
Der Werkzeugmaschinenbauer MAG IAS gibt seinen Produktionsstandort in Rottenburg am Neckar auf. Die Fertigung soll dort zum 31. März 2027 enden. Nach Angaben der Südwest Presse sind rund 85 Beschäftigte von der Schließung betroffen. Ihnen soll der Wechsel in eine Transfergesellschaft ermöglicht werden. Die Geschäftsleitung begründet das Aus mit der anhaltenden Zurückhaltung bei Investitionen und den veränderten Bedingungen in der Automobilindustrie. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der sich die Auftragslage im deutschen Werkzeugmaschinenbau zwar verbessert, Produktion und Beschäftigung aber weiterhin deutlich unter Druck stehen.
Der MAG IAS Standort Rottenburg gehört zur Geschäftseinheit CORCOM der internationalen FFG Gruppe. Dort werden Komponenten für Werkzeugmaschinen und andere industrielle Anwendungen entwickelt und gefertigt. Zum Sortiment zählen unter anderem Spindeln, Rundtische, Werkzeugmagazine und weitere Baugruppen. Die FFG nennt auf ihrer Unternehmensseite bislang Rottenburg und das ungarische Kecskemét als Standorte dieser Sparte.
Für Rottenburg ist die Entscheidung nun gefallen. Die Fertigung soll mit Ablauf des 31. März 2027 eingestellt werden. Nach Angaben der Südwest Presse sollen anschließend lediglich drei Beschäftigte aus der Konstruktion in Rottenburg verbleiben. Rund 85 Beschäftigte seien von der Stilllegung betroffen. Eine separate aktuelle Beschäftigtenzahl für das Werk hat MAG IAS auf seinen öffentlich zugänglichen Unternehmensseiten bislang nicht veröffentlicht.
Für den Großteil der Beschäftigten ist dem Bericht zufolge der Eintritt in die Transfergesellschaft MYPEGASUS vorgesehen. Wer dieses Angebot nicht annimmt, muss nach den bislang veröffentlichten Angaben mit einer betriebsbedingten Kündigung rechnen. Als Datum wird dabei der 30. September 2026 genannt. Einzelheiten zu möglichen Abfindungen, zusätzlichen Zahlungen oder individuellen Laufzeiten wurden in den öffentlich verfügbaren Angaben zunächst nicht genannt.
MAG IAS begründet die Schließung nach Angaben der Südwest Presse mit einer anhaltenden Investitionszurückhaltung und veränderten Rahmenbedingungen in der Automobilindustrie. Das ist für das Unternehmen von besonderer Bedeutung, weil MAG und die CORCOM Sparte traditionell stark mit der industriellen Serienfertigung und dem Fahrzeugbau verbunden sind. Zugleich beliefert die Unternehmensgruppe inzwischen auch Kunden aus anderen Bereichen, darunter Luftfahrt, Maschinenbau, Schienenverkehr und Energietechnik.
Die Auseinandersetzung um Rottenburg hat eine längere Vorgeschichte. Bereits 2020 wollte MAG IAS den Standort schließen. Damals arbeiteten dort noch rund 128 Beschäftigte. Betriebsrat und IG Metall entwickelten gemeinsam mit Beratern ein Alternativkonzept. Die geplante Stilllegung wurde zunächst verhindert. 2023 berichtete das Unternehmen wieder von einer besseren Auslastung und einem Personalaufbau. Damals lag die Beschäftigtenzahl bei 109.
Im Sommer 2026 kehrten die Schließungspläne zurück. Noch im August stellten sich Betriebsrat und IG Metall gegen die geplante Aufgabe des Werks. Zu diesem Zeitpunkt war von rund 80 gefährdeten Arbeitsplätzen die Rede. Eine ausführliche aktuelle öffentliche Stellungnahme der Arbeitnehmerseite zur nun berichteten endgültigen Lösung lag zunächst nicht vor.
Der Wechsel in eine Transfergesellschaft bedeutet nicht automatisch den unmittelbaren Gang in die Arbeitslosigkeit. Solche Gesellschaften sollen Beschäftigte nach größeren Umstrukturierungen für eine begrenzte Zeit auffangen, qualifizieren und bei der Suche nach einer neuen Stelle unterstützen. Die Bundesagentur für Arbeit fördert dieses Instrument unter bestimmten Voraussetzungen mit Transferkurzarbeitergeld. Dieses kann für höchstens zwölf Monate gezahlt werden.
