Nach 14 Jahren entdeckt Curiosity neue Strukturen am Mount Sharp

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

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Auch nach mehr als 14 Jahren auf dem Mars stößt der NASA-Rover Curiosity auf geologische Strukturen, die sein Missionsteam in dieser Form bislang nicht beobachtet hat. An den Hängen des Mount Sharp entdeckte der Rover ungewöhnlich flache Gruben im Grundgestein. Die breiten Vertiefungen unterscheiden sich in ihrer Form von vielen bekannten kleinen Löchern, die entstehen können, wenn härtere Gesteinsbestandteile aus ihrer Umgebung herauswittern. Eine eindeutige Erklärung für ihre Entstehung gibt es bisher nicht.

Die Beobachtung fällt mit einem weiteren Meilenstein der Mission zusammen. Curiosity hat seinen 5000. Sol auf dem Mars erreicht. Ein Sol ist ein Marstag und dauert etwa 24 Stunden und 39 Minuten. Der 5000. Sol fiel nach Angaben der NASA auf den 29. August 2026. Damit arbeitet der Rover seit mehr als 5137 Erdtagen auf der Oberfläche des Planeten.

Gruben unterscheiden sich von bekannten Vertiefungen

Die auffälligen Strukturen wurden im August 2026 während der weiteren Fahrt bergauf am Mount Sharp untersucht. Eine der von Curiositys Nahkamera MAHLI aufgenommenen Vertiefungen ist etwa einen Zentimeter breit. Das Missionsteam beschreibt die Strukturen als deutlich breiter und flacher als viele bislang untersuchte Gruben im Marsgestein.

Solche Vertiefungen sind grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Wenn widerstandsfähige Knollen, kleine Kiesel oder andere härtere Bestandteile aus weicherem Gestein herauswittern, können Hohlräume zurückbleiben. Bei den neuen Strukturen fehlten jedoch erkennbare Objekte, die zuvor in den Gruben gesessen haben könnten. Genau dieser Unterschied macht ihre Entstehung für die Forscher interessant.

Curiosity fotografierte die Gruben deshalb mit mehreren Kameras aus verschiedenen Blickwinkeln. Aus überlappenden Aufnahmen von MAHLI und der Mastcam sollen dreidimensionale Geländemodelle entstehen. Damit lässt sich genauer bestimmen, wie tief die Vertiefungen sind, welche Form ihre Ränder besitzen und wie sie in die umgebenden Gesteinsschichten eingebettet sind.

Chemisch auffällige Schichten im selben Gebiet

Parallel untersuchten mehrere Instrumente die Zusammensetzung des Gesteins in der Umgebung. ChemCam, MAHLI und das Alpha Particle X-ray Spectrometer nahmen unter anderem graue, raue und besonders widerstandsfähige Schichten ins Visier. Nach Einschätzung des Missionsteams unterscheiden diese sich wahrscheinlich auch chemisch vom umgebenden Grundgestein.

Damit ist allerdings noch nicht nachgewiesen, dass die ungewöhnlich flachen Gruben selbst durch eine bestimmte chemische Zusammensetzung entstanden sind. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass in demselben Arbeitsgebiet sowohl die ungewöhnlichen Vertiefungen als auch chemisch beziehungsweise mineralogisch auffällige Gesteinsschichten untersucht wurden. Ob beide Beobachtungen unmittelbar miteinander zusammenhängen, muss erst geklärt werden.

Auch Unterschiede innerhalb der feinen Sedimentschichten beschäftigen das Team. Curiositys Kameras zeigen an manchen Stellen Veränderungen von Struktur und Textur schon über geringe Höhenunterschiede hinweg. Eine mögliche wissenschaftliche Deutung ist, dass sich die Bedingungen verändert haben, unter denen die Sedimente ursprünglich abgelagert wurden. Das ist bislang eine geologische Arbeitshypothese und keine abschließend geklärte Entstehungsgeschichte der Gruben.

Mount Sharp bewahrt Kapitel der Marsgeschichte

Der Mount Sharp erhebt sich mehrere Kilometer über den Boden des Gale-Kraters. Seine übereinanderliegenden Gesteinsschichten sind einer der Hauptgründe, weshalb Curiosity seit Jahren den Berg hinauffährt. Unterschiedliche Schichten können verschiedene Phasen der Klimageschichte des Mars dokumentieren. Der Rover untersucht deshalb nicht nur einzelne auffällige Objekte, sondern versucht, Veränderungen über große Zeiträume hinweg zu rekonstruieren.

