thyssenkrupp-Aktie legt kräftig zu: Was hinter dem Kursanstieg steckt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die thyssenkrupp-Aktie gehört 2026 zu den auffälligen deutschen Industriewerten. Zum Xetra-Handelsschluss am Freitag, 25. September 2026, stand das Papier bei 15,36 Euro. Der Schlusskurs wurde um 17:36 Uhr ausgewiesen. Gegenüber dem Jahresende 2025 entspricht das einem Anstieg von rund 65,6 Prozent. Am letzten Börsentag des vergangenen Jahres hatte die Aktie bei etwa 9,27 Euro geschlossen.

Allein am Freitag gewann die thyssenkrupp-Aktie auf Xetra 4,67 Prozent. Über die gesamte Woche fiel das Plus deutlich kleiner aus. Am Freitag zuvor, dem 18. September, hatte das Papier bei 15,20 Euro geschlossen. Damit ergibt sich innerhalb einer Woche ein Zuwachs von rund einem Prozent.

Hinter der starken Entwicklung seit Jahresbeginn stehen mehrere Faktoren. Dazu gehören der grundlegende Konzernumbau, die inzwischen eigenständige Marinesparte TKMS und Erwartungen an die Neuordnung von Steel Europe. Gleichzeitig hat die Europäische Union ihren Schutz für die heimische Stahlindustrie deutlich verstärkt.

EU begrenzt zollfreie Stahlimporte

Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der Europäischen Union eine neue Stahlregelung. Sie begrenzt das Volumen bestimmter Stahlimporte, die ohne zusätzliche Abgaben in die EU gelangen können, auf insgesamt 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr. Wird die jeweilige Quote überschritten, fällt ein Zoll von 50 Prozent an. Die Regelung umfasst 30 Produktkategorien. Ausgenommen sind Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums.

Gegenüber den Quoten des Jahres 2024 wurde das zollfreie Importvolumen nach Angaben der EU-Kommission um 47 Prozent reduziert. Zusätzlich gelten Vorgaben zur Rückverfolgbarkeit des Herstellungsortes von Stahl.

Die EU begründet die Maßnahmen mit der weltweiten Überkapazität der Branche. Nach Angaben der Kommission liegt diese inzwischen bei mehr als 620 Millionen Tonnen. Bis 2027 könnten die überschüssigen Kapazitäten auf 721 Millionen Tonnen steigen. Das entspräche mehr als dem Fünffachen des jährlichen Stahlverbrauchs der Europäischen Union.

Für europäische Produzenten wie thyssenkrupp Steel Europe können höhere Importhürden den Wettbewerbsdruck durch zusätzliche Mengen auf dem EU-Markt reduzieren. Ob und in welchem Umfang sich daraus dauerhaft höhere Stahlpreise oder bessere Ergebnisse ergeben, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Zusätzlicher Schutz für Elektroband

Am 18. September verschärfte die EU-Kommission den Handelsschutz außerdem für kornorientiertes Elektroband. Das Material wird unter anderem für Transformatoren und damit für Stromnetze benötigt.

Für diese Produkte führte die Kommission vorläufige Zollkontingente in Verbindung mit Preisschwellen ein. Als Begründung nannte sie hohen Importdruck, weltweite Überkapazitäten und die Abschottung anderer Absatzmärkte.

Diese Maßnahme ist von der umfassenderen Stahlregelung zu unterscheiden, die bereits seit Juli gilt.

Steel Europe steht vor tiefgreifendem Umbau

Der politische Handelsschutz trifft bei thyssenkrupp auf eine Stahlsparte, die mitten in einer grundlegenden Restrukturierung steckt. Steel Europe will seine Kapazität von bislang rund 11,5 Millionen Tonnen auf eine Versandmenge von jährlich 8,7 bis 9 Millionen Tonnen reduzieren.

