Wüst bremst Personaldebatte: CDU-Länderchefs stützen Merz

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Vier Tage vor dem heutigen Wahlsonntag haben die acht CDU-Ministerpräsidenten ein gemeinsames Signal an ihre Partei gesendet. In einer am Mittwoch, 16. September 2026, veröffentlichten Erklärung wandten sie sich gegen Personaldebatten und bekannten sich zur Zusammenarbeit mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Heute wird in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt, die Wahllokale sind noch geöffnet. Besonders deutlich hat sich in den vergangenen Tagen Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst positioniert. Er lehnt eine Debatte über einen Austausch an der Spitze ab und verweist auf die gemeinsame Verantwortung der Union. Die Rückendeckung für Friedrich Merz kommt damit aus einem Kreis, der innerhalb der CDU erhebliches politisches Gewicht besitzt.

Acht CDU-Ministerpräsidenten fordern Geschlossenheit

Die gemeinsame Erklärung wurde am vergangenen Mittwoch veröffentlicht. Unterzeichnet haben sie Daniel Günther aus Schleswig-Holstein, Boris Rhein aus Hessen, Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Kai Wegner aus Berlin, Michael Kretschmer aus Sachsen, Gordon Schnieder aus Rheinland-Pfalz, Mario Voigt aus Thüringen und Hendrik Wüst aus Nordrhein-Westfalen. Damit beteiligten sich alle acht Regierungschefs der Länder, die von einem CDU-Ministerpräsidenten geführt werden.

In dem Schreiben stellen die Regierungschefs politische Stabilität und die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung in den Mittelpunkt. Vertrauen solle durch Zuhören, Verlässlichkeit und politische Entscheidungen zurückgewonnen werden. Personaldiskussionen lehnen sie dagegen ab. Zugleich erklären die Ministerpräsidenten, sie wollten gemeinsam mit dem Bundeskanzler ihren Beitrag dazu leisten, die Probleme der Menschen anzugehen.

Merz wird in der Erklärung nicht namentlich genannt. Die Formulierung bezieht sich stattdessen auf den Bundeskanzler. Merz selbst wertete das Schreiben als Unterstützung. Auch CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich gegen eine Personaldebatte ausgesprochen und für eine Fortsetzung der gemeinsamen Regierungsarbeit geworben.

Wüst weist Spekulationen über einen Wechsel zurück

Besondere Aufmerksamkeit gilt Hendrik Wüst, weil sein Name in der öffentlichen Diskussion über mögliche künftige Führungsfiguren der Union immer wieder genannt wird. Wüst selbst hat daraus in den vergangenen Tagen jedoch keine Forderung nach einem Wechsel an der Spitze abgeleitet.

In einem Interview mit Sat.1 NRW, das nach Veröffentlichung der Erklärung ausgestrahlt wurde, sagte der Ministerpräsident: „Personaldebatten helfen jetzt nicht weiter.“ Die Schwierigkeiten der CDU ließen sich seiner Darstellung zufolge nicht auf eine einzelne Person reduzieren. Stattdessen trage die Union gemeinsam Verantwortung dafür, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Wüst wurde dabei auch gefragt, ob sich seine Haltung im Fall eines sehr schlechten Abschneidens der CDU bei der heutigen Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ändern würde. Auch für dieses Szenario lehnte er es ab, die politische Lage allein auf eine Personalfrage zu verengen. Damit konkretisierte er seine Position über die allgemeiner gehaltene gemeinsame Erklärung der Ministerpräsidenten hinaus.

Günther nennt Merz ausdrücklich beim Namen

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther äußerte sich nach Veröffentlichung des Schreibens konkreter. Er erklärte, die CDU wolle, dass Friedrich Merz ein erfolgreicher Kanzler sei. Rheinland-Pfalz‘ Ministerpräsident Gordon Schnieder verteidigte die gemeinsame Stellungnahme ebenfalls und wandte sich gegen öffentlichen Streit über Personalfragen.

