
Der Kryptomarkt nach Fed-Zinserhöhung zeigt am Donnerstag ein geteiltes Bild. Bitcoin stabilisierte sich nach dem ersten Zinsschritt nach oben seit 2023 oberhalb von 76.000 Dollar. XRP erholte sich zwar leicht auf rund 1,30 Dollar, liegt aber weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der gescheiterten Abstimmung über den CLARITY Act im US-Senat. Gleichzeitig fließt weiterhin Kapital in amerikanische XRP-Spot-ETFs.
Bitcoin wurde am Donnerstagvormittag gegen 10.13 Uhr UTC bei rund 76.442 Dollar gehandelt. Damit lag die größte Kryptowährung etwa ein Prozent höher als 24 Stunden zuvor. Barron’s meldete im Handelsverlauf einen Kurs von 76.474 Dollar. Bereits unmittelbar nach der Fed-Entscheidung hatte Bitcoin vergleichsweise wenig reagiert.
Noch am Dienstag war Bitcoin nach dem Rückschlag für das US-Kryptogesetz deutlich gefallen. Reuters bezifferte den Kurs nach der Senatsabstimmung zeitweise auf 75.908 Dollar. Zuvor hatte die Kryptowährung oberhalb von 78.000 Dollar notiert.
Die vergleichsweise ruhige Reaktion auf den Zinsschritt deutet nicht darauf hin, dass höhere Zinsen für Kryptowährungen bedeutungslos geworden sind. Steigende US-Zinsen können verzinsliche Anlagen attraktiver machen und den Dollar stärken, was grundsätzlich Gegenwind für risikoreichere Vermögenswerte erzeugen kann. Marktbeobachter verwiesen allerdings darauf, dass die Zinserhöhung bereits weitgehend erwartet worden war.
Die US-Notenbank erhöhte ihre Zielspanne für den Federal Funds Rate am Mittwoch einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Zur Begründung verwies das Federal Open Market Committee auf weiterhin erhöhte Inflation. Die Entscheidung soll nach Angaben der Notenbank dazu beitragen, die Inflation schneller zum Zwei-Prozent-Ziel zurückzuführen.
Es war die erste Zinserhöhung der Fed seit Juli 2023. Zugleich zeigen die neuen Projektionen der Notenbank, dass weitere Straffungen nicht ausgeschlossen sind. Reuters berichtete, dass 16 von 18 Notenbankern mindestens einen weiteren Zinsschritt bis zum Jahresende erwarten.
An den klassischen Finanzmärkten stärkte die Entscheidung zunächst den Dollar und ließ kurzfristige US-Anleiherenditen steigen. Am Donnerstag stabilisierten sich die internationalen Aktienmärkte wieder teilweise.
XRP wurde am Donnerstag zeitweise bei rund 1,30 Dollar gehandelt. Investing.com wies einen Echtzeitkurs von etwa 1,305 Dollar aus. Am Dienstag war der Token dagegen um knapp zehn Prozent eingebrochen und von rund 1,42 Dollar auf etwa 1,28 Dollar gefallen.
Der starke Rückgang fiel zeitlich mit der Abstimmung über den CLARITY Act im US-Senat zusammen. CoinDesk meldete unmittelbar danach einen XRP-Verlust von annähernd zehn Prozent auf rund 1,30 Dollar. Auch Bitcoin, Ether und weitere große Kryptowährungen gaben nach.
Eine eindeutige Zuordnung einzelner Kursbewegungen zu nur einem politischen Ereignis ist jedoch nicht möglich. Gleichzeitig wirkten unter anderem die Erwartungen an die Fed, der stärkere Dollar und steigende US-Renditen auf die internationalen Finanzmärkte.
Der Senat stimmte am Dienstag mit 49 zu 50 Stimmen gegen die sogenannte Cloture Motion zum H.R. 3633. Für das Beenden der Verfahrensdebatte und den Übergang zur weiteren Beratung wären drei Fünftel der Stimmen und damit 60 Stimmen erforderlich gewesen. Es handelte sich damit nicht um die endgültige Abstimmung über das Gesetz selbst.
Der CLARITY Act soll einen umfassenderen regulatorischen Rahmen für digitale Vermögenswerte schaffen und unter anderem die Zuständigkeiten der US-Börsenaufsicht SEC und der Rohstoffaufsicht CFTC klarer abgrenzen. Die Abstimmung stoppte das Vorhaben zunächst im Senat. Eine Motion zur erneuten Behandlung des Abstimmungsergebnisses wurde anschließend eingebracht, sodass das Gesetz formal nicht endgültig erledigt ist.
Zu den Streitpunkten gehörten unter anderem Regeln zu Interessenkonflikten politischer Amtsträger, Fragen zur Durchsetzung sowie Anforderungen zur Bekämpfung von Geldwäsche. Befürworter des Gesetzes verweisen auf mehr regulatorische Klarheit für den Kryptomarkt, während Gegner einzelner Fassungen strengere Schutz- und Ethikregeln forderten.
Parallel zur schwächeren XRP-Kursentwicklung fließt weiterhin Kapital in börsengehandelte XRP-Produkte. Für den 16. September wurden beim XRPZ-ETF von Franklin Templeton Nettozuflüsse von rund 3,5 Millionen Dollar ausgewiesen. Die kumulierten Nettozuflüsse der US-amerikanischen XRP-Spot-ETFs lagen nach Daten von SoSoValue bei rund 1,72 Milliarden Dollar. Das verwaltete Vermögen belief sich auf knapp 1,4 Milliarden Dollar.
Ein neuer Rekord-Tageszufluss aller XRP-Spot-ETFs für den 16. September ist damit nicht belegt. Bereits Ende August und Anfang September hatten die Fonds eine längere Zuflussserie verzeichnet. Anfang September summierten sich elf aufeinanderfolgende Handelstage mit positiven Nettozuflüssen auf rund 170 Millionen Dollar.
ETF-Zuflüsse und der kurzfristige XRP-Kurs müssen sich dabei nicht parallel entwickeln. ETF-Daten erfassen Kapitalbewegungen in den jeweiligen Fonds, während der XRP-Preis gleichzeitig von Handel an Kryptobörsen, Derivaten, regulatorischen Nachrichten und der allgemeinen Risikobereitschaft an den Finanzmärkten beeinflusst wird.
Die Kursbewegungen seit Dienstag zeigen, dass der Kryptomarkt derzeit nicht allein auf die US-Geldpolitik reagiert. Während Bitcoin die erwartete Zinserhöhung vergleichsweise ruhig aufnahm, hatte der Rückschlag beim CLARITY Act zuvor stärkere Bewegungen ausgelöst. Auch Aktien aus dem Kryptosektor gerieten nach der Abstimmung deutlich unter Druck. Coinbase und Circle verloren nach Reuters-Angaben zeitweise jeweils rund neun Prozent.
Für die weitere Entwicklung bleiben damit zwei voneinander unabhängige Faktoren relevant: die Aussicht auf möglicherweise weitere US-Zinserhöhungen und der politische Fortgang der Kryptoregulierung in Washington. Aus den aktuellen Kursbewegungen lässt sich keine verlässliche Prognose für Bitcoin, XRP oder andere Kryptowährungen ableiten.
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