
Die weltweite Nachfrage nach Kohle steuert 2026 auf einen neuen Höchststand zu. Nach der aktuellen Prognose der Internationalen Energieagentur soll der Verbrauch in diesem Jahr um 1,2 Prozent auf 8,94 Milliarden Tonnen steigen. Noch Ende 2025 hatte die IEA mit einem leichten Rückgang gerechnet. Höhere Erdgaspreise, eine wachsende Stromnachfrage und wetterbedingte Belastungen der Energiesysteme haben den Ausblick inzwischen deutlich verändert.
Bereits 2025 hatte der weltweite Kohleverbrauch mit 8,84 Milliarden Tonnen einen Rekord erreicht. Das entsprach einem Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit zeichnet sich ab, dass der weltweite Kohleverbrauch 2026 noch einmal zulegen könnte, obwohl erneuerbare Energien in vielen Ländern stark ausgebaut werden und die Kohleverstromung in mehreren großen Volkswirtschaften langfristig zurückgeht.
Ein wesentlicher Grund für die neue Prognose sind die Verwerfungen an den internationalen Energiemärkten. Die Krise im Nahen Osten hat nach Einschätzung der IEA vor allem den Markt für Flüssigerdgas belastet. Kohletransporte durch die Straße von Hormus spielen zwar kaum eine Rolle, Einschränkungen beim LNG-Handel haben aber Erdgas verteuert.
In Ländern, die sowohl Gas- als auch Kohlekraftwerke betreiben, kann dadurch die Stromerzeugung aus Kohle wirtschaftlich attraktiver werden. Rund zwei Drittel des weltweiten Kohleverbrauchs entfallen auf die Stromerzeugung.
Auch hohe Ölpreise wirken sich aus, allerdings auf andere Weise. In China begünstigen sie nach Einschätzung der IEA unter anderem die Herstellung chemischer Produkte auf Kohlebasis. Kohle kann dort als heimischer Rohstoff einen Teil der Abhängigkeit von importiertem Öl reduzieren.
Die Auswirkungen zeigen sich auch am Weltmarkt. Der Preis für australische Kraftwerkskohle mit einem Heizwert von 6.000 Kilokalorien je Kilogramm lag nach IEA-Angaben Ende August 2026 bei rund 136 US-Dollar je Tonne. Im August lag der Monatsdurchschnitt bei rund 131 Dollar. Während der Energiekrise 2022 waren zeitweise mehr als 400 Dollar je Tonne erreicht worden.
China bleibt das Zentrum des weltweiten Kohlemarktes. Für 2025 weist die IEA einen Verbrauch von 4,956 Milliarden Tonnen aus. Für 2026 prognostiziert sie einen Anstieg um etwa ein Prozent auf rund fünf Milliarden Tonnen.
Dabei entwickelt sich der chinesische Markt nicht einheitlich. Die Stromerzeugung aus Kohle war 2025 erstmals seit Jahren gesunken, weil der Ausbau von Wind- und Solarenergie einen großen Teil des zusätzlichen Strombedarfs deckte. Gleichzeitig bleiben Kohlekraftwerke für die Versorgungssicherheit von Bedeutung.
Hinzu kommen steigende Stromverbräuche. Industrie, Klimaanlagen, Elektrofahrzeuge und Rechenzentren erhöhen den Bedarf. Die IEA geht davon aus, dass die weltweite Stromnachfrage 2026 um 3,6 Prozent wachsen wird.
Rechenzentren sind dabei ein zunehmend wichtiger Faktor, aber nicht der dominierende Treiber des globalen Stromverbrauchs. Ihr Strombedarf erhöhte sich 2025 nach IEA-Angaben um rund 17 Prozent beziehungsweise etwa 70 Terawattstunden. Insgesamt stieg die weltweite Stromnachfrage im selben Jahr um rund 800 Terawattstunden.
Für die kommenden Jahre erwartet die Agentur eine weitere kräftige Expansion. In einer aktuellen Modellrechnung steigt der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren von rund 485 Terawattstunden im Jahr 2025 auf etwa 950 Terawattstunden im Jahr 2030. In China wird ein erheblicher Teil dieser zusätzlichen Nachfrage zunächst weiterhin durch Kohlekraft gedeckt.
Besonders stark wächst der Kohleverbrauch in Indien. Nach einem Rückgang um rund ein Prozent auf 1,299 Milliarden Tonnen im Jahr 2025 erwartet die IEA für 2026 wieder einen deutlichen Anstieg.
Die Prognose liegt bei 1,353 Milliarden Tonnen. Das wären 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Gründe sind vor allem der steigende Stromverbrauch sowie eine wachsende Produktion von Stahl, Zement und anderen energieintensiven Gütern.
