Energiewende nimmt Fahrt auf: Deutschland meldet Solarrekord und startet Wasserstoffnetz

Solarrekord, Wasserstoffnetz, Förderwende: Deutschland baut sein Energiesystem um
Symbolfoto: Raphael Cruz

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Die Energiewende in Deutschland erreicht innerhalb weniger Tage gleich mehrere wichtige Etappen. Solaranlagen haben im Juli so viel Strom wie nie zuvor in das öffentliche Netz eingespeist. Gleichzeitig ist erstmals erneuerbarer Wasserstoff aus einer Elektrolyseanlage über einen Abschnitt des entstehenden Wasserstoff-Kernnetzes zu einem industriellen Abnehmer geflossen. Während die Technik vorankommt, plant die Bundesregierung einen grundlegenden Umbau der Förderung für neue Wind-, Solar- und Biomasseanlagen. Besonders für private Betreiber kleiner Dachanlagen sollen sich die Bedingungen ab 2027 verändern.

Solarrekord in Deutschland: Zwölf Milliarden Kilowattstunden

Im Juli 2026 speisten Photovoltaikanlagen erstmals rund zwölf Milliarden Kilowattstunden Strom innerhalb eines Monats in das öffentliche Netz ein. Das geht aus einer Auswertung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien in Münster hervor. Grundlage waren viertelstündliche Daten der europäischen Netzbetreiberplattform ENTSO-E. Der tatsächlich erzeugte Solarstrom lag noch höher, weil selbst verbrauchter Strom von Privathaushalten, Unternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben nicht in der Netzeinspeisung enthalten ist. Zur Mittagszeit erreichte die durchschnittliche Solarleistung im Juli mehr als 40.000 Megawatt.

Der Rekord setzt eine Entwicklung fort, die bereits im ersten Halbjahr sichtbar war. Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme kamen erneuerbare Energien in den ersten sechs Monaten 2026 auf 61,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung. Die Photovoltaik erreichte mit 43,2 Terawattstunden einen neuen Halbjahresbestwert. Auch die Stromerzeugung aus Windkraft stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Grüner Wasserstoff aus Lingen erreicht erstmals Marl

Auch beim Aufbau einer deutschen Wasserstoffwirtschaft wurde ein wichtiger Schritt erreicht. Erstmals floss erneuerbar erzeugter Wasserstoff aus den Elektrolyseanlagen von RWE in Lingen über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz zum Chemiepark Marl. Am Transport beteiligt sind die Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und OGE sowie die Evonik-Tochter SYNEQT. Die Leitungen gehören zu den ersten Abschnitten des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes Deutschland. Im Chemiepark kann der Wasserstoff unmittelbar von Industriebetrieben eingesetzt werden.

RWE will in Lingen bis Ende 2026 eine Elektrolyseleistung von 200 Megawatt in Betrieb nehmen. Ab 2027 soll die Gesamtleistung auf 300 Megawatt steigen. Weitere Leitungsprojekte sollen den entstehenden Verbund aus Erzeugung, Transport, Speicherung und industrieller Nutzung erweitern. Dazu gehört eine Verbindung zum geplanten Wasserstoffspeicher in Gronau-Epe. Außerdem sollen bis 2027 Leitungen zwischen Legden, Dorsten und Marl umgestellt oder neu gebaut werden.

EEG-Reform 2026 verändert Förderung neuer Solaranlagen

Parallel zu den Rekorden und neuen Leitungen plant die Bundesregierung einen deutlichen Umbau des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Das Bundeskabinett hat die EEG-Reform 2026 am 29. Juli beschlossen. Der Gesetzentwurf muss allerdings noch das parlamentarische Verfahren durchlaufen. Nach den Plänen sollen neue Anlagen ihren Strom schrittweise stärker selbst vermarkten. Die bisherige dauerhafte Einspeisevergütung für neue Wind-, Photovoltaik- und Biomasseanlagen soll auslaufen und durch stärker marktorientierte Modelle ersetzt werden.

Besonders relevant ist die Reform für kleine private Solaranlagen. Für Neuanlagen mit weniger als 25 Kilowatt soll es ab 2027 keine dauerhafte Förderung mehr geben. Vorgesehen ist zunächst eine befristete Übergangszahlung, bevor Betreiber vollständig in die Direktvermarktung wechseln. Bereits installierte Anlagen behalten ihre zugesagte Förderung für die vereinbarte Laufzeit. Die Bundesregierung hält zugleich am Ziel fest, bis 2030 mindestens 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien zu decken.

Energiewende in Deutschland erreicht die nächste Phase

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass es bei der Energiewende in Deutschland zunehmend nicht mehr nur um den Bau zusätzlicher Windräder und Solaranlagen geht. Erneuerbarer Strom muss stärker mit Netzen, Speichern, flexiblen Verbrauchern und neuen Energieträgern verbunden werden. Der Solarrekord verdeutlicht die wachsende Stromproduktion, während das Projekt zwischen Lingen und Marl erstmals Erzeugung, Wasserstofftransport und industrielle Abnahme in einem zusammenhängenden System verbindet.

Gleichzeitig will die Bundesregierung den Ausbau stärker nach vorhandenen Netzkapazitäten und Marktpreisen ausrichten. Damit beginnt eine Phase, in der nicht allein die installierte Leistung zählt. Entscheidend wird, ob Deutschland erneuerbare Energie zuverlässig transportieren, speichern und genau dort einsetzen kann, wo Haushalte und Industrie sie benötigen. Diese Einordnung ergibt sich aus den parallel vorangetriebenen Reformen bei Förderung, Netzausbau und Wasserstoffinfrastruktur.

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