Evonik bündelt Produktion und gibt Hamburg und Bitterfeld auf

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Spezialchemiekonzern Evonik verkleinert sein Standortnetz in Deutschland weiter. Zwei kleinere Betriebe in Hamburg und Bitterfeld-Wolfen sollen 2027 geschlossen werden. Insgesamt arbeiten dort derzeit rund 90 Menschen. Gleichzeitig setzt der Essener Konzern einen deutlich größeren Stellenabbau fort, der in den kommenden Jahren Tausende Arbeitsplätze weltweit betrifft. Die Entscheidungen fallen in eine Phase, in der die deutsche Chemieindustrie weiter mit niedriger Auslastung, hohen Kosten und starkem internationalen Wettbewerb kämpft.

Evonik schließt Standorte Hamburg und Bitterfeld und will die dortigen Geschäfte nicht vollständig aufgeben, sondern an größeren Produktions- und Entwicklungsstandorten bündeln. Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit dem Ziel, seine Strukturen zu vereinfachen und Kosten zu senken. Für die betroffenen Beschäftigten sollen gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen Lösungen erarbeitet werden. Damit ist bislang nicht belegt, dass sämtliche rund 90 Arbeitsplätze durch Kündigungen wegfallen werden.

Hamburger Standort soll Mitte 2027 schließen

In Hamburg beschäftigt Evonik derzeit rund 50 Menschen im Bereich Kosmetik- und Pflegeprodukte. Der Standort gehört zur Business Line Care Solutions und soll nach den Planungen des Unternehmens Mitte 2027 geschlossen werden. Die bisherigen Aktivitäten sowie das technologische Know-how sollen anschließend am größeren Evonik-Standort an der Goldschmidtstraße in Essen konzentriert werden.

Damit bleibt das Geschäft mit Produkten für Kosmetik und Körperpflege grundsätzlich innerhalb des Konzerns erhalten. Evonik verweist allerdings auf die schwache weltweite Konjunktur und anhaltenden Druck auf die Margen im internationalen Wettbewerb. Der Konzern sieht zudem Nachholbedarf bei seiner eigenen Struktur. Produktion, Verwaltung und Labore seien in einzelnen Geschäftsbereichen auf zu viele Standorte verteilt.

Für die rund 50 Beschäftigten in Hamburg steht der weitere Weg noch nicht abschließend fest. Evonik will in den kommenden Monaten gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung möglichst sozialverträgliche Lösungen entwickeln. Konkrete Angaben dazu, wie viele Beschäftigte an andere Standorte wechseln könnten oder wie viele Stellen tatsächlich entfallen, liegen bislang nicht vor.

Bitterfeld produziert Rohstoffe für Hightech-Anwendungen

Konkreter ist der Zeitplan in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt. Dort soll der Evonik-Betrieb Ende April 2027 schließen. Rund 40 Beschäftigte arbeiten an dem Standort im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. Hergestellt werden Chlorsilane, darunter hochreines Siliciumtetrachlorid. Der Stoff wird unter anderem als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Lichtwellenleitern verwendet.

Evonik begründet die Aufgabe des Standorts mit schwierigen Marktbedingungen. Nach Angaben des Unternehmens hat insbesondere das Angebot aus Asien zugenommen, während zugleich der Wettbewerbsdruck gestiegen ist. Die Produktionsanlagen seien bereits seit längerer Zeit nicht ausreichend ausgelastet, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten.

Vor der Entscheidung seien nach Unternehmensangaben unterschiedliche Varianten untersucht worden. Dazu gehörten alternative Betriebskonzepte, eine Verringerung der Kapazität, eine zeitweise Stilllegung und ein möglicher Verkauf. Keine dieser Optionen habe aus Sicht des Unternehmens eine langfristig tragfähige wirtschaftliche Perspektive geboten. Die Kunden sollen künftig vor allem vom Evonik-Standort Rheinfelden in Baden-Württemberg beliefert werden.