Weitere führende Christdemokraten haben sich in den Tagen vor dem heutigen Wahlsonntag ebenfalls gegen eine Führungsdebatte gestellt. Damit gibt es öffentlich eine Reihe von Stellungnahmen zugunsten von Geschlossenheit an der Parteispitze. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, wie geschlossen die CDU intern tatsächlich hinter Merz steht. Öffentliche Belege für eine organisierte Mehrheit innerhalb der Partei, die seine Ablösung betreibt, liegen bislang ebenso wenig vor.

Schwache Umfragewerte belasten Kanzler und Union

Die Diskussion fällt in eine Phase schwacher bundesweiter Umfragewerte für Merz und die Union. Im ARD-DeutschlandTrend von Infratest dimap, erhoben vom 31. August bis 2. September 2026 unter 1.319 Wahlberechtigten, kamen CDU und CSU in der Sonntagsfrage auf 21 Prozent. Die AfD lag bei 27 Prozent. Mit der politischen Arbeit von Merz waren 13 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden.

Auch die Bundesregierung erhielt in derselben Erhebung schlechte Bewertungen. 15 Prozent der Befragten waren mit ihrer Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden, 84 Prozent weniger oder gar nicht zufrieden. Die Zahlen beschreiben die bundesweite politische Stimmung Anfang September. Sie sind weder ein Ergebnis der heutigen Landtagswahlen noch erlauben sie Rückschlüsse auf deren Ausgang.

Die niedrigen Werte bilden einen wesentlichen Hintergrund der Debatte über den Kurs der Union und die Stellung des Kanzlers. Sie beantworten aber nicht die Frage nach seiner personellen Zukunft. Eine öffentlich dokumentierte Entscheidung der CDU-Spitze für einen Wechsel gibt es nicht. Ebenso wenig ist öffentlich belegt, dass innerhalb der Partei eine Mehrheit für eine Ablösung von Merz besteht. Berichte über interne Zweifel oder mögliche Nachfolgeszenarien beruhen teilweise auf anonymen Stimmen oder politischen Einschätzungen und sind von den offiziell erklärten Positionen zu unterscheiden.

CDU-Spitze kommt am Wahlsonntag zusammen

Merz hat für diesen Sonntag das CDU-Präsidium zu einer Sitzung in der Berliner Parteizentrale eingeladen. Die Zusammenkunft soll bereits beginnen, während die Wahllokale in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern noch geöffnet sind. Die Parteiführung kommt damit an einem Tag zusammen, an dem zwei Landtagswahlen stattfinden, ohne dass zu diesem Zeitpunkt ein abschließendes Ergebnis vorliegt.

Der heutige Wahlsonntag trifft die Union in einer angespannten bundespolitischen Phase. Vorausgegangen ist das schwache Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Anfang September. Gleichzeitig steht die schwarz-rote Bundesregierung bei zentralen innenpolitischen Themen unter Druck. Debatten über wirtschaftliche Entwicklung, Reformen und Lebenshaltungskosten prägen die politische Auseinandersetzung.

Seit der gemeinsamen Erklärung vom Mittwoch hat sich zumindest die öffentlich erkennbare Position der CDU-Ministerpräsidenten klarer gefasst. Alle acht Regierungschefs stellten sich gegen eine Personaldebatte. Wüst, Günther und weitere führende Christdemokraten haben diese Linie anschließend öffentlich bekräftigt. Wie sich die Diskussion innerhalb der Union nach dem heutigen Wahlsonntag entwickelt, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen. Solange die Wahllokale in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin geöffnet sind, gibt es weder ein abschließendes Ergebnis noch eine daraus abgeleitete neue Lage für die Bundespartei. Fest steht bislang nur die öffentlich erklärte Position der CDU-Länderchefs: Sie setzen auf politische Geschlossenheit und wollen derzeit keinen Wechsel an der Spitze der Bundesregierung zum Gegenstand der Debatte machen.

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