Brent bei 104,87 Dollar je Barrel und damit 95 Cent niedriger als am Vortag. WTI schloss bei 100,30 Dollar, ein Rückgang um 1,61 Dollar. Die Preise blieben damit trotz der Entspannung deutlich oberhalb der Marke von 100 Dollar. Entscheidend für die weitere Entwicklung ist, wie schnell Saudi-Arabien die Pipeline wieder in Betrieb nehmen und wie viel Öl tatsächlich über alternative Routen verschiffen kann.

Dieselversorgung in Europa besonders angespannt

Für Europa geht es nicht allein um genügend Rohöl für die Raffinerien. Besonders angespannt ist die Dieselversorgung in Europa. Der Kontinent hat bereits erhebliche Mengen an Diesel und Flugtreibstoff aus dem Nahen Osten verloren. Hinzu kommen Ausfälle russischer Raffinerien und Einschränkungen russischer Kraftstoffexporte. Europäische Gasoil-Futures, die als wichtiger Preisindikator für Diesel gelten, erreichten in dieser Woche Rekordstände.

Ein unmittelbarer flächendeckender Mangel an Benzin oder Diesel allein aufgrund der ausgefallenen saudischen Rohöllieferungen war zunächst nicht festzustellen. Raffinerien können andere Rohölsorten einkaufen, allerdings nicht immer ohne technische Anpassungen oder höhere Kosten. Zudem konkurrieren europäische Käufer mit Raffinerien in Asien um verfügbare Mengen aus der Nordsee, den USA, Westafrika und anderen Förderregionen.

Für Benzin ist die Lage etwas weniger angespannt als für Diesel. Der größere Druck liegt derzeit bei Mitteldestillaten wie Diesel und Kerosin, weil hierfür weltweit weniger freie Raffineriekapazität und weniger kurzfristig verfügbare Exportmengen vorhanden sind.

Europäische Reserven geben zusätzlichen Puffer

Europäische Staaten verfügen außerdem über gesetzlich vorgeschriebene Ölreserven. In der Europäischen Union müssen Vorräte grundsätzlich einem Umfang von mindestens 90 Tagen der durchschnittlichen täglichen Nettoimporte entsprechen. Solche Bestände können im Fall schwerer Versorgungsstörungen eingesetzt werden.

Eine neue, unmittelbar durch den Ausfall der saudischen Pipeline ausgelöste koordinierte Freigabe europäischer Notfallreserven war zunächst nicht beschlossen. Frankreich drängte allerdings angesichts der allgemeinen Belastungen am Ölmarkt auf weitere internationale Gespräche über strategische Reserven. Das Thema reicht damit weit über einzelne ausgefallene Aramco-Ladungen hinaus.

Für Europas Raffinerien bleibt die entscheidende Frage, wie schnell Yanbu wieder zuverlässig beliefert werden kann. Solange die Ost-West-Pipeline nur eingeschränkt funktioniert und gleichzeitig die Straße von Hormus nur begrenzt genutzt wird, müssen Käufer größere Mengen aus anderen Regionen beziehen. Eine Versorgungslücke ist dadurch nicht zwangsläufig, doch Transportkosten, Rohölpreise und insbesondere die Preise für Diesel bleiben anfällig für weitere Störungen.

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