Bis 2030 sollen rund 5.000 Stellen durch Veränderungen in Produktion und Verwaltung wegfallen. Weitere rund 6.000 Arbeitsplätze sollen ausgelagert oder durch den Verkauf von Aktivitäten aus dem Unternehmen herausgelöst werden. Damit umfasst der Umbau rund 11.000 Stellen. thyssenkrupp Steel und IG Metall haben dafür Ende 2025 einen Sanierungstarifvertrag vereinbart.

Der Konzern verweist neben eigenen Kostensenkungen auch auf die veränderten politischen Rahmenbedingungen. Bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Geschäftsquartal im August erklärte thyssenkrupp, dass die seit Juli geltenden stärkeren EU-Handelsschutzmaßnahmen die Bemühungen um fairere Wettbewerbsbedingungen für die europäische Stahlindustrie unterstützten.

Steel Europe bleibt dennoch einer der entscheidenden Unsicherheitsfaktoren des Konzernumbaus. thyssenkrupp verfolgt weiterhin das Ziel, die Stahlsparte langfristig zu verselbstständigen. Der Mutterkonzern könnte dabei eine Minderheitsbeteiligung behalten.

TKMS bereits eigenständig an der Börse

Bei der Marinesparte ist thyssenkrupp mit diesem Umbau bereits weiter. TKMS ist seit dem 20. Oktober 2025 ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen. thyssenkrupp hält weiterhin 51 Prozent der Anteile und damit die Mehrheit.

Zum 30. Juni 2026 verfügte TKMS nach Konzernangaben über einen Auftragsbestand von mehr als 20 Milliarden Euro. Im Juli wurde das Unternehmen zudem als bevorzugter Anbieter im kanadischen U-Boot-Programm ausgewählt. Eine endgültige Auftragsvergabe für zwölf U-Boote war damit noch nicht verbunden.

Auch Materials Services soll unter dem Namen tk accelis stärker auf eigenen Beinen stehen. Die Aktionäre stimmten im August der Abspaltung eines Minderheitsanteils zu. 49 Prozent sollen auf die thyssenkrupp-Aktionäre übertragen werden, während der Konzern 51 Prozent hält. Die Börsennotierung ist noch 2026 vorgesehen.

Damit entwickelt sich thyssenkrupp schrittweise von einem klassischen Industriekonglomerat zu einer Finanzholding mit weitgehend selbstständigen Beteiligungen.

Operatives Ergebnis verbessert sich

Auch die jüngsten Geschäftszahlen liefern einen Teil des wirtschaftlichen Hintergrunds. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um acht Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT verbesserte sich von 155 Millionen auf 183 Millionen Euro. Verbesserungen meldete thyssenkrupp insbesondere bei Steel Europe, Materials Services und Marine Systems.

Der Free Cashflow vor Fusionen und Übernahmen blieb mit minus 114 Millionen Euro allerdings negativ. Zum 30. Juni verfügte der Konzern über Nettofinanzmittel von 2,6 Milliarden Euro und eine verfügbare Liquidität von 5,3 Milliarden Euro.

Stahlindustrie bleibt unter strukturellem Druck

Die neue EU-Regelung verändert damit die Handelsbedingungen, beseitigt aber nicht die strukturellen Probleme der europäischen Stahlindustrie. Hohe Energie- und Transformationskosten, weltweite Überkapazitäten, Investitionen in klimafreundlichere Produktionsverfahren und schwankende Nachfrage bleiben zentrale Faktoren.

Bei thyssenkrupp kommt der eigene Konzernumbau hinzu. Der Aktienkurs spiegelt deshalb nicht allein Erwartungen an höhere Handelshürden für Stahlimporte wider. Die Entwicklung fällt zeitlich auch mit der Verselbstständigung von Geschäftsbereichen, einer verbesserten operativen Entwicklung und der Neuordnung der Stahlsparte zusammen.

Eine eindeutige Ursache für die Kursentwicklung lässt sich daraus nicht ableiten.

Hinweis: Angaben zur bisherigen Aktienkursentwicklung beschreiben ausschließlich historische Marktpreise und stellen keine Anlageempfehlung dar.

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