
Vor dem Fed-Zinsentscheid am Mittwoch verdichtet sich an den Finanzmärkten die Erwartung, dass die US-Notenbank ihren Leitzins unverändert lässt. Die Sitzung des Offenmarktausschusses FOMC am 16. und 17. Juni steht dennoch stark im Fokus. Neben dem Zinsentscheid werden neue Wirtschaftsprojektionen und ein aktualisierter Dot Plot erwartet. Sie dürften zeigen, ob die Fed an der bisher angedeuteten Lockerung festhält oder den Kurs wegen höherer Inflation und robuster Arbeitsmarktdaten neu bewertet.
Die aktuelle Zielspanne für die Federal Funds Rate liegt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Nach den am Markt ausgewerteten Fed-Funds-Futures gilt eine Änderung am Mittwoch als sehr unwahrscheinlich. CME FedWatch wurde zuletzt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 98,5 Prozent für eine unveränderte Spanne zitiert. Das ist keine Entscheidung der Notenbank, sondern eine Marktprojektion. Sie zeigt aber, dass Investoren derzeit kaum mit einer Zinssenkung auf dieser Sitzung rechnen.
Der wichtigste Grund für die Zurückhaltung liegt in den jüngsten Inflationsdaten. Die US-Verbraucherpreise stiegen im Mai um 0,5 Prozent zum Vormonat und um 4,2 Prozent zum Vorjahr. Besonders stark wirkten Energiepreise: Der Energieindex legte im Monatsvergleich um 3,9 Prozent zu, Benzin um 7,0 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel lag mit 2,9 Prozent zum Vorjahr niedriger, aber weiter klar über dem Ziel der Fed. Damit bleibt der Fed-Zinsentscheid eng an die Frage gebunden, ob der Energiepreisschub vorübergehend bleibt oder breiter auf Preise und Erwartungen wirkt.
Auch vom Arbeitsmarkt kommt derzeit wenig Druck für schnelle Zinssenkungen. Die US-Wirtschaft schuf im Mai 172.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3 Prozent. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen um 0,3 Prozent zum Vormonat und um 3,4 Prozent zum Vorjahr. Diese Kombination aus stabiler Beschäftigung und weiter erhöhtem Preisauftrieb spricht aus Sicht vieler Marktteilnehmer eher für eine längere Zinspause als für eine schnelle Lockerung.
Der bisherige Dot Plot aus März deutete noch knapp auf eine Zinssenkung im Jahr 2026 hin. Die Verteilung war allerdings schon damals eng: Ein Teil der FOMC-Mitglieder sah keine Senkung, ein anderer Teil eine Senkung, einige rechneten mit stärkerer Lockerung. Seitdem hat sich die Marktlage verschoben. Futures preisen für 2026 derzeit keine Zinssenkung mehr ein. Teilweise wird sogar die Möglichkeit einer Zinserhöhung bis Jahresende stärker beachtet. Der neue Dot Plot wird daher zum zentralen Signal des Abends.
Hinzu kommt politischer Druck aus Washington. Präsident Donald Trump hat wiederholt niedrigere Zinsen gefordert. Für den neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh wird die Sitzung damit auch zu einem Test der geldpolitischen Unabhängigkeit. Schon die April-Sitzung zeigte interne Spannungen: Eine Mehrheit hielt die Zinsen stabil, doch es gab abweichende Stimmen zur geldpolitischen Ausrichtung. Unklar blieb zunächst, ob Warsh die bisherige Kommunikationslinie beibehält oder den Ton stärker auf Inflationsrisiken ausrichtet.
Der Zinsbeschluss dürfte nur der erste Teil des Fed-Zinsentscheids sein. Entscheidend werden die neuen Projektionen zu Inflation, Wachstum, Arbeitslosigkeit und Leitzins. Wenn der Dot Plot keine Zinssenkung mehr für 2026 signalisiert, wäre das eine klare Verschiebung gegenüber März. Bleibt dagegen eine Senkung im Median erhalten, müssten Fed und Märkte erklären, wie das zu hoher Inflation und robusten Jobdaten passt. Die Pressekonferenz um 20:30 Uhr deutscher Zeit dürfte deshalb vor allem eine Frage beantworten: Hält die Fed an einer späteren Lockerung fest oder bereitet sie die Märkte auf eine längere Hochzinsphase vor?
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