
Die US-Notenbank Federal Reserve steht vor einer möglicherweise richtungsweisenden Zinsentscheidung. Am Mittwoch, 16. September 2026, beendet der Offenmarktausschuss FOMC seine zweitägige Sitzung. Die Entscheidung soll um 14 Uhr Ortszeit in Washington veröffentlicht werden, das entspricht 20 Uhr deutscher Zeit. Eine halbe Stunde später ist die Pressekonferenz der Fed angesetzt. Offiziell entschieden war am Mittwochvormittag noch nichts.
An den Finanzmärkten hat sich allerdings eine klare Erwartung herausgebildet. Nach Daten des CME FedWatch Tools lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung um 25 Basispunkte am Mittwochmorgen bei rund 93 Prozent. Damit würde der Zielkorridor für den Federal Funds Rate von derzeit 3,50 bis 3,75 Prozent auf 3,75 bis 4,00 Prozent steigen. Ob die Fed diesen Schritt tatsächlich vollzieht, entscheidet sich erst am Abend.
Bei ihrer vorherigen Sitzung Ende Juli hatte die Federal Reserve den Zielkorridor unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel damals allerdings nicht einstimmig. Drei Mitglieder des zuständigen Ausschusses stimmten für eine Erhöhung um 25 Basispunkte. Die Fed verwies zugleich auf eine weiterhin erhöhte Inflation und ihr Ziel, Preisstabilität zu gewährleisten.
Sollte die Notenbank den Zins am Mittwoch tatsächlich erhöhen, wäre dies die erste Anhebung seit Juli 2023. Damals hob die Fed ihren Zielkorridor um 25 Basispunkte auf 5,25 bis 5,50 Prozent an. Danach folgte zunächst eine längere Phase unveränderter Zinsen und später eine Lockerung der Geldpolitik.
Der Fed-Zinsentscheid am 16. September 2026 erhält zusätzliche Bedeutung, weil die Notenbank zusammen mit ihrer Entscheidung neue Wirtschafts- und Zinsprojektionen veröffentlicht. Anleger dürften deshalb nicht nur auf den aktuellen Zinsschritt achten, sondern auch darauf, welchen weiteren Kurs die Mitglieder des FOMC für Inflation, Wachstum und Zinsen erwarten. Die September-Sitzung gehört laut offiziellem Fed-Kalender zu den Sitzungen, bei denen diese Projektionen veröffentlicht werden.
Eine wichtige Grundlage für die veränderten Zinserwartungen sind die jüngsten US-Inflationsdaten. Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums stiegen die Verbraucherpreise im August saisonbereinigt um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum August 2025 lag die Inflationsrate bei 3,4 Prozent. Besonders die Benzinpreise trugen zum monatlichen Anstieg bei. Ohne Lebensmittel und Energie lag der Preisauftrieb im Jahresvergleich bei 2,4 Prozent.
Damit liegt die Gesamtinflation weiterhin über dem längerfristigen Inflationsziel der Federal Reserve von 2 Prozent. Bereits bei der Juli-Sitzung hatte die Notenbank erklärt, dass die Inflation im Verhältnis zu diesem Ziel erhöht bleibe.
Auch die Einschätzungen von Ökonomen haben sich zuletzt deutlich verschoben. In einer Reuters-Umfrage nach Veröffentlichung der jüngsten Inflationsdaten rechneten 86 von 101 befragten Ökonomen mit einer Anhebung um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Zuvor hatte noch eine Mehrheit mit unveränderten Zinsen gerechnet. Die Umfrage bildet Einschätzungen von Ökonomen ab und ist keine Vorhersage der Federal Reserve.
Gleichzeitig steht die Geldpolitik im Zentrum einer politischen Auseinandersetzung in den USA. Präsident Donald Trump hat sich wiederholt für niedrigere Zinsen ausgesprochen. Am Sonntag erklärte er vor der Fed-Sitzung, die Vereinigten Staaten sollten seiner Ansicht nach die niedrigsten Zinsen weltweit haben. Zugleich sagte Trump, er wisse nicht, ob die Fed ihren Leitzins bei der laufenden Sitzung anheben werde.
Die Entscheidungen über die Geldpolitik trifft der Offenmarktausschuss der Federal Reserve. Trump hatte Kevin Warsh für den Vorsitz der US-Notenbank ausgewählt. Der Direktor des National Economic Council, Kevin Hassett, erklärte vor der Sitzung, Trump werde die Unabhängigkeit des Fed-Vorsitzenden respektieren. Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Präsident über eine Zinserhöhung voraussichtlich nicht erfreut wäre.
Die hohe Erwartung einer Zinserhöhung ist bereits an verschiedenen Märkten sichtbar. Der Euro lag am Mittwoch im frühen europäischen Handel laut Reuters bei rund 1,1554 Dollar. Der Dollar-Index lag bei 99,59 Punkten und damit weniger als 0,1 Prozent niedriger. Marktteilnehmer hatten einen möglichen Zinsschritt der Fed zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend in ihren Positionen berücksichtigt.
An den europäischen Aktienmärkten überwog am Mittwochmorgen zunächst eine leichte Erholung. Der europaweite Stoxx 600 lag um 07.05 Uhr GMT laut Reuters 0,4 Prozent höher bei 636,81 Punkten. Auch der deutsche DAX lag zu diesem Zeitpunkt rund 0,4 Prozent im Plus. Die Fed-Entscheidung gehörte zu den wichtigsten Einflussfaktoren für den Handel.
Eine Zinserhöhung in den USA kann über mehrere Kanäle auch internationale Märkte beeinflussen. Höhere US-Zinsen können amerikanische Staatsanleihen attraktiver machen und sich dadurch auf den Dollar, internationale Kapitalströme und die Renditen an den Anleihemärkten auswirken. Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt allerdings nicht allein von der Entscheidung am Mittwoch ab. Entscheidend sind auch die neuen Projektionen und die Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh zum weiteren geldpolitischen Kurs.
Für Sparer im Euroraum verändert eine Fed-Entscheidung die Verzinsung von Tagesgeld oder Festgeld nicht unmittelbar. Dafür ist in erster Linie die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank maßgeblich. Die EZB hatte am 10. September beschlossen, ihre drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte anzuheben. Seit dem 16. September liegt der Einlagensatz bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent.
Indirekt ist die US-Geldpolitik für europäische Anleger dennoch von Bedeutung. Veränderungen der US-Zinsen können den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar, die internationalen Anleiherenditen sowie die Finanzierungskosten von Unternehmen beeinflussen. Für Anleger mit US-Wertpapieren kommt zusätzlich die Entwicklung des Dollar-Wechselkurses hinzu.
Ob die Fed den von den Terminmärkten weitgehend erwarteten Zinsschritt tatsächlich beschließt, steht vor Veröffentlichung des FOMC-Beschlusses nicht fest. Neben der eigentlichen Entscheidung richtet sich das Augenmerk deshalb am Mittwochabend insbesondere auf die aktualisierten Projektionen und die anschließende Pressekonferenz der Notenbank.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu