
Kardinal Marx hat die Segnung homosexueller Paare im Erzbistum München und Freising per Handreichung angeordnet – und damit einen Kirchenstreit ausgelöst. Papst Leo XIV. reagierte wenige Tage später und machte deutlich, dass der Vatikan eine formalisierte Segnung nicht billige. Die katholische Kirche in Deutschland ist damit gespalten: Mehrere Bistümer unterstützen die Anweisung, andere lehnen sie ab.
Am 21. April 2026 veröffentlichte Kardinal Reinhard Marx eine Handreichung mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft“ für das Erzbistum München und Freising. Darin wird die Segnung homosexueller Paare zur Grundlage des pastoralen Handelns erklärt. Marx wies ausdrücklich darauf hin, dass kein Paar abgewiesen werden solle – auch Geschiedene, die standesamtlich neu heiraten wollen, haben demnach Anspruch auf eine kirchliche Segnung. Seelsorger, die den Segensfeiern nicht vorstehen wollen, sollen die Paare an den Dekan oder andere Geistliche verweisen. Ab Juni 2026 sollen zudem verpflichtende Fortbildungen für hauptamtliche Seelsorger angeboten werden, um die Durchführung entsprechender Segnungen sicherzustellen. Marx ist damit der erste katholische Kardinal in Deutschland, der eine solche Anordnung verbindlich einführt.
Papst Leo XIV. reagierte am 23. April 2026 auf dem Rückflug aus Äquatorialguinea auf die Entwicklung in Deutschland. Der Heilige Stuhl sei mit der formalisierten Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nicht einverstanden, erklärte er gegenüber Journalisten. Der Vatikan habe bereits vorab mit den deutschen Bischöfen gesprochen und seine Haltung klargemacht. Gleichzeitig distanzierte sich Leo XIV. von einem Kurs, der die Sexualethik in den Vordergrund stellt: Er wolle sich laut Berichten stärker auf Fragen der Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit konzentrieren. Zudem betonte er, alle Menschen seien in der Kirche willkommen – die formalisierte Segnung als quasi-zeremonielle Entsprechung zur Ehe gehe jedoch über den von Papst Franziskus 2023 im Dokument Fiducia Supplicans gesteckten Rahmen hinaus. Franziskus hatte damals informelle Segnungen für Paare in irregulären Situationen erlaubt, aber keine Zeremonien, die sakramentale Ehen imitieren.
Die Anweisung von Kardinal Marx trifft in Deutschland auf ein geteiltes Echo. Neben dem Erzbistum München und Freising haben auch die Bistümer Limburg, Osnabrück, Rottenburg-Stuttgart und Trier entsprechende Empfehlungen herausgegeben. Auf der anderen Seite lehnten das Erzbistum Köln sowie die Bistümer Augsburg, Eichstätt, Passau und Regensburg die Anweisung ab. Die Debatte zeigt damit eine tiefe Linie innerhalb der deutschen Katholiken – zwischen einer Reform orientierten Seelsorge, die gleichgeschlechtliche Paare ausdrücklich einschließen will, und einer konservativeren Haltung, die den theologischen Vorgaben des Vatikans strikt folgt.
Die Entwicklung in Deutschland steht im Zusammenhang mit dem Synodalen Weg, dem innerkirchlichen Reformprozess, der seit 2019 läuft und unter anderem eine stärkere Öffnung für LGBTQ-Gläubige anstrebt. Der Vatikan hat einzelne Beschlüsse dieses Prozesses wiederholt kritisiert und auf die Grenzen nationaler Alleingänge hingewiesen. Die aktuelle Konfrontation zwischen Kardinal Marx und Papst Leo XIV. zeigt, dass diese Spannung fortbesteht – und dass die Frage, wie weit die lokale Kirche in Deutschland vom Kurs Roms abweichen darf, weiterhin ungelöst ist. Der neue Papst setzt dabei auf Dialog, macht aber auch deutlich, wo für ihn eine klare Grenze verläuft.
Quellen: Catholic News Agency, domradio.de, evangelisch.de, America Magazine, OSV News, kirche-und-leben.de
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