
Die MCE Bank GmbH, bislang eigenständiger Finanzierungspartner für mehrere Fahrzeugimporteure in Deutschland, wird als eigenständiges Institut geschlossen. Die Muttergesellschaft Santander Consumer Bank AG übernimmt das gesamte Geschäft und integriert es in die eigene Konzernstruktur. Das bestätigte Santander Deutschland in einer offiziellen Mitteilung. Für Händler, Importeure und Endkunden soll der Übergang so reibungslos wie möglich verlaufen.
Die MCE Bank GmbH mit Sitz in Mönchengladbach war in der Automobilfinanzierung ein bedeutender Nischenplayer. Als sogenannte Captive-Bank übernahm sie die Finanzierungsfunktion für gleich mehrere Importmarken, die in Deutschland keine eigene Herstellerbank betreiben: Mitsubishi Motors, Isuzu, Great Wall Motors (GWM) sowie Subaru. Für diese Marken organisierte die MCE Bank Händlereinkaufsfinanzierung, Leasing-Angebote und Endkundenkredite – also das komplette Finanzierungsportfolio, das normalerweise Herstellerbanken wie VW Financial Services oder BMW Financial Services abwickeln.
Seit ihrer Gründung hatte sich die MCE Bank als verlässlicher Partner des mittelständischen Autohandels positioniert. Händler schätzten vor allem die direkte Betreuung und die auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Finanzierungsprodukte. Für Importeure ohne eigene Finanzierungsstruktur war die MCE Bank unverzichtbar.
Im Jahr 2022 übernahm die Santander Consumer Bank AG, Deutschlands größter unabhängiger Mobilitätsfinanzierer, die MCE Bank GmbH vollständig. Damals war das Ziel klar formuliert: Santander wollte sein Portfolio in der Fahrzeugfinanzierung ausbauen und besonders im Bereich der Importmarken stärker vertreten sein. Die MCE Bank sollte zunächst weitgehend eigenständig operieren, die Marke erhalten bleiben und das bestehende Team in Mönchengladbach weitgehend übernommen werden.
Doch nach gut drei Jahren ist die Eigenständigkeit nun Geschichte. Santander hat entschieden, das Geschäft der MCE Bank vollständig in die eigene Bankenstruktur zu überführen. Das Neugeschäft, also neue Finanzierungsverträge mit Händlern und Endkunden, wird künftig direkt über Santander Consumer Bank abgewickelt.
Santander betont, dass der Übergang so gestaltet wird, dass Händler und Kunden möglichst wenig Unterbrechungen erleben. Bestehende Finanzierungsverträge bleiben unverändert gültig. Ansprechpartner und Prozesse sollen laut Santander zunächst weitgehend erhalten bleiben. Ein spezialisiertes Vertriebsteam soll die bisherigen Servicestandards der MCE Bank fortführen.
Für die Importmarken Mitsubishi, Isuzu, GWM und Subaru bedeutet der Schritt, dass ihre Fahrzeugfinanzierung künftig unter dem Dach einer der größten Konsumentenkreditbanken Deutschlands abgewickelt wird. Das bringt größere Ressourcen, aber auch weniger individuelle Betreuung als bisher.
Die Integration der MCE Bank fällt in eine Phase, in der Santander Deutschland ohnehin unter erheblichem Restrukturierungsdruck steht. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern angekündigt, rund 500 Stellen am deutschen Hauptsitz in Mönchengladbach abzubauen. Zugleich wurden in Deutschland rund ein Drittel der Filialen geschlossen. Der Konzern setzt verstärkt auf digitale Prozesse und will sein Geschäftsmodell verschlanken.
Die Schließung der MCE Bank als eigenständiges Institut passt in dieses Bild: Doppelstrukturen werden aufgelöst, Ressourcen gebündelt, Kosten gesenkt. Kritiker befürchten allerdings, dass die auf Importmarken spezialisierte Kompetenz der MCE Bank in der großen Konzernstruktur verloren gehen könnte. Kleine Importeure hatten bei der MCE Bank direktere Ansprechpartner und schnellere Entscheidungswege als bei einem Großkonzern wie Santander.
Die Automobilfinanzierung steht generell unter Druck. Restwertprobleme bei Elektrofahrzeugen, sinkende Verkaufszahlen bei einigen Importmarken und steigende Zinsen haben die Profitabilität in der Fahrzeugfinanzierung zuletzt deutlich belastet. Santander Deutschland hatte zuletzt selbst mit einem sogenannten Restwert-Kollaps im Auto-Finanzierungsgeschäft zu kämpfen – Fahrzeuge, die zum vereinbarten Restwert zurückgenommen werden mussten, ließen sich am Markt kaum noch zu diesem Preis weiterverkaufen.
Vor diesem Hintergrund ist die Integration der MCE Bank auch ein strategischer Schritt zur Risikostreuung und Kostensenkung. Santander hofft, durch Skaleneffekte effizienter arbeiten und die Belastungen aus dem schwierigen Marktumfeld besser abfedern zu können.
Für den deutschen Automobilhandel ist die Entwicklung ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr sich die Finanzierungslandschaft verändert. Wer auf spezialisierte Partnerbanken gesetzt hat, muss sich auf veränderte Bedingungen einstellen – und hoffen, dass der Kundenservice bei Santander die Qualität der MCE Bank halten kann. Weitere Entwicklungen im Finanzsektor zeigt auch unser Bericht über den Millionen-Kredit für Galeria sowie die aktuelle Analyse zur Vonovia Aktie und dem Immobilienmarkt. Internationale Finanzierungsfragen beleuchtet zudem unser Bericht zum EU-Kredit für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro.
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