In den vergangenen Monaten bewegte sich Curiosity durch Bereiche mit deutlich unterschiedlichen Gesteinsformen. Das Team untersucht unter anderem Hinweise auf Erosion, Ablagerung durch Wasser oder Wind sowie spätere chemische Veränderungen des Gesteins. Solche Prozesse könnten erklären, warum direkt benachbarte Schichten heute verschiedene Härten, Farben oder chemische Eigenschaften besitzen.

Ende August erreichte Curiosity außerdem einen Höhengewinn von einem Kilometer gegenüber seinem Landeplatz auf dem Boden des Gale-Kraters. Der Rover steigt seit 2014 systematisch an den unteren Flanken des Mount Sharp auf. Zuletzt untersuchte er unter anderem die langgestreckte Sandstruktur Chocolatal. Das Team prüft, ob sie zu einer auf dem Mars bekannten Klasse von durch Wind geformten Rücken gehört.

5000. Sol nach einer ursprünglich viel kürzer geplanten Mission

Curiosity landete im August 2012 im Gale-Krater. Ziel der Mars Science Laboratory Mission war vor allem die Frage, ob es auf dem frühen Mars Umweltbedingungen gab, unter denen mikrobielles Leben grundsätzlich hätte existieren können. Bereits in den ersten Missionsjahren fand der Rover Hinweise auf frühere Seen und Flüsse sowie auf Sedimentgestein, das sich unter wasserreichen Bedingungen gebildet hatte.

Zu den wichtigsten Ergebnissen gehört der Nachweis, dass der Gale-Krater vor Milliarden Jahren zeitweise lebensfreundliche Bedingungen bot. In früheren Sedimenten fanden Curiositys Instrumente Wasser, für biologische Prozesse wichtige chemische Elemente und mögliche Energiequellen. Das bedeutet nicht, dass dort tatsächlich Leben existierte. Der Rover wurde auch nicht dafür gebaut, fossiles oder gegenwärtiges Leben direkt nachzuweisen.

Curiosity entdeckte zudem organische Moleküle in Marsgestein. Im Jahr 2026 berichtete die NASA über eine besonders vielfältige Gruppe kohlenstoffhaltiger Verbindungen in einer bereits 2020 entnommenen Probe. Organische Moleküle können sowohl durch biologische als auch durch nicht biologische Prozesse entstehen. Auch diese Funde gelten deshalb nicht als Beweis für früheres Leben auf dem Mars.

Warum die neuen Gruben für Forscher interessant sind

Die neu entdeckten Vertiefungen sind vor allem deshalb wissenschaftlich relevant, weil sie Hinweise auf bislang nicht verstandene geologische Prozesse liefern könnten. Denkbar sind Unterschiede bei der Ablagerung des Gesteins, spätere chemische Veränderungen, Verwitterung oder Erosion. Welche dieser Möglichkeiten tatsächlich eine Rolle spielte, lässt sich aus den bisherigen Bildern und Messungen noch nicht ableiten.

Eine unabhängige Bestätigung für eine konkrete Entstehungshypothese lag zunächst nicht vor. Das Missionsteam sammelt deshalb zusätzliche Bilddaten und chemische Messwerte. Gerade die lange Einsatzzeit von Curiosity ermöglicht Vergleiche mit Tausenden früher untersuchten Gesteinsflächen. Dass nach 5000 Sols noch Formen auftauchen, die sich nicht ohne Weiteres bekannten Beispielen zuordnen lassen, zeigt, wie vielfältig die geologische Geschichte des Gale-Kraters ist.

Der Marsrover Curiosity bleibt damit auch im 15. Missionsjahr ein aktives geologisches Labor. Die ungewöhnlich flachen Gruben sind kein Hinweis auf außerirdisches Leben, sondern zunächst ein neues geologisches Rätsel. Ihre Bedeutung wird sich erst klären lassen, wenn Form, Chemie und geologischer Zusammenhang genauer ausgewertet sind.

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