Auch Südostasien gehört zu den Regionen mit langfristig steigender Nachfrage. Länder wie Vietnam, Indonesien und die Philippinen benötigen mehr Strom und verfügen teilweise über große bestehende Kohlekraftwerksflotten. Für Vietnam rechnet die IEA 2026 beispielsweise mit höheren Kohleimporten, weil der Strombedarf stärker wächst als die heimische Förderung.
Anders sieht es in klassischen Industrieländern wie Japan oder Teilen Europas aus. Dort bleibt der längerfristige Trend rückläufig, auch wenn hohe Gaspreise die Abkehr von Kohle kurzfristig verlangsamen können.
In der Europäischen Union entwickelt sich der Kohlemarkt damit entgegen dem weltweiten Trend. Die IEA erwartet für 2026 einen Kohleverbrauch von rund 276 Millionen Tonnen. Der strukturelle Rückgang soll weitergehen, fällt wegen der gestiegenen Gaspreise aber voraussichtlich schwächer aus als zunächst angenommen.
Eurostat hatte für 2025 historische Tiefstände gemeldet. In der EU wurden demnach etwa 107 Millionen Tonnen Steinkohle und 184 Millionen Tonnen Braunkohle verbraucht.
Auch bei der Stromerzeugung verliert Kohle an Bedeutung. Stein- und Braunkohle kamen 2025 zusammen nur noch auf 9,2 Prozent der gesamten Bruttostromerzeugung in der Europäischen Union. 1990 hatte der Anteil noch bei mehr als einem Drittel gelegen.
Erneuerbare Energien, steigende Kernkraftproduktion in einigen Ländern und nationale Kohleausstiegspläne drücken den Verbrauch. Für einzelne Staaten wie Deutschland und Polen hat die IEA ihre Prognose dennoch nach oben korrigiert, weil teures Erdgas vorhandene Kohlekraftwerke vorübergehend wettbewerbsfähiger machen kann.
Auch in Deutschland spricht die bisherige Entwicklung 2026 nicht für eine generelle Rückkehr der Kohle.
Im ersten Quartal wurden nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes 30,5 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Kohle erzeugt. Das waren 5,1 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Der Anteil von Kohle an der inländischen Stromerzeugung sank von 26,9 auf 24,1 Prozent.
Gleichzeitig stieg die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im ersten Quartal um 13,9 Prozent auf 67,5 Milliarden Kilowattstunden. Ihr Anteil erreichte 53,3 Prozent.
Deutschland hält zugleich am gesetzlichen Ausstieg aus der Kohleverstromung spätestens im Jahr 2038 fest. Anfang September teilte die Bundesnetzagentur mit, dass für das Zieljahr 2029 kein zusätzliches Kohleverfeuerungsverbot angeordnet werden müsse. Bereits geplante Stilllegungen reichen demnach aus, um das gesetzlich vorgesehene Kapazitätsniveau zu unterschreiten.
Der neue globale Rekord verdeckt damit zwei unterschiedliche Entwicklungen. Einerseits wächst die Kohlenachfrage in Schwellenländern und wird 2026 zusätzlich von hohen Gaspreisen, hoher Stromnachfrage und Wettereffekten gestützt. Andererseits verliert Kohle in Europa und langfristig auch in Teilen des globalen Stromsektors Marktanteile.
Die IEA erwartet, dass erneuerbare Energien die Kohleverstromung weltweit bereits 2026 überholen. Bis 2030 soll der Anteil der Kohle an der globalen Stromproduktion nach ihrer Prognose von 34 Prozent im Jahr 2025 auf etwa 27 Prozent sinken.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch einen ebenso schnellen Rückgang des gesamten Kohleverbrauchs. Neben Kraftwerken benötigen insbesondere Stahlwerke, Zementfabriken und die chemische Industrie große Mengen.
Damit bleibt die Entwicklung im Spannungsverhältnis zu den internationalen Klimazielen. Bei der Weltklimakonferenz COP28 hatten sich die Staaten unter anderem darauf verständigt, die Bemühungen zum Zurückfahren der Kohleverstromung ohne CO2-Abscheidung zu beschleunigen und den Übergang weg von fossilen Energieträgern voranzutreiben.
Für 2027 erwartet die IEA in ihrem Basisszenario wieder einen leichten Rückgang der weltweiten Kohlenachfrage um 0,4 Prozent auf rund 8,91 Milliarden Tonnen. Diese Zahl ist ausdrücklich eine Prognose. Entscheidend wird nach Einschätzung der Agentur unter anderem sein, wie schnell sich die Versorgung mit Flüssigerdgas stabilisiert. Bleiben Gaslieferungen eingeschränkt und Gaspreise hoch, könnte die Kohlenachfrage erneut stärker ausfallen.
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