Drohnenangriff überschattet letzten Tag der russischen Parlamentswahl

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Am letzten Tag der russischen Parlamentswahl sind Moskau und das umliegende Gebiet von einem außergewöhnlich großen Drohnenangriff getroffen worden. Auf dem Gelände der Moskauer Ölraffinerie entstand nach Angaben der Stadtverwaltung ein Schaden. Im Moskauer Gebiet kamen nach Angaben der regionalen Behörden zwei Menschen ums Leben. Russland machte die Ukraine für die Angriffe verantwortlich. Eine Stellungnahme aus Kiew lag zunächst nicht vor.

Der Angriff fiel damit unmittelbar mit dem dritten und letzten Tag der Wahl zur Staatsduma zusammen. Seit Freitag stimmen die russischen Wähler über die 450 Sitze im Unterhaus des Parlaments ab. Die Abstimmung ist die erste Dumawahl seit Beginn der großangelegten russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022.

Raffineriegelände in Moskau beschädigt

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin bestätigte am Sonntagmorgen, dass ein Objekt auf dem Gelände der Moskauer Ölraffinerie beschädigt worden sei. Verletzte habe es dort nach seinen Angaben nicht gegeben. Einsatzkräfte seien vor Ort. Das genaue Ausmaß der Schäden war zunächst nicht bekannt.

In Moskau waren Explosionen zu hören und über dem Raffineriegelände stiegen Rauchsäulen auf. Mehrere Drohnen hätten nach Angaben Sobjanins das Areal erreicht. Die Raffinerie liegt im Südosten der russischen Hauptstadt im Stadtteil Kapotnja und wird von Gazprom Neft betrieben.

Sobjanin erklärte außerdem, seit Samstag seien nach russischen Angaben mehr als 1.600 Drohnen an verschiedenen Frontabschnitten abgeschossen worden. 450 davon seien auf Moskau zugeflogen. Diese außergewöhnlich hohen Zahlen ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen. Bereits in den frühen Morgenstunden hatte Sobjanin in mehreren Mitteilungen steigende Zahlen abgefangener Drohnen gemeldet. Zunächst war von 151 abgeschossenen Fluggeräten im Anflug auf die Hauptstadt die Rede.

Sobjanin erklärte, der Angriff habe die Wahl stören sollen. Belege für diese Einschätzung legte er zunächst nicht vor. Bereits zuvor hatten russische Behörden der Ukraine vorgeworfen, mit Cyberangriffen auf Wahlsysteme und mit militärischen Angriffen Einfluss auf die Abstimmung nehmen zu wollen.

Zwei Tote und Evakuierungen im Moskauer Gebiet

Außerhalb der Stadt Moskau waren die Folgen schwerer. Nach Angaben des Gouverneurs des Moskauer Gebiets, Andrei Worobjow, kamen zwei Menschen ums Leben. In Ramenskoje mussten rund 400 Bewohner eines 21 Stockwerke hohen Wohnhauses vorübergehend in Sicherheit gebracht werden, darunter etwa 70 Kinder. Mehrere Wohnhäuser wurden beschädigt.

In der russischen Hauptstadt selbst wurden zunächst keine Todesopfer gemeldet. Sobjanin erklärte, eine Drohne habe ein Wohngebäude getroffen, ohne dass Bewohner ums Leben gekommen seien. Zu weiteren Verletzten oder zum vollständigen Umfang der Sachschäden lagen am Sonntagvormittag keine abschließenden Angaben vor.

Die Ukraine äußerte sich zunächst nicht zu dem Angriff. Damit war auch eine ukrainische Bestätigung der Urheberschaft zunächst nicht vorhanden. In den vergangenen Monaten hatte die ukrainische Führung Angriffe auf mehrere russische Raffinerien und andere Energieanlagen allerdings wiederholt bestätigt und diese als Teil ihrer militärischen Strategie gegen die russische Kriegswirtschaft bezeichnet.

