Von der Leyen: Ein Deal ist ein Deal – EU pocht auf Trump-Autozoll-Abkommen

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Streit um Autozölle zwischen der Europäischen Union und den USA spitzt sich erneut zu. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat US-Präsident Donald Trump klar zur Einhaltung des bestehenden Zollabkommens aufgefordert. Ihr Satz ist mittlerweile zum geflügelten Wort geworden: Ein Deal ist ein Deal. Damit reagierte sie auf Trumps neueste Drohung, die Einfuhrzölle auf Autos und Lastwagen aus der EU von derzeit 15 auf 25 Prozent anzuheben.

Die Vorgeschichte: Ein Deal aus dem Sommer 2025

Rund um den Sommer 2025 hatten sich die EU und die USA auf ein Zollabkommen geeinigt. Darin wurde festgelegt, dass die Einfuhrzölle auf EU-Exporte in die USA für die meisten Sektoren – darunter Autos, Halbleiter und Pharmazeutika – auf 15 Prozent begrenzt werden. Die US-Zölle auf Autos aus der EU sollten rückwirkend zum 1. August auf diesen Wert sinken, nachdem Trump sie zuvor auf 27,5 Prozent angehoben hatte. Rund vier Wochen nach dem symbolischen Handschlag zwischen Von der Leyen und Trump unterzeichneten beide Seiten auch eine schriftliche Erklärung zu dem Abkommen. Für die europäische Automobilindustrie war das eine enorme Erleichterung – zumindest vorübergehend.

Allerdings ist das Abkommen auf EU-Seite bis heute nicht vollständig umgesetzt. Es hängt zwischen EU-Kommission, Europaparlament und dem Europäischen Rat fest und wartet seit nun mehr als zehn Monaten auf eine abschließende Ratifizierung. Dieses institutionelle Stocken dürfte Trump als weiteres Druckmittel dienen.

Trumps neue Drohung: 25 Prozent Zölle auf EU-Autos

Anfang Mai 2026 kündigte Trump eine erneute Eskalation an: Die Importzölle auf Fahrzeuge und Lastwagen aus der Europäischen Union sollen demnach von 15 auf 25 Prozent steigen. Die Ankündigung kam überraschend und wurde an den europäischen Börsen sofort spürbar. Bereits eine halbe Stunde nach Xetra-Eröffnung am 4. Mai 2026 notierten die Aktien von Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen und Porsche allesamt zwischen drei und fünf Prozent im Minus.

Analysten sehen vor allem Porsche und Audi als besonders gefährdet an, da beide Marken nach wie vor einen Großteil ihrer Fahrzeuge aus Europa in die USA exportieren. BMW und Mercedes-Benz betreiben zwar Werke in den USA und genießen damit einen gewissen Zollschutz, doch auch für diese Konzerne würde eine Erhöhung auf 25 Prozent die finanzielle Belastung deutlich erhöhen. Das Center Automotive Research in Bochum rechnet mit einer zusätzlichen Belastung von rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr für die gesamte deutsche Autoproduktion. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft beziffert den möglichen langfristigen Schaden sogar auf bis zu 30 Milliarden Euro.

Hintergrund der Drohung dürfte auch Trumps Irritation über Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz sein. Beobachter spekulieren, ob die angekündigten Zollerhöhungen zumindest teilweise als Reaktion auf außenpolitische Reibungen zu verstehen sind. Die US-Seite hat klargemacht, dass sie Autozölle nur gegen weitere Zugeständnisse der EU senken werde – ein Zeichen, dass die Verhandlungen noch weit von einem dauerhaften Abschluss entfernt sind. Für Mittwoch dieser Woche war eine weitere Verhandlungsrunde angesetzt, eine schnelle Einigung wurde jedoch von Experten nicht erwartet.

Von der Leyen: Europa bleibt standhaft

EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen ließ sich von der Drohung nicht einschüchtern. Während eines Besuchs in der armenischen Hauptstadt Eriwan richtete sie deutliche Worte in Richtung Washington: Das Abkommen müsse eingehalten werden. Frankreich und andere EU-Mitgliedstaaten schlossen sich dieser Forderung an und drängten auf Verlässlichkeit in den transatlantischen Handelsbeziehungen.

Gleichzeitig diskutiert die EU, welche Hebel sie in der Hand hat, sollte Trump die Zölle tatsächlich erhöhen. Im Raum stehen Gegenmaßnahmen im Rahmen der sogenannten Handelsbazooka – einem EU-Instrument, das gezielte Gegenzölle auf US-Produkte ermöglichen würde. Ob und in welcher Form dieses Instrument eingesetzt wird, ist noch offen. Klar ist: Europa zeigt sich in diesem Handelsstreit entschlossener als in früheren Runden. Die wirtschaftlichen Folgen einer weiteren Eskalation wären für beide Seiten gravierend – und das wissen die Verhandlungsführer auf beiden Seiten des Atlantiks.

Die Lage bleibt angespannt. Wie die ursprüngliche Ankündigung der 25-Prozent-Zölle gezeigt hat, kann Trump jederzeit neue Eskalationsstufen einleiten. Und auch wirtschaftliche Indikatoren wie der Sentix-Konjunkturindex für Deutschland verdeutlichen, wie fragil die konjunkturelle Lage ist – weiterer Druck durch Handelshemmnisse käme für die Industrie zur Unzeit. Die Automobilbranche hofft indes auf eine diplomatische Lösung, bevor die Drohung Wirklichkeit wird.

Quellen: Handelsblatt, ZDF heute, t-online, finanzen.net, Euronews, wirtschaftsticker.com (Mai 2026)

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