
Am 6. Mai 2026 jährt sich der Regierungsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz zum ersten Mal. Ein Jahr Schwarz-Rot: Die Koalition aus CDU/CSU und SPD startete mit großen Versprechen – und endet das erste Amtsjahr mit historisch schlechten Umfragewerten, Koalitionsstreit und einem Wirtschaftsklima, das wenig Aufbruchstimmung verbreitet. Kanzler Merz sieht dennoch keine Alternative zu seiner Koalition – und schließt sowohl Neuwahlen als auch eine Minderheitsregierung kategorisch aus.
Friedrich Merz wurde am 6. Mai 2025 zum zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er führt seitdem eine Koalition aus Union und SPD – ein Bündnis, das von Beginn an als Zweckehe galt, denn beide Parteien hatten in der Bundestagswahl deutlich an Zustimmung verloren. Das erste Jahr der Merz-Regierung war von einem zähen Ringen um Kompromisse geprägt.
Auf der Habenseite stehen einige Beschlüsse: Im Dezember 2025 verabschiedete der Bundestag eine Rentenreform, die das Rentenniveau bei 48 Prozent hält und den Nachhaltigkeitsfaktor bis 2031 aussetzt. Ebenfalls beschlossen wurde ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen, das langfristig Straßen, Schienen und Brücken modernisieren soll. Die SPD lobte zudem einen Baubeschleuniger als Erfolg. Im ZDF-Interview zum Jahrestag, das ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten führte, bescheinigte sich Merz ein kollegiales Kabinett mit genug gemeinsamen Schnittmengen.
Doch der selbst ausgerufene Herbst der Reformen im Jahr 2025 fiel ins Wasser. Steuersenkungen für kleine und mittlere Einkommen wurden zwar angekündigt, aber nicht umgesetzt. Die versprochene Senkung der Stromsteuer ließ ebenfalls auf sich warten. Und eine tiefgreifende Reform des Sozialstaats scheiterte am Widerstand der SPD, die zentrale Vorschläge der Union ablehnte.
Die politische Stimmungslage ist für die Regierungsparteien alarmierend. Laut Infratest dimap aus dem März 2026 sind lediglich 15 Prozent der Deutschen mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden – 84 Prozent bewerten die Regierungsleistung negativ. Eine YouGov-Umfrage zum Jahrestag zeigt ein ähnlich düsteres Bild: Nur 10 Prozent der Befragten halten die Arbeit der Regierung für eher gut oder sehr gut, während 69 Prozent sie als schlecht oder sehr schlecht einschätzen. Laut Bild am Sonntag sind 76 Prozent der Deutschen unzufrieden mit der Koalition. 57 Prozent sagten, dass sie die Bundesregierung bislang in keinem Politikfeld überzeugen konnte.
Besonders besorgniserregend für die Union: In mehreren Umfragen liegt die AfD inzwischen gleichauf mit CDU/CSU oder sogar leicht davor – bei rund 25 bis 26 Prozent. Das ist ein Warnsignal nicht nur für die Kanzlerpartei, sondern für das gesamte demokratische Lager. Zugleich hat die SPD ihre historisch schwachen Ergebnisse aus der Bundestagswahl noch nicht aufgeholt – Parteichef Lars Klingbeil räumte anlässlich des Jahrestages ein, dass es in der Koalition zuletzt zu viel Streit gegeben habe. Auch eine YouGov-Erhebung zeigt: 55 Prozent der Befragten rechnen nicht damit, dass die Koalition bis zum nächsten regulären Wahltermin 2029 hält.
Der Sentix-Konjunkturindex für Deutschland vom Mai 2026 illustriert die wirtschaftliche Stimmung: Die Erwartungen sind gedrückt, und viele Unternehmen warten auf verlässliche politische Rahmenbedingungen, die bisher ausgeblieben sind. Hinzu kommt der Handelsstreit mit den USA und die Unsicherheit rund um Autozölle – externe Faktoren, die die Regierung nicht allein zu verantworten hat, die aber zusätzlichen Druck erzeugen.
Trotz der schwierigen Lage zeigt sich Kanzler Merz unbeeindruckt von den Rufen nach Neuwahlen oder einer Minderheitsregierung. Er betonte mehrfach, dass die gesteckten Reformziele nur mit einer stabilen parlamentarischen Mehrheit erreichbar seien. CSU-Chef Markus Söder schloss sich dieser Linie an. Merz sieht in der Koalition trotz aller Reibungen die einzig realistische Option für Deutschland in dieser wirtschaftlich herausfordernden Phase.
Für die Koalition beginnt mit dem zweiten Jahr das entscheidende Zeitfenster: Kommen keine spürbaren Reformen, droht der Vertrauensverlust zu kippen – und mit ihm die politische Mehrheit. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Schwarz-Rot den Reformstau auflösen oder daran zerbrechen wird.
Quellen: ZDFheute, t-online, Euronews, Wirtschaftswoche, Berliner Zeitung, YouGov, Infratest dimap (Mai 2026)
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu