Bayer trennt sich von Krebsmedikament Stivarga

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Bayer verkauft Stivarga an den Aachener Pharmakonzern Grünenthal. Für das Krebsmedikament sind bis zu 375 Millionen Euro vereinbart. Der Abschluss der Transaktion ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 vorgesehen, steht aber noch unter den üblichen Vollzugsbedingungen und den erforderlichen behördlichen Genehmigungen.

Das Geschäft betrifft ein seit Jahren etabliertes Präparat aus Bayers Pharmasparte. Stivarga mit dem Wirkstoff Regorafenib wird zur Behandlung bestimmter fortgeschrittener Krebserkrankungen eingesetzt. Das Medikament ist nach Angaben von Grünenthal in mehr als 90 Märkten zugelassen und erhältlich.

Bis zu 375 Millionen Euro für Stivarga

Grünenthal bestätigte die Vereinbarung mit Bayer am 21. September 2026. Der Kaufpreis beträgt demnach bis zu 375 Millionen Euro. Wie sich diese Summe auf mögliche feste und variable Zahlungen verteilt, wurde in der Mitteilung nicht näher aufgeschlüsselt.

Stivarga ist ein oral einzunehmender Multikinase-Inhibitor. Eingesetzt wird Regorafenib unter anderem bei metastasiertem Kolorektalkarzinom, gastrointestinalen Stromatumoren und hepatozellulärem Karzinom, jeweils bei bestimmten Patientengruppen und abhängig von vorausgegangenen Therapien.

Grünenthal erwartet den Verlust des Exklusivitätsschutzes in der Europäischen Union im Jahr 2029 und in den USA 2030. Das Unternehmen geht davon aus, dass Stivarga bei einem rechtzeitigen Abschluss der Übernahme im Geschäftsjahr 2027 bis zu rund 100 Millionen Euro zum eigenen EBITDA beitragen könnte. Dabei handelt es sich um eine Prognose des Käufers auf Grundlage der von Bayer bereitgestellten Informationen.

Bayer erzielte mit Stivarga nach Angaben aus der Finanzberichterstattung 2025 einen Umsatz von 338 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2026 waren es noch 148 Millionen Euro.

Verkauf trifft auf Bayers Fokus auf die Bilanz

Das Geschäft fällt in eine Phase, in der Bayer seine Kapitalstruktur stärker in den Mittelpunkt rückt. Zum 30. Juni 2026 lag die Nettofinanzverschuldung des Konzerns bei 33,647 Milliarden Euro. Für das Jahresende erwartet Bayer inzwischen 29 bis 30 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen noch mit 32 bis 33 Milliarden Euro gerechnet.

Ein wesentlicher Grund für die niedrigere Schuldenprognose ist eine bereits im Juli vereinbarte Transaktion mit Apollo. Von Apollo verwaltete Fonds investieren 3 Milliarden Euro in eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeitverhütungsmitteln einbringt. Bayer behält die Mehrheit und die operative Kontrolle. Das Unternehmen bezeichnete die Maßnahme ausdrücklich als Beitrag zur Verbesserung seiner Kapitalstruktur.

Eine vergleichbare konkrete Zweckbindung hat Bayer für die möglichen Einnahmen aus dem Verkauf von Stivarga bislang nicht veröffentlicht. Der Verkauf passt jedoch in eine Phase, in der der Konzern Kapitalbindung, Portfolio und Finanzierung gleichzeitig neu ordnet.

Glyphosat-Rechtsstreit bleibt ein Milliardenfaktor

Weiterhin von großer Bedeutung für Bayer ist der Rechtskomplex um Roundup und den Wirkstoff Glyphosat in den USA. Die Tochter Monsanto hatte im Februar 2026 einen landesweiten Sammelvergleich vorgeschlagen. Für diesen sind Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren vorgesehen. Der Vergleich benötigt eine endgültige gerichtliche Genehmigung.

Am 14. September fand vor dem zuständigen Gericht in Missouri die Anhörung zur endgültigen Genehmigung statt. Eine abschließende Entscheidung des Gerichts lag zuletzt noch nicht vor.

Parallel hatte der Supreme Court im Juni im Fall Durnell zugunsten von Monsanto entschieden. Bayer sieht die Entscheidung und den geplanten Sammelvergleich als zentrale Bestandteile seiner Strategie zur Begrenzung der Rechtsrisiken.

Die Rechtsstreitigkeiten wirken sich auch auf die Finanzplanung aus. Bayer hatte im Februar angekündigt, die Rückstellungen und Verbindlichkeiten für Rechtsstreitigkeiten insgesamt von 7,8 Milliarden auf 11,8 Milliarden Euro zu erhöhen.

Bayer setzt in der Pharmasparte auf neue Wachstumsprodukte

Der Verkauf von Stivarga bedeutet keinen Rückzug Bayers aus der Onkologie. Der Konzern konzentriert seine Pharmaentwicklung stärker auf neuere und wachstumsstärkere Präparate sowie auf seine Entwicklungspipeline.

Zu den Schwerpunkten zählen unter anderem das Prostatakrebsmittel Nubeqa, das Herz- und Nierenmedikament Kerendia sowie neue Projekte in Onkologie, Kardiologie, Neurologie und Immunologie. Bayer gibt an, derzeit rund 30 Projekte in der klinischen Entwicklung voranzutreiben.

Erst Anfang September erhielt der Wirkstoff Sevabertinib in den USA eine beschleunigte Zulassung als Erstlinientherapie für bestimmte Patienten mit HER2-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Wenige Tage später genehmigte die US-Arzneimittelbehörde FDA zudem eine zusätzliche Anwendung von Finerenon bei chronischer Nierenerkrankung im Zusammenhang mit Typ-1-Diabetes.

Bayer verfolgt für seine Pharmasparte das Ziel, ab 2027 wieder ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich zu erreichen. Zugleich soll sich die operative Marge ab 2028 weiter verbessern.

Bayer-Aktie 2026 deutlich im Plus

An der Börse hat sich die Bayer-Aktie 2026 bislang deutlich erholt. Am Freitag, 25. September 2026, beendete das Papier den Xetra-Handel bei 50,02 Euro. Der Schlusskurs lag damit 1,30 Prozent über dem Vortag. Die Kursangabe bezieht sich auf den Xetra-Schluss um 17.35 Uhr.

Seit Jahresbeginn ergibt sich damit nach den Kursdaten von MarketScreener ein Plus von rund 35,15 Prozent. Ende 2025 hatte die Aktie noch bei rund 37 Euro gelegen.

Die Entwicklung der Aktie ist keine Aussage über die künftige Kursentwicklung. Neben dem operativen Geschäft bleiben insbesondere die weitere Entwicklung der Rechtsstreitigkeiten, der Schuldenabbau und Fortschritte in der Pharmapipeline zentrale Faktoren für Bayer.

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