
Eine Fernsehshow wird 50 Jahre alt, doch die Person, die heute maßgeblich ihr Gesicht prägt, gehört erst seit einem Bruchteil dieser Zeit dazu. Susan Link beim Kölner Treff steht inzwischen für die jüngste Phase einer Sendung, deren Geschichte bis in die Anfangsjahre des deutschen Fernsehtalks zurückreicht. Gemeinsam mit Micky Beisenherz führt die Moderatorin das Format heute weiter und verbindet dabei eine jahrzehntealte Grundidee mit einer Medienwelt, die sich seit 1976 grundlegend verändert hat.
50 Jahre Kölner Treff sind deshalb nicht nur ein Anlass für einen Blick ins Fernseharchiv. Das Jubiläum erzählt zugleich davon, wie sich Gesprächsformate verändern müssen, ohne ihr eigentliches Prinzip aufzugeben. Bei Link trifft diese Entwicklung auf eine eigene Biografie zwischen Ost- und Westdeutschland, Radio, Morgenfernsehen und klassischer Talkshow.
Susan Link wurde 1976 in Thüringen geboren. Nach dem Mauerfall zog sie mit ihrer Familie nach Wuppertal. Dort machte sie ihr Abitur und studierte später Germanistik. Schon während des Studiums sammelte sie journalistische Erfahrung beim Lokalradio und absolvierte ein Hörfunkvolontariat. Ab 1999 arbeitete sie als Radiomoderatorin, später war sie mehrere Jahre für Radio NRW tätig.
Der Wechsel ins Fernsehen folgte beim WDR. 2011 kam Link zum ARD-Morgenmagazin, zunächst auch als Reporterin. Seit 2012 gehört sie dort zum Moderationsteam. Weitere Aufgaben kamen hinzu, darunter politische und gesellschaftliche Sonderformate sowie später der ARD-Presseclub. Erfahrungen mit einem klassischen Gesprächsformat sammelte sie zudem beim MDR-Talk Riverboat.
Ihre Herkunft beschreibt Link heute nicht nur als biografische Station. In einem Interview zum Jubiläum erinnerte sie daran, wie einschneidend der Umzug aus dem ländlichen Thüringen nach Wuppertal für sie als Jugendliche zunächst war. Später kehrte sie beruflich für ihre Arbeit beim Riverboat nach Ostdeutschland zurück. Diese Zeit verband sie nach eigener Darstellung auch mit einer erneuten Beschäftigung mit ihrer eigenen Geschichte.
Der Einstieg beim Kölner Treff begann 2017 zunächst als Vertretung. Susan Link und Micky Beisenherz übernahmen gemeinsam mehrere Sommerausgaben, während Bettina Böttinger hinter der Kamera an der Sendung beteiligt blieb. 2018 moderierte das Duo weitere Ausgaben, ab 2019 wurde es regelmäßig eingesetzt.
Eine weitere Zäsur folgte 2023. Böttinger gab ihre Gastgeberrolle nach vielen Jahren auf. Seitdem sind Susan Link und Micky Beisenherz die alleinigen regulären Gastgeber der Sendung. Damit vertreten sie inzwischen jene Generation des Formats, die den klassischen Fernsehtalk zugleich für soziale Netzwerke und digitale Ausspielwege öffnen muss.
Dass beide schon lange vor ihrer gemeinsamen Fernseharbeit miteinander bekannt waren, gehört ebenfalls zu dieser Entwicklung. Sie lernten sich während ihrer Radiozeit kennen. Aus zwei unterschiedlichen beruflichen Wegen entstand damit Jahre später ein Moderationsduo für eine der traditionsreicheren Gesprächssendungen des WDR.
Die Geschichte des Formats reicht bis zum 25. Januar 1976 zurück. Damals moderierten Alfred Biolek und der Journalist Dieter Thoma die erste Ausgabe. Die Idee knüpfte an Gesprächsabende an, die Biolek zuvor im Kölner Theater Senftöpfchen veranstaltet hatte. Ein Sofa spielte dabei eine zentrale Rolle, weil auf ihm prominente und unbekannte Gäste unmittelbar nacheinander Platz nahmen.
