
Broadcom hat im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres 2026 erneut vom starken Ausbau der KI-Infrastruktur profitiert. Der US-Halbleiter- und Softwarekonzern meldete einen deutlichen Umsatzsprung, hohe Margen und einen Rekordwert beim freien Cashflow. Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit KI-Halbleitern, das sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelte.
An der Börse reichte das jedoch nicht aus. Die Aktie geriet nach Veröffentlichung der Zahlen im nachbörslichen und vorbörslichen US-Handel deutlich unter Druck. Der Rückgang folgte auf eine starke Kursentwicklung der vergangenen Monate und auf sehr hohe Erwartungen an das KI-Geschäft. Zuvor hatte die Aktie im regulären Handel ein Rekordniveau erreicht.
Broadcom veröffentlichte die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 am 3. Juni 2026 nach US-Börsenschluss. Das Quartal endete am 3. Mai 2026. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 22,187 Milliarden US-Dollar. Das waren 48 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Der Nettogewinn nach GAAP lag bei 9,31 Milliarden US-Dollar. Auf bereinigter Basis meldete Broadcom einen Nettogewinn von 12,074 Milliarden US-Dollar. Das verwässerte Ergebnis je Aktie lag nach GAAP bei 1,91 US-Dollar. Auf Non-GAAP-Basis lag der Gewinn je Aktie bei 2,44 US-Dollar.
Auch die operative Ertragskraft blieb hoch. Das bereinigte EBITDA erreichte 15,244 Milliarden US-Dollar. Das entsprach 69 Prozent des Umsatzes. Der freie Cashflow lag bei 10,262 Milliarden US-Dollar und damit bei 46 Prozent des Umsatzes.
Der wichtigste Wachstumstreiber war erneut das Geschäft mit KI-Halbleitern. Broadcom bezifferte den Umsatz in diesem Bereich auf 10,8 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem Plus von 143 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen verwies dabei auf die Nachfrage nach kundenspezifischen KI-Beschleunigern und Netzwerktechnik für Rechenzentren.
Der gesamte Bereich Semiconductor Solutions kam auf 15,009 Milliarden US-Dollar Umsatz. Das waren 79 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit entfielen rund zwei Drittel des Konzernumsatzes auf das Halbleitergeschäft. Die Sparte Infrastructure Software erzielte 7,178 Milliarden US-Dollar Umsatz und wuchs um 9 Prozent.
Für das laufende dritte Geschäftsquartal stellte Broadcom einen Konzernumsatz von rund 29,4 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Das wäre ein Anstieg um 84 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Konzern erwartet außerdem, dass der Umsatz mit KI-Halbleitern im dritten Quartal auf 16 Milliarden US-Dollar steigt.
Die Kursreaktion fiel schwächer aus, als die reinen Wachstumszahlen zunächst vermuten lassen. Mehrere Faktoren belasteten die Aktie. Dazu gehörten sehr hohe Erwartungen an das KI-Geschäft, ein bereits stark gestiegener Kurs und unterschiedliche Einschätzungen dazu, ob der Umsatz die Konsensschätzungen knapp übertraf oder knapp verfehlte.
Beim bereinigten Gewinn je Aktie lag Broadcom mit 2,44 US-Dollar über vielen Analystenschätzungen. Beim Umsatz ist die Einordnung weniger eindeutig, weil verschiedene Datendienste unterschiedliche Vergleichswerte ausweisen. Offiziell bestätigt ist der gemeldete Umsatz von 22,187 Milliarden US-Dollar. Ob daraus ein knapper Umsatzübertreffer oder eine knappe Verfehlung wird, hängt vom jeweils verwendeten Konsenswert ab.
Entscheidend für die Marktreaktion war weniger das abgelaufene Quartal als die Erwartung an den weiteren KI-Hochlauf. Broadcom stellte für das dritte Quartal 16 Milliarden US-Dollar Umsatz mit KI-Halbleitern in Aussicht. Diese Zahl zeigt weiter starkes Wachstum, blieb nach einzelnen Marktschätzungen aber unter dem, was Teile des Marktes erhofft hatten.
Broadcom gehört zu den wichtigsten Profiteuren des KI-Infrastrukturbooms. Das Unternehmen liefert unter anderem kundenspezifische Chips und Netzwerktechnik, die in großen Rechenzentren eingesetzt werden. Damit steht Broadcom neben Nvidia, Marvell und anderen Halbleiterunternehmen im Zentrum eines Marktes, der von den Investitionen großer Cloud- und KI-Anbieter geprägt wird.
Die Börse bewertet solche Unternehmen inzwischen stark nach ihrer Fähigkeit, die hohen Erwartungen an KI-Umsätze nicht nur zu erfüllen, sondern regelmäßig zu übertreffen. Bei Broadcom zeigte sich nun, wie eng dieser Spielraum geworden ist. Selbst starkes Wachstum, hohe Profitabilität und ein positiver Ausblick reichten nicht aus, um die Aktie unmittelbar nach den Zahlen zu stützen.
Broadcom kündigte zudem eine Quartalsdividende von 0,65 US-Dollar je Aktie an. Die Zahlung soll am 30. Juni 2026 an Aktionäre erfolgen, die am 22. Juni 2026 im Aktienregister stehen.
Für das dritte Quartal erwartet der Konzern neben 29,4 Milliarden US-Dollar Umsatz eine Non-GAAP-operative Marge von rund 67 Prozent des Umsatzes. Das bereinigte EBITDA soll etwa 68 Prozent des Umsatzes erreichen. Damit signalisiert Broadcom weiterhin hohe Profitabilität, auch wenn die Börse kurzfristig stärker auf die Geschwindigkeit des KI-Wachstums achtet.
Die Broadcom-Zahlen zeigen keinen operativen Einbruch, sondern ein sehr stark wachsendes Unternehmen mit hoher Abhängigkeit vom KI-Investitionszyklus. Der Kursrückgang nach den Zahlen ist deshalb vor allem Ausdruck hoher Erwartungen. Die Aktie hatte vor der Veröffentlichung bereits ein sehr hohes Bewertungsniveau erreicht.
Für Anleger bleibt Broadcom damit ein zentraler Gradmesser für die Frage, ob der KI-Boom an der Börse weiter von steigenden Erwartungen getragen wird oder ob selbst starke Zahlen zunehmend nicht mehr ausreichen. Das Unternehmen liefert Wachstum und hohe Margen. Der Markt verlangt jedoch inzwischen mehr als solide Rekorde.
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