
Im Fall des als Timmy bekannt gewordenen Buckelwals seien neue Zweifel an der bisherigen Zuordnung des Kadavers von Anholt aufgekommen. Nach Informationen der Bild sollen zwei untersuchte DNA-Proben nicht übereinstimmen. Damit sei zunächst offen, ob der am 14. Mai 2026 vor der dänischen Insel entdeckte tote Buckelwal tatsächlich dasselbe Tier gewesen sei, das zuvor mehrfach an der deutschen Ostseeküste gestrandet war.
Ein Beweis dafür, dass Timmy noch leben könnte, sei das berichtete Ergebnis jedoch nicht. Die Herkunft, Entnahme, Lagerung und Dokumentation der Proben müsse zunächst nachvollziehbar geklärt werden. Für Mittwoch, 22. Juli 2026, sei deshalb eine Pressekonferenz in Hamburg angekündigt worden.
Nach dem Bericht soll eine der DNA-Proben von dem amerikanischen Walexperten Jeff Forster stammen. Er habe das Gewebe möglicherweise entnommen, als kurz vor der Freilassung des Wals ein Ortungssender an dessen Rückenflosse befestigt worden sei. Eine zweite Probe sei später am Kadaver auf Anholt genommen worden.
Beide Proben seien anschließend in einem Labor miteinander verglichen worden. Laut Bild sollen die genetischen Profile nicht übereingestimmt haben. Wäre die Herkunft beider Proben zweifelsfrei dokumentiert und das Laborergebnis bestätigt, würde dies gegen die Annahme sprechen, dass es sich um dasselbe Tier gehandelt habe. Bislang liege dazu jedoch keine vollständig veröffentlichte wissenschaftliche Auswertung vor.
Die angekündigte Pressekonferenz solle am Mittwoch ab etwa 13.45 Uhr in Hamburg stattfinden. Als Teilnehmerin sei unter anderem Dr. Kirsten Tönnies angekündigt worden. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern und das Deutsche Meeresmuseum würden nach bisherigen Berichten nicht teilnehmen.
Für einen belastbaren DNA-Vergleich müsse zweifelsfrei feststehen, von welchem Tier die jeweiligen Proben stammten. Dazu gehöre eine lückenlose Dokumentation vom Zeitpunkt der Entnahme über die Verpackung und Lagerung bis zur Übergabe an das Labor.
Im Fall Timmy soll es bei der Entnahme der ersten Probe keine unabhängigen Zeugen gegeben haben. Auch der Transport der Proben ins Labor sei laut den bisherigen Berichten nicht von unabhängiger Stelle überwacht worden. Zudem sei öffentlich noch nicht detailliert erklärt worden, wie das Material gelagert, gekennzeichnet und analysiert worden sei.
Weder das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern noch das Deutsche Meeresmuseum hätten während der Strandungen eigene Vergleichsproben von Timmy genommen. Das Meeresmuseum habe nach den vorliegenden Angaben auf eine zusätzliche Entnahme verzichtet, um das geschwächte Tier nicht weiter zu belasten. Damit fehle offenbar eine behördlich dokumentierte Referenzprobe, die unabhängig mit dem Material aus Dänemark verglichen werden könnte.
Eine fehlende Übereinstimmung könne deshalb verschiedene Ursachen haben. Möglich wären eine falsche Zuordnung einer Probe, Probleme bei der Kennzeichnung oder ein Fehler bei Entnahme, Lagerung oder Untersuchung. Welche Erklärung tatsächlich zutreffe, lasse sich ohne Einsicht in die Laborunterlagen nicht beurteilen.
Trotz der berichteten DNA-Abweichung gebe es weiterhin starke Hinweise darauf, dass der Wal von Anholt tatsächlich Timmy gewesen sei. An dem Kadaver sei ein Ortungssender gefunden worden, dessen Seriennummer mit dem zuvor an Timmy befestigten Gerät übereingestimmt haben soll.
Auch die aufgezeichneten Positionsdaten hätten nach Angaben aus Mecklenburg-Vorpommern einen plausiblen Weg des Wals in Richtung Anholt gezeigt. Zusätzlich sollen Form und Verlauf der Schwanzflosse sowie bereits zuvor dokumentierte Verletzungen mit dem Tier aus der Ostsee übereingestimmt haben.
Der tote Buckelwal sei am 14. Mai 2026 vor Anholt entdeckt worden. Dänische Fachleute hätten zunächst Proben aus der Schwanzflosse entnommen, um seine Identität zu klären. Bei einer späteren Untersuchung sei der Sender gefunden worden. Die Obduktion habe ergeben, dass es sich um ein Weibchen gehandelt habe. Eine eindeutige Todesursache sei nicht festgestellt worden.
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Diese Indizien würden die DNA-Frage nicht automatisch beantworten. Sie machten es aber nach wie vor sehr unwahrscheinlich, dass Timmy unbemerkt weitergelebt habe und zufällig ein anderer Buckelwal mit seinem Sender vor Anholt verendet sei.
Von der Pressekonferenz werde vor allem erwartet, dass die Verantwortlichen die genaue Herkunft der beiden DNA-Proben offenlegten. Entscheidend sei, wer das Material wann entnommen habe, welche Körperstelle betroffen gewesen sei und wie die Proben anschließend behandelt worden seien.
Außerdem müsse erklärt werden, welches Labor die Analyse durchgeführt habe, welche genetischen Merkmale verglichen worden seien und wie eindeutig die festgestellten Unterschiede ausfielen. Denkbar sei auch, dass eine erneute Untersuchung oder die Einbeziehung weiterer Proben angekündigt werde.
Sollten noch Proben des Kadavers in einem dänischen oder deutschen Labor vorhanden sein, könnten diese möglicherweise erneut untersucht werden. Schwieriger wäre die Beschaffung einer zweifelsfreien Referenzprobe von Timmy. Haare, Hautreste oder anderes biologisches Material aus der Zeit der Strandungen wären nur dann geeignet, wenn ihre Herkunft sicher dokumentiert sei.
Timmy sei am 3. März 2026 erstmals im Hafen von Wismar aufgetaucht. In den folgenden Wochen sei der Buckelwal wiederholt gestrandet. Mehrere Rettungsversuche hätten bundesweit große Aufmerksamkeit ausgelöst. Ende April sei das Tier mit einer Barge aus dem flachen Küstenbereich transportiert und Anfang Mai in Richtung Nordsee freigelassen worden.
Das berichtete DNA-Ergebnis stelle die bisherige Identifizierung des Kadavers infrage. Es belege aber weder, dass Timmy noch lebe, noch dass der tote Wal von Anholt sicher ein anderes Tier gewesen sei.
Bis zur Veröffentlichung der Laborergebnisse und einer nachvollziehbaren Darstellung der Probenwege bleibe der Fall deshalb ungeklärt. Die Pressekonferenz könne wichtige Details liefern. Eine endgültige Antwort sei jedoch nur zu erwarten, wenn die untersuchten Proben zweifelsfrei den jeweiligen Tieren zugeordnet werden könnten.
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