Gerade diese Mischung gehörte zum ursprünglichen Konzept. Schon in der ersten Fernsehausgabe saßen nicht ausschließlich bekannte Persönlichkeiten vor den Kameras. Zu den Gästen gehörten unter anderem ein Schuhputzer vom Kölner Dom und der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Heinz Kühn. Der gesellschaftliche Status sollte nicht darüber entscheiden, ob eine Lebensgeschichte einen Platz in der Sendung bekam.
In der ersten Phase entstanden 94 Ausgaben. Neben Biolek und Thoma gehörte später auch Elke Heidenreich zu den Gastgebern. Ende 1982 verabschiedete sich das Format zunächst vom Bildschirm. Fast ein Vierteljahrhundert später folgte die Rückkehr.
2006 brachte Bettina Böttinger den Kölner Treff zurück. Äußerlich unterschied sich die Neuauflage deutlich von der Sendung der siebziger und frühen achtziger Jahre. Das alte Sofa verschwand, die Gesprächsrunde wurde größer und die roten Sessel wurden zu einem Erkennungsmerkmal. Der Kern blieb jedoch bestehen: Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten sollten miteinander und über ihre Erfahrungen sprechen.
Diese Mischung aus prominenten Gästen und Menschen, die nicht dauerhaft in der Öffentlichkeit stehen, blieb auch über die folgenden Jahre ein wesentliches Merkmal. Gleichzeitig veränderten sich Themen, Gäste und Formen der Öffentlichkeit. Aus Fernsehstars und Politikern wurden mit der Zeit zusätzlich Podcaster, YouTuber und andere Persönlichkeiten, deren Bekanntheit zunächst außerhalb des klassischen Fernsehens entstanden war.
Zu den Themen, über die Susan Link rund um das Jubiläum gesprochen hat, gehört auch ihr Verhältnis zu ihrer heutigen Heimat. Sie lebt seit vielen Jahren in Köln und blickt als gebürtige Thüringerin auf unterschiedliche Regionen und Mentalitäten.
Klischees über Rheinländer, Menschen aus dem Ruhrgebiet oder Ostwestfalen hält sie dabei nicht grundsätzlich für völlig gegenstandslos. Gleichzeitig warnt ihre eigene Einordnung davor, solche Zuschreibungen zu verallgemeinern. Vielfalt sei für sie gerade ein wesentliches Kennzeichen des bevölkerungsreichen Bundeslandes. Köln erlebt sie nach eigener Darstellung als einen Ort, an dem Menschen sich umeinander kümmern. Das widerspreche für sie dem verbreiteten Bild eines nur oberflächlichen Rheinländers.
Für eine Gesprächssendung ist diese Vielfalt aus ihrer Sicht ein Vorteil. Unterschiedliche Herkunft, soziale Erfahrungen und Lebenswege schaffen jene Konstellationen, aus denen Gespräche entstehen können, die nicht allein auf Prominenz beruhen.
Auch die Medienwelt rund um die Sendung hat mit der ursprünglichen Ausgabe kaum noch etwas gemeinsam. Das Fernsehen ist längst nicht mehr der einzige Ort, an dem Ausschnitte aus Gesprächen ihr Publikum finden. Der WDR verbreitet Sequenzen heute zusätzlich über Plattformen wie Instagram und YouTube. Einzelne Clips erreichen dort ein Millionenpublikum.
Link sieht darin keinen Widerspruch zum ausführlicheren Fernsehgespräch. Entscheidend ist für sie vielmehr, dass Menschen weiterhin Interesse an anderen Biografien und persönlichen Erfahrungen haben. Neue Plattformen verändern demnach den Zugang zu den Gesprächspartnern und die Art der Verbreitung, nicht aber unbedingt das grundlegende Bedürfnis nach längeren, persönlichen Gesprächen.
Genau darin liegt die Verbindung zwischen der ersten Ausgabe von 1976 und der heutigen Sendung. Das Studio, die Gäste und die technischen Verbreitungswege haben sich verändert. Die Grundidee, unterschiedliche Menschen zusammenzubringen und ihnen Zeit zum Erzählen zu geben, ist dagegen erkennbar geblieben. Das Kölner Treff Jubiläum wird damit zugleich zu einem Rückblick auf fünf Jahrzehnte deutscher Fernsehgeschichte und auf die Frage, wie ein klassisches Talkformat in einer zunehmend digitalen Medienwelt weiterbestehen kann.
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