Moskauer Raffinerie war bereits schwer beschädigt

Die Moskauer Raffinerie ist kein neues Ziel. Bereits im Juni war die Anlage mehrfach von Drohnen getroffen worden. Zwei mit dem Betrieb vertraute Industriequellen hatten damals berichtet, dass beide wesentlichen Verarbeitungseinheiten beschädigt worden seien und die Produktion gestoppt werden musste. Die Reparaturen sollten nach damaliger Einschätzung mindestens sechs Monate dauern.

Ob und in welchem Umfang inzwischen Teile der Anlage wieder in Betrieb gegangen waren, war am Sonntag zunächst nicht gesichert. Deshalb ließ sich auch nicht beziffern, welchen zusätzlichen Einfluss der neue Treffer auf die russische Kraftstoffversorgung haben könnte.

Die Raffinerie verarbeitete nach den zuletzt verfügbaren Angaben im Jahr 2024 rund 11,6 Millionen Tonnen Rohöl. Daraus entstanden unter anderem 2,9 Millionen Tonnen Benzin und 3,2 Millionen Tonnen Diesel. Sie zählt zu den bedeutenden Kraftstofflieferanten für die Hauptstadtregion.

Russlands Raffineriesektor steht seit Monaten unter Druck. Wiederholte Drohnenangriffe haben mehrere Anlagen zeitweise vollständig oder teilweise außer Betrieb gesetzt. Mitte September waren mehrere große russische Dieselraffinerien von Produktionskürzungen oder Stillständen betroffen. Die Regierung reagierte unter anderem mit Einschränkungen bei Kraftstoffexporten.

Russland stimmt über 450 Duma Sitze ab

Die Parlamentswahl läuft seit Freitag und endet am Sonntag. Die russische Zentrale Wahlkommission hatte die Abstimmung offiziell auf den Zeitraum vom 18. bis 20. September gelegt. Gewählt werden 450 Abgeordnete für die Staatsduma. 225 Mandate werden über Direktwahlkreise vergeben, weitere 225 über Parteilisten.

Die politische Konkurrenz ist gegenüber früheren Wahlen weiter eingeschränkt. Zahlreiche Kandidaten, die sich gegen den Krieg aussprachen, gelangten nicht auf die Stimmzettel. Die liberale Partei Jabloko konnte nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts nicht mit ihrer Parteiliste antreten. Die Partei bestritt die gegen sie erhobenen Verstöße gegen Wahlregeln. Einzelne Jabloko Kandidaten kandidierten weiterhin in Direktwahlkreisen.

Auch eine unabhängige Wahlbeobachtung durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa findet nicht statt. Russland lud die OSZE und ihr Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte nicht zur Beobachtung der Dumawahl ein. Die Organisation erklärte bereits im August, dies widerspreche den von Russland eingegangenen OSZE Verpflichtungen.

Abstimmung auch in besetzten Gebieten der Ukraine

Russland führt die Wahl auch in Gebieten der Ukraine durch, die es kontrolliert und für annektiert erklärt hat. Die russische Wahlkommission hatte ausdrücklich Abstimmungen in Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson vorgesehen. Auch auf der seit 2014 von Russland annektierten Krim wird gewählt.

Die Vereinten Nationen erkennen die russischen Gebietsansprüche nicht an und betrachten die betreffenden Regionen weiterhin als Teil der Ukraine innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen. Die Ukraine weist die russischen Abstimmungen in diesen Gebieten als rechtswidrig zurück.

Erste Ergebnisse der russischen Parlamentswahl sollen nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend veröffentlicht werden. Die vollständige Auszählung dürfte sich bis Montag hinziehen. Der Drohnenangriff auf Moskau hat damit den letzten Wahltag von einem militärischen Ereignis begleitet, dessen vollständige Folgen für die Hauptstadtregion und die bereits stark beschädigte Raffinerie zunächst noch nicht feststanden.

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