Klimakurs der Börsenkonzerne verliert an Tempo

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Nur 26 von 71 untersuchten deutschen Börsenunternehmen bewegen sich nach einer neuen Analyse derzeit auf einem Klimapfad, den die Autoren als mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens vereinbar einstufen. Zu diesem Ergebnis kommt der whatif Report 2026 des Frankfurter Climate-Tech-Unternehmens right°. Die Untersuchung umfasst Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX und bewertet anhand veröffentlichter Unternehmensdaten, wie schnell sie ihre Treibhausgasemissionen im Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung reduzieren. Der Klimakurs deutscher Börsenkonzerne hat sich der Auswertung zufolge gegenüber dem Vorjahr insgesamt leicht verschlechtert.

26 von 71 Unternehmen gelten als auf Kurs

Für das Berichtsjahr 2025 stuft right° 26 der 71 einbezogenen Unternehmen als on track ein. Maßstab ist dabei ein berechneter Erwärmungspfad von höchstens 1,7 Grad Celsius. Im Vorjahr waren es noch 28 Unternehmen. Nach Angaben von right° verbesserten 19 Unternehmen ihren Klimakurs gegenüber dem vorherigen Vergleichswert, während sich 25 verschlechterten. Für 26 Unternehmen blieb die Einstufung unverändert.

Die Zahlen zu Verbesserungen, Verschlechterungen und unveränderten Ergebnissen summieren sich auf 70 Unternehmen. Aus den öffentlich zugänglichen Angaben ging zunächst nicht eindeutig hervor, weshalb für eines der insgesamt 71 untersuchten Unternehmen keine entsprechende Veränderung ausgewiesen wurde.

Die Grenze von 1,7 Grad ist dabei keine wörtliche Zielmarke des Pariser Klimaabkommens. Das Abkommen sieht vor, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten und Anstrengungen für eine Begrenzung auf 1,5 Grad zu unternehmen. Right° verwendet die 1,7-Grad-Grenze innerhalb seiner Modellierung als Maßstab für einen Paris-kompatiblen Kurs.

XDC-Modell übersetzt Unternehmensdaten in Grad Celsius

Grundlage der Untersuchung ist das von right° entwickelte X-Degree-Compatibility-Modell, kurz XDC. Es soll die Klimawirkung eines Unternehmens in eine Temperaturzahl übersetzen. Vereinfacht wird modelliert, auf welche globale Erwärmung die Welt bis zum Jahr 2100 zusteuern würde, wenn die Weltwirtschaft ihre Emissionen im Verhältnis zur wirtschaftlichen Wertschöpfung so entwickeln würde wie das jeweils betrachtete Unternehmen.

Damit unterscheidet sich die Untersuchung von einer einfachen Rangliste nach absoluten CO2-Emissionen. Ein emissionsintensives Industrieunternehmen und ein Dienstleistungsunternehmen werden nicht allein danach verglichen, wie viele Tonnen Treibhausgase sie ausstoßen. Entscheidend ist vielmehr, wie sich Emissionen und wirtschaftliche Leistung entwickeln und wie schnell ein Unternehmen seine Emissionsintensität reduziert.

Right° stützt sich nach eigenen Angaben auf tatsächlich berichtete Unternehmensdaten. Berücksichtigt werden dabei Treibhausgasinformationen aus den von den Unternehmen veröffentlichten Berichten. Dazu können direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen in Scope 1, indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie in Scope 2 sowie Emissionen entlang der Wertschöpfungskette in Scope 3 gehören.

Untersuchung erstmals auf MDAX und SDAX ausgeweitet

Der whatif Report wird seit 2024 veröffentlicht. In der Ausgabe 2026 wurde der Blick erstmals über die Unternehmen des DAX 40 hinaus auf MDAX und SDAX erweitert. Diese drei Auswahlindizes umfassen zusammen 160 Unternehmen. Tatsächlich in die aktuelle XDC-Auswertung eingeflossen sind 71 Gesellschaften.