Nach den Regeln der Bundesagentur liegt das Transferkurzarbeitergeld grundsätzlich bei 60 Prozent des ausgefallenen pauschalierten Nettoentgelts. Bei Beschäftigten mit mindestens einem Kind sind es 67 Prozent. Unternehmen können solche Leistungen im Rahmen eines Sozialplans ergänzen. Ob und in welchem Umfang MAG IAS für die Rottenburger Beschäftigten zusätzliche Leistungen, Qualifizierungsbudgets oder Aufstockungen vereinbart hat, ging aus den bislang zugänglichen Angaben nicht hervor.
Die Schließung beschränkt sich zudem nicht auf eine isolierte Personalmaßnahme innerhalb des Unternehmens. Auch am MAG IAS Hauptstandort Eislingen läuft ein größerer Stellenabbau. Nach einem Bericht der Südwest Presse sollen dort etwa 150 Beschäftigte in eine Transfergesellschaft wechseln. Damit steht Rottenburg im Zusammenhang mit einer umfassenderen Anpassung innerhalb von MAG IAS.
Das Aus von MAG IAS Rottenburg fällt ausgerechnet in eine Phase, in der die deutschen Werkzeugmaschinenbauer erstmals seit längerer Zeit wieder deutlich mehr Bestellungen melden. Nach Angaben des Branchenverbands VDW stieg der Auftragseingang im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12 Prozent. Für das gesamte erste Halbjahr lag das Plus bei 14 Prozent. Die Bestellungen aus Deutschland stiegen um 16 Prozent, die Auslandsaufträge um 13 Prozent.
Diese Zahlen bedeuten jedoch noch keine Rückkehr zu früheren Produktionsniveaus. Der Inlandsabsatz der Werkzeugmaschinenindustrie lag im ersten Halbjahr 2026 nach VDW Angaben 10 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der deutsche Verbrauch sank um 6 Prozent. Im Juni beschäftigte die Branche noch rund 60.000 Menschen, gut 6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die reale Produktion lag laut Verband weiterhin rund ein Drittel unter den Höchstständen früherer Jahre.
Besonders unterschiedlich entwickelt sich die Nachfrage nach Abnehmerbranchen. Luftfahrt und Verteidigung sorgen derzeit für kräftige Impulse. Auch Elektronik und Medizintechnik entwickeln sich vergleichsweise positiv. Schwieriger bleibt die Lage unter anderem bei klassischen Maschinenbaukunden und in Teilen der Metallbearbeitung. Hinzu kommt die Transformation der Automobilindustrie, die gerade für Unternehmen mit einer historisch starken Ausrichtung auf Fahrzeughersteller und Zulieferer erhebliche Anpassungen verlangt.
Auch der breitere Maschinenbau hat die Krise noch nicht überwunden. Der Verband VDMA senkte seine Produktionsprognose am 17. September 2026 erneut. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband inzwischen einen realen Produktionsrückgang von 2 Prozent. Sollte die Prognose eintreffen, wäre 2026 das vierte Jahr in Folge mit rückläufiger Maschinenbauproduktion in Deutschland. In den ersten sieben Monaten des Jahres lag die Produktion real 4,1 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig gibt es auch hier erste Zeichen einer Stabilisierung. Die preisbereinigten Auftragseingänge im deutschen Maschinenbau lagen von Januar bis Juli 2026 um 5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Besonders deutlich stiegen die Bestellungen aus Ländern außerhalb der Eurozone. Für 2027 prognostiziert der VDMA derzeit ein reales Produktionsplus von 3 Prozent. Das ist eine Prognose und hängt unter anderem davon ab, ob die bessere Auftragslage tatsächlich in höhere Produktion übergeht.
Die Entwicklung bei MAG IAS zeigt damit, wie unterschiedlich die Lage innerhalb der Industrie derzeit ist. Neue Aufträge geben dem Werkzeugmaschinenbau wieder Hoffnung auf eine Erholung. Zugleich wirken die schwache Produktion der vergangenen Jahre, niedrige Auslastung und der Strukturwandel wichtiger Kundenbranchen weiter nach. Für die Beschäftigten in Rottenburg kommt diese mögliche Erholung zu spät. Der überwiegende Teil der bisherigen Belegschaft muss sich nach der Entscheidung für die Werksschließung beruflich neu orientieren.
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