Evonik baut konzernweit Tausende Stellen ab

Die beiden Standortschließungen stehen in einem größeren Umbau des Spezialchemiekonzerns. Evonik hatte bereits im Juni 2026 angekündigt, sein Effizienzprogramm weiterzuführen. Von 2027 bis Ende 2029 sollen weltweit rund 3.200 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Davon entfallen nach der Planung etwa 2.150 auf Deutschland. Als Ansatzpunkte nennt der Konzern unter anderem Digitalisierung, effizientere Abläufe und die Vergabe bestimmter Aufgaben an externe Dienstleister.

Dieser Stellenabbau folgt auf ein bereits laufendes Programm. Zwischen Oktober 2023 und Ende 2026 sollen bei Evonik rund 2.800 Stellen wegfallen. Die neuen Maßnahmen kommen damit zusätzlich hinzu. Ende 2025 beschäftigte Evonik weltweit rund 31.000 Menschen.

Auch einzelne Geschäfte werden vollständig eingestellt. So beendet Evonik 2027 sein globales Polyester-Geschäft. Davon betroffen sind unter anderem die deutschen Standorte Witten und Marl. Das Werk in Witten mit 266 Beschäftigten soll geschlossen werden, in Marl sollen in diesem Zusammenhang 45 Stellen wegfallen. Weitere 35 Stellen sind an einer Produktionsanlage im chinesischen Shanghai betroffen.

Deutsche Chemieindustrie bleibt unter Druck

Die Einschnitte bei Evonik treffen auf eine Chemieindustrie, die sich trotz einzelner positiver Konjunktursignale weiterhin in einer schwierigen Lage befindet. Nach Angaben des Verbandes der Chemischen Industrie stieg die Produktion der deutschen Chemie- und Pharmabranche im zweiten Quartal 2026 zwar saisonbereinigt um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Verbesserung wurde jedoch teilweise durch Sondereffekte getragen und gilt nicht als stabile Trendwende.

Besonders problematisch bleibt die Auslastung der Anlagen. Sie lag im zweiten Quartal bei lediglich 73,2 Prozent und damit weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Hohe Energie-, Rohstoff- und Transportkosten sowie eine verhaltene Nachfrage aus wichtigen Industriebranchen belasten die Unternehmen zusätzlich. Zugleich stehen deutsche und europäische Produzenten bei zahlreichen Chemieprodukten im Wettbewerb mit Anbietern aus Regionen mit niedrigeren Energie- und Produktionskosten.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Branchenverband weiterhin einen Rückgang der Produktion von Chemie und Pharma um 1,5 Prozent. Der Umsatz könnte zwar um 2,5 Prozent steigen, dieses Plus wäre nach Einschätzung des Verbandes aber überwiegend auf höhere Preise zurückzuführen. Von einer breiten Erholung der Branche kann damit bislang nicht gesprochen werden.

Schließungen sind Teil einer stärkeren Standortbündelung

Bei Evonik zeigt sich der Anpassungsdruck inzwischen sowohl beim Personal als auch im Produktionsnetz. Hamburg und Bitterfeld sind vergleichsweise kleine Standorte, ihre Geschäfte sollen an größeren Werken weitergeführt werden. Die Schließungen bedeuten daher nicht den vollständigen Rückzug aus den jeweiligen Produktbereichen, sondern eine stärkere Konzentration der Produktion und Entwicklung.

Für die rund 90 Beschäftigten bleiben wichtige Details noch offen. Evonik hat bislang keine abschließende Zahl dazu genannt, wie viele Arbeitsplätze tatsächlich ersatzlos wegfallen und wie viele Mitarbeiter möglicherweise andere Angebote innerhalb des Konzerns erhalten könnten. Fest steht dagegen der Zeitplan für die Werke: Bitterfeld soll Ende April 2027 schließen, Hamburg Mitte 2027. Damit wird die Neuordnung des Konzerns im kommenden Jahr auch an weiteren deutschen Standorten deutlich sichtbar.

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