Die öffentlich zugängliche Darstellung des Reports enthält keine vollständige Begründung dafür, weshalb nicht für alle 160 Indexmitglieder ein vergleichbarer Wert ausgewiesen wurde. Entsprechend sollte die Untersuchung nicht als vollständige Klimabilanz sämtlicher Unternehmen in DAX, MDAX und SDAX verstanden werden.

Neben dem tatsächlichen Entwicklungspfad betrachtet right° auch die Klimaziele der Unternehmen. Nach Angaben des Anbieters stimmen bei zehn der 71 untersuchten Gesellschaften die selbst formulierten Ambitionen und die bislang gemessene Entwicklung so überein, dass beide als Paris-kompatibel eingestuft werden.

Ergebnisse unterscheiden sich stark zwischen Unternehmen

Die Spannweite innerhalb der Untersuchung ist erheblich. Für einzelne Unternehmen ergibt das Modell Werte deutlich unter zwei Grad, während andere Gesellschaften rechnerisch auf wesentlich höhere Erwärmungspfade kommen.

GEA verweist auf einen vom Report ermittelten bisherigen Klimakurs von 0,8 Grad. Das Unternehmen gibt an, seine Scope-1- und Scope-2-Emissionen bis Ende 2025 gegenüber 2019 um 62 Prozent reduziert zu haben. Bei den Scope-3-Emissionen nennt GEA für denselben Zeitraum einen Rückgang um 38 Prozent.

Auch andere Konzerne wie Adidas, E.ON, BMW und Qiagen werden in aktuellen Auswertungen des Reports als Unternehmen genannt, deren Entwicklung innerhalb der von right° verwendeten Paris-Grenze liegt. Solche Einstufungen sind Ergebnisse des XDC-Modells und keine behördlichen oder gesetzlich verbindlichen Klimabewertungen der jeweiligen Unternehmen.

Am anderen Ende der Skala weist die Untersuchung für einige emissionsintensive oder chemiebezogene Geschäftsmodelle deutlich höhere Temperaturwerte aus. Solche Ergebnisse bedeuten nicht, dass ein einzelnes Unternehmen eine bestimmte globale Erwärmung verursachen würde. Sie beschreiben ein hypothetisches Szenario, in dem die gesamte Weltwirtschaft dieselbe Emissionsentwicklung im Verhältnis zur Wertschöpfung aufweisen würde.

Klimadaten bleiben für Regulierung und Kapitalmarkt relevant

Für Unternehmen gewinnen belastbare Klimadaten auch unabhängig von freiwilligen Vergleichsstudien an Bedeutung. Die EU hat die Corporate Sustainability Reporting Directive inzwischen deutlich eingeschränkt. Nach der 2026 verabschiedeten Reform sollen die zentralen Berichtspflichten künftig grundsätzlich Unternehmen betreffen, die mehr als 1.000 Beschäftigte haben und zugleich einen Nettoumsatz von mehr als 450 Millionen Euro erreichen.

Gleichzeitig hat die EU-Kommission im Juli 2026 vereinfachte europäische Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung beschlossen. Die Zahl verpflichtender Datenpunkte soll damit deutlich sinken. Für Unternehmen im Anwendungsbereich bleibt jedoch die Aufgabe bestehen, wesentliche Klimaauswirkungen, Risiken und Informationen aus der Wertschöpfungskette nachvollziehbar darzustellen.

Zusätzlichen Druck erzeugen Regeln für Umweltwerbung. Ab dem 27. September 2026 gelten unionsweit strengere Vorgaben für Aussagen über künftige Umweltleistungen. Unternehmen müssen entsprechende Aussagen unter anderem auf überprüfbare Verpflichtungen und einen nachvollziehbaren Umsetzungsplan stützen, wenn sie diese gegenüber Verbrauchern verwenden.

Auch am Kapitalmarkt können vergleichbare Klimadaten eine Rolle spielen. Investoren, Kreditgeber und Analysten nutzen Nachhaltigkeitsinformationen unter anderem zur Bewertung von Transformationsrisiken, Investitionsbedarf und regulatorischen Belastungen. Der whatif Report 2026 liefert dafür eine zusätzliche, modellbasierte Kennzahl. Er ersetzt jedoch weder die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen noch eine eigenständige Bewertung ihrer wirtschaftlichen Perspektiven.

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