Griechenland kehrt an den großen Börsenindizes zurück

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Für den griechischen Aktienmarkt beginnt am Montag, 21. September 2026, eine neue Phase. Gleich drei große Indexanbieter stufen Griechenland wieder in die Gruppe der entwickelten Märkte ein. FTSE Russell, S&P Dow Jones Indices und STOXX setzen die neue Klassifizierung mit ihren September-Anpassungen um. Damit verändert sich die internationale Einordnung der Athener Börse grundlegend. MSCI hat ebenfalls beschlossen, Griechenland als entwickelter Markt zu führen, setzt diesen Schritt aber erst bei der Indexüberprüfung im Mai 2027 um.

FTSE Russell, S&P und STOXX stufen Griechenland hoch

FTSE Russell hatte die Entscheidung bereits im Oktober 2025 bekannt gegeben. Griechenland wechselt dort vom Status Advanced Emerging Market in die Kategorie Developed Market. Die Umstellung erfolgt zum Handelsstart am 21. September gemeinsam mit der halbjährlichen Überprüfung der weltweiten Aktienindizes des Anbieters.

Auch S&P Dow Jones Indices setzt seine bereits 2025 beschlossene Neuklassifizierung mit der September-Überprüfung 2026 um. STOXX hatte die Rückkehr Griechenlands in die Gruppe der entwickelten Märkte im April 2026 angekündigt. Damit greifen die Entscheidungen dreier wichtiger Indexhäuser nun zeitgleich.

MSCI geht einen anderen Zeitplan. Der Anbieter beschloss Ende März 2026 ebenfalls den Wechsel vom Schwellenland zum entwickelten Markt. Die Umstellung sämtlicher betroffener MSCI-Indizes ist jedoch erst für die Indexüberprüfung im Mai 2027 vorgesehen. MSCI begründete die Entscheidung unter anderem mit Fortschritten bei Marktinfrastruktur, Zugänglichkeit und Investierbarkeit des griechischen Kapitalmarkts.

Griechenland war je nach Anbieter unterschiedlich lange Schwellenmarkt

Einen einheitlichen Zeitpunkt für die frühere Herabstufung gab es nicht. MSCI nahm Griechenland bereits im November 2013 aus der Gruppe der entwickelten Märkte und führte das Land anschließend als Emerging Market. Damals erfüllte der Markt unter anderem Anforderungen an Größe und Marktzugang nicht mehr in dem Umfang, den MSCI für entwickelte Märkte vorsah.

FTSE Russell hielt Griechenland länger in der höheren Kategorie. Dort erfolgte die Herabstufung vom Developed Market zum Advanced Emerging Market mit Wirkung zum 21. März 2016. STOXX stufte Griechenland im September 2016 zum Schwellenmarkt zurück. Zu diesem Zeitpunkt wirkten die Folgen der Staatsschuldenkrise und der 2015 verhängten Kapitalverkehrskontrollen weiterhin deutlich auf den Finanzmarkt.

Was sich für die Athener Börse ändert

Die neue Klassifizierung wirkt sich vor allem auf internationale Aktienindizes und die Fonds aus, die sich an diesen Indizes orientieren. Griechische Unternehmen können künftig in Auswahluniversen für entwickelte Märkte aufgenommen werden. Gleichzeitig scheiden sie aus entsprechenden Schwellenmarktsegmenten aus oder werden dort neu zugeordnet.

Besonders sichtbar wird dies bei STOXX. Neun griechische Unternehmen werden mit der Umstellung in den STOXX Europe 600 aufgenommen. Dazu gehören Alpha Bank, Eurobank, National Bank of Greece und Piraeus Bank sowie GEK Terna, Jumbo, Metlen Energy & Metals, Motor Oil und Public Power. Dieselben neun Unternehmen werden auch Bestandteil des breiteren EURO STOXX.

Für institutionelle Anleger ist die Einstufung relevant, weil zahlreiche Fonds und Mandate ihre zulässigen Anlagebereiche nach Länderklassifikationen großer Indexanbieter bestimmen. Fonds auf Schwellenländer müssen ihre Zusammensetzung anpassen, während Fonds für entwickelte Märkte griechische Aktien künftig innerhalb der entsprechenden Indexfamilien berücksichtigen können. Daraus folgt jedoch nicht automatisch ein bestimmter Nettozufluss. Käufe durch Developed-Market-Fonds können Verkäufen von Emerging-Market-Produkten gegenüberstehen.

Vom Krisenmarkt zurück in die Kategorie Developed Market

Die Hochstufung markiert einen deutlichen Abstand zur Situation während der griechischen Staatsschuldenkrise. Nach Jahren hoher Haushaltsdefizite und steigender Staatsschulden war Griechenland auf internationale Hilfsprogramme angewiesen. Die Krise belastete Banken, Unternehmen und Kapitalmarkt erheblich.

Im Sommer 2015 verschärfte sich die Lage erneut. Griechenland führte Kapitalverkehrskontrollen ein, Banken blieben zeitweise geschlossen und der Aktienhandel in Athen wurde für mehrere Wochen ausgesetzt. Nach der Wiedereröffnung standen insbesondere Bankaktien stark unter Druck. Die Einschränkungen beim Kapitalverkehr waren auch für internationale Indexanbieter ein wichtiger Faktor bei der Bewertung des Marktzugangs.

Seitdem wurden der Bankensektor restrukturiert, problematische Kredite deutlich reduziert und zahlreiche Regeln und Abläufe des Kapitalmarkts verändert. Zudem erreichten griechische Staatsanleihen in den vergangenen Jahren bei mehreren großen Ratingagenturen wieder den Investment-Grade-Bereich. Parallel verbesserte sich nach Einschätzung der Indexanbieter die technische und regulatorische Zugänglichkeit des Aktienmarkts für internationale Investoren.

Die Rückkehr ist noch nicht bei allen Indizes abgeschlossen

Mit dem 21. September ist die internationale Neueinstufung deshalb weit fortgeschritten, aber noch nicht vollständig umgesetzt. Bei FTSE Russell, S&P Dow Jones Indices und STOXX gehört Griechenland von Montag an wieder zu den entwickelten Märkten. MSCI folgt nach dem derzeit veröffentlichten Zeitplan im Mai 2027.

Damit endet bei mehreren bedeutenden Indexfamilien eine rund zehnjährige Phase, in der der griechische Kapitalmarkt niedriger eingestuft war. Die Änderung ist sowohl ein Ergebnis verbesserter Marktstandards als auch eine praktische Neuordnung innerhalb globaler Aktienindizes. Für die Athener Börse bedeutet sie vor allem Zugang zu einem anderen und deutlich größeren Universum internationaler Developed-Market-Investoren.

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