
Der Industriedienstleister Bilfinger reagiert auf eine schwächere Geschäftsentwicklung mit einem umfassenden Spar- und Umbauprogramm. Der Mannheimer Konzern senkt seine Prognose für 2026 und will weltweit bis zu 1.500 Stellen reduzieren. Für die Umsetzung des Programms „Agile“ sollen im vierten Quartal Rückstellungen von rund 75 Millionen Euro gebildet werden. Gleichzeitig sollen die Maßnahmen ab 2028 jährlich Einsparungen in ähnlicher Höhe bringen.
Bilfinger begründet den Schritt mit einer Geschäftsentwicklung im zweiten Halbjahr, die deutlich hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleibt. Nach Angaben des Unternehmens halten sich Kunden stärker mit Investitionen zurück und verschieben Projekte. Das macht sich sowohl bei neuen Aufträgen als auch beim Abruf bereits vereinbarter Leistungen aus Rahmenverträgen bemerkbar.
Als wesentlichen Faktor nennt Bilfinger die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten und insbesondere den länger als erwartet dauernden Konflikt im Mittleren Osten. Bereits bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal am 12. August hatte der Konzern auf Auswirkungen hingewiesen. Damals ging Bilfinger allerdings noch von einer Belebung des Geschäfts im zweiten Halbjahr aus.
Besonders in Ländern mit hohen Lohnkosten führt die schwächere Auslastung nach Unternehmensangaben zu Belastungen. Hinzu kommen weniger Abrufe komplexer und höherpreisiger Arbeiten sowie ein ungünstigerer Mix der erbrachten Leistungen.
Das Bilfinger Sparprogramm „Agile“ soll die Kostenstruktur an die veränderte Nachfrage anpassen. Vorgesehen sind unter anderem eine stärkere Bündelung von Ressourcen, Kapazitätsanpassungen sowie der Aufbau einer globalen Shared-Services-Organisation. Maßnahmen, die grundsätzlich bereits zur Konzernstrategie gehörten, sollen nun schneller umgesetzt werden.
Weltweit ist nach Angaben des Unternehmens eine Reduktion von bis zu 1.500 Stellen vorgesehen. Bilfinger beschäftigt derzeit rund 31.000 Menschen. Damit könnte das Programm rechnerisch knapp fünf Prozent der weltweiten Belegschaft betreffen. Welche Länder, Standorte oder Unternehmensbereiche in welchem Umfang Stellen verlieren sollen, wurde zunächst nicht konkretisiert. Die einzelnen Schritte sollen mit den Arbeitnehmervertretungen abgestimmt werden.
Für die Umsetzung von „Agile“ rechnet Bilfinger im Geschäftsjahr 2026 mit einmaligen ergebniswirksamen Aufwendungen von rund 75 Millionen Euro. Im vierten Quartal sollen dafür nach Unternehmensangaben Rückstellungen in entsprechender Höhe gebildet werden.
Die wirtschaftliche Rechnung dahinter ist langfristiger angelegt. Bereits 2027 soll sich das Programm positiv auf die Geschäftsentwicklung auswirken. Ab 2028 erwartet Bilfinger jährliche Einsparungen von rund 75 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um eine Unternehmensprognose.
Parallel zum Sparprogramm hat der Konzern seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Bilfinger rechnet laut Mitteilung vom 16. September 2026 nun mit einem Umsatz zwischen 5,3 und 5,7 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Prognosespanne bei 5,4 bis 5,9 Milliarden Euro gelegen.
Deutlicher fällt die Anpassung bei der Profitabilität aus. Die erwartete EBITA-Marge liegt nun bei 3,2 bis 3,6 Prozent. Die vorherige Prognose hatte bei 5,8 bis 6,2 Prozent gelegen. Bereinigt um die Einmalkosten für „Agile“ erwartet Bilfinger eine Marge von 4,6 bis 5,0 Prozent. Auch die Prognose für den Free Cashflow wurde von zuvor 250 bis 300 Millionen Euro auf 180 bis 220 Millionen Euro reduziert.
Noch im August hatte Bilfinger die Umsatzprognose von 5,4 bis 5,9 Milliarden Euro bestätigt und bei der EBITA-Marge lediglich mit einem Wert am unteren Ende der damaligen Spanne gerechnet. Im zweiten Quartal war der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 1,45 Milliarden Euro gestiegen, während der Auftragseingang bei 1,498 Milliarden Euro lag und damit 16 Prozent unter dem außergewöhnlich starken Vorjahresquartal.
Trotz der schwächeren Erwartungen für 2026 hält Bilfinger an seinen Mittelfristzielen für 2030 fest. Der Konzern strebt weiterhin ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von acht bis zehn Prozent einschließlich Übernahmen sowie eine EBITA-Marge von acht bis neun Prozent an. Auch das Ziel einer Cash Conversion von mindestens 90 Prozent bleibt bestehen.
Bilfinger ist vor allem in Europa, Nordamerika und im Mittleren Osten aktiv. Zu den Kunden gehören Unternehmen aus den Bereichen Energie, Chemie und Petrochemie, Öl und Gas sowie Pharma und Biopharma. Im Geschäftsjahr 2025 lag der Konzernumsatz bei 5,427 Milliarden Euro.






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