
Frankfurt. Am deutschen Aktienmarkt ist der große Verfallstag mit Kursverlusten gestartet. Der DAX bewegte sich am Freitagvormittag unter seinem Schlussstand vom Donnerstag. Nach den um 15 Minuten verzögerten Xetra-Daten der Deutschen Börse lag der Leitindex um 11:20 Uhr bei 25.610,79 Punkten. Das waren 105 Punkte weniger als am Vortag. Gleichzeitig sorgten deutliche Bewegungen bei einzelnen DAX-Werten und neue Inflationsdaten aus Deutschland für zusätzliche Impulse.
Im Mittelpunkt des Handelstags steht der sogenannte große Verfall an den Terminbörsen. Dabei laufen gleichzeitig mehrere Arten von Futures und Optionen auf Aktien und Indizes aus. Solche Termine gibt es viermal im Jahr. Weil institutionelle Marktteilnehmer ihre Positionen vor dem Auslaufen der Kontrakte anpassen, können Handelsvolumen und Kursschwankungen zeitweise deutlich zunehmen. Nicht jede Bewegung an diesem Freitag lässt sich deshalb unmittelbar mit neuen Unternehmensnachrichten erklären.
Der DAX war bereits mit Verlusten in den Handel gegangen. In den ersten Handelsminuten lag er bei rund 25.603 Punkten und damit etwa 0,4 Prozent unter dem Vortagesschluss. Am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex noch 0,7 Prozent gewonnen und bei 25.716 Punkten geschlossen.
Das internationale Umfeld bleibt von Zinsen und Energiepreisen geprägt. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte in dieser Woche ihren Leitzins angehoben. Auch die Bank of Japan erhöhte am Freitag ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. Gleichzeitig haben sich die zuvor stark gestiegenen Ölpreise zuletzt wieder etwas zurückgebildet. Die Lage an den Energiemärkten bleibt jedoch ein wichtiger Faktor für Inflationserwartungen und Unternehmenskosten.
Bei den Einzelwerten zeigte sich am Vormittag ein deutlich uneinheitliches Bild. Nach Kursdaten von finanzen.net gegen 11:20 Uhr gehörte Infineon mit einem Plus von rund 3,9 Prozent zu den stärksten DAX-Werten. Rheinmetall legte etwa 1,2 Prozent zu, Hochtief rund 1,0 Prozent. Auch Siemens Energy und Airbus lagen im Plus.
Auf der anderen Seite verlor die Deutsche Telekom rund 3,5 Prozent und bildete damit zu diesem Zeitpunkt das Schlusslicht im Leitindex. Zalando gab um etwa 1,9 Prozent nach. Volkswagen-Vorzugsaktien verloren rund 1,6 Prozent, ebenso standen Mercedes-Benz und Allianz deutlich unter Druck.
Auch die Aktie der Deutschen Börse gehörte zu den schwächeren Werten. Gegen 11:20 Uhr lag sie bei etwa 275,90 Euro und damit rund 1,4 Prozent unter dem Schlusskurs des Vortags. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Kursentwicklung der Aktie und dem Verfallstag lässt sich daraus nicht ableiten. Die Deutsche Börse AG betreibt unter anderem die Terminbörse Eurex gemeinsam mit der Schweizer Börse SIX.
Für Aufmerksamkeit sorgten am Morgen außerdem neue Preisdaten aus Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im August 2026 um 4,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Gegenüber Juli stiegen sie um 1,1 Prozent.
Damit beschleunigte sich der Preisauftrieb auf der Produzentenstufe erheblich. Im Juli hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat noch bei 3,0 Prozent gelegen. Hauptgrund waren im August erneut die Energiepreise. Sie lagen nach Angaben von Destatis um 8,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Vorleistungsgüter verteuerten sich um 6,1 Prozent.
Ohne Energie lagen die Erzeugerpreise 3,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Investitionsgüter verteuerten sich um 2,4 Prozent und Gebrauchsgüter um 2,1 Prozent. Bei Verbrauchsgütern gingen die Preise dagegen um 2,0 Prozent zurück. Die Daten gelten als wichtiger Indikator für den Preisdruck auf vorgelagerten Produktionsstufen, lassen sich aber nicht eins zu eins auf die künftige Verbraucherpreisentwicklung übertragen.
Der große Verfall findet jeweils am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember statt. An diesen Tagen laufen an den Terminbörsen Futures und Optionen auf Indizes sowie Derivate auf einzelne Aktien aus. Marktteilnehmer müssen bestehende Positionen schließen, verlängern oder über neue Kontrakte absichern.
In Europa erfolgt der Verfall gestaffelt. Um 12 Uhr laufen an der Eurex zunächst Futures und Optionen auf den Euro Stoxx 50 und den Stoxx 50 aus. Für den DAX und den TecDAX ist die Mittagsauktion um 13 Uhr besonders relevant. Fünf Minuten später folgen die entsprechenden MDAX-Kontrakte. Optionen und Futures auf einzelne deutsche Aktien laufen anschließend gegen Handelsschluss aus.
Dadurch können sich rund um diese Zeitpunkte ungewöhnlich hohe Umsätze und kurzfristige Kursausschläge ergeben. Besonders bei Indexschwergewichten können größere Umschichtungen den DAX bewegen, ohne dass sich die fundamentale Lage eines Unternehmens gleichzeitig verändert hat. Der Begriff Hexensabbat beschreibt deshalb vor allem einen termintechnisch außergewöhnlichen Börsentag und nicht automatisch eine bestimmte Richtung des Aktienmarktes.
Nach dem Verfall der DAX-Kontrakte bleibt der Handelstag auch von internationalen Konjunkturdaten geprägt. Am Nachmittag stehen in den USA unter anderem Daten zur Industrieproduktion auf dem Programm. Damit erhalten die Märkte weitere Hinweise auf die Verfassung der größten Volkswirtschaft der Welt, nachdem die Federal Reserve ihren geldpolitischen Kurs in dieser Woche erneut angepasst hat.
Für den deutschen Aktienmarkt treffen damit mehrere Einflussfaktoren aufeinander: der große Verfall, höhere deutsche Erzeugerpreise, Bewegungen an den Energie- und Anleihemärkten sowie die internationalen Zinsentscheidungen. Gerade am Verfallstag können kurzfristige Ausschläge allerdings stärker von der Positionierung am Terminmarkt beeinflusst werden als an gewöhnlichen Handelstagen.
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