
Nvidia-Chef Jensen Huang erwartet für 2027 einen weiteren deutlichen Ausbau des Chipgeschäfts. Am 17. September 2026 sagte der Vorstandschef am Rande eines KI-Gipfels im schottischen Dumfries House, Nvidia könne im kommenden Jahr doppelt so viele Chips verkaufen wie 2026. Die Aussage bezieht sich auf die Zahl der verkauften Chips und nicht auf eine Verdopplung des Umsatzes. Eine konkrete Stückzahl nannte Huang nicht. Nvidia veröffentlicht bislang auch keine Gesamtzahl aller ausgelieferten Halbleiter.
Die Nvidia-Chipverkäufe 2027 sollen nach Huangs Erwartung vor allem von den weltweit weiter steigenden Investitionen in künstliche Intelligenz profitieren. Nvidia liefert neben seinen bekannten Grafikprozessoren für Rechenzentren auch Prozessoren, Netzwerkchips, Halbleiter für Arbeitsplatzrechner, Robotik und Fahrzeuge sowie weitere Komponenten. Welche Produktgruppen Huang bei seiner Verdopplungserwartung im Einzelnen einbezog, konkretisierte er nicht.
Huang machte die Aussage am 17. September 2026 in Dumfries House in East Ayrshire. König Charles III. hatte dort Vertreter aus Technologieunternehmen, Politik und Zivilgesellschaft zu Gesprächen über die Entwicklung und den gesellschaftlichen Einsatz künstlicher Intelligenz eingeladen. Neben Nvidia waren unter anderem Google DeepMind, OpenAI und Anthropic vertreten.
Huang begründete seine Erwartung mit der zunehmenden Verbreitung künstlicher Intelligenz in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen und Ländern. Unternehmen und Regierungen investieren weltweit Milliardenbeträge in Rechenzentren, die für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle leistungsfähige Beschleuniger und Netzwerktechnik benötigen.
Die Aussage geht über die zuletzt offiziell kommunizierte Umsatzprognose hinaus. Nvidia hatte am 26. August 2026 für sein Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr in Aussicht gestellt. Eine Verdopplung der Stückzahlen würde nicht automatisch zu einer entsprechenden Umsatzsteigerung führen, da Nvidia unterschiedlich teure Chips und komplette Computersysteme verkauft.
Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, wie stark das Unternehmen derzeit wächst. Nvidia meldete am 26. August 2026 für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar. Das waren 106 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal und 18 Prozent mehr als im unmittelbar vorausgegangenen Quartal.
Der größte Teil des Geschäfts entfiel erneut auf Rechenzentren. Der Umsatz dieses Bereichs lag im Quartal bei 89,0 Milliarden Dollar und damit 117 Prozent über dem Vorjahreswert. Nvidia führte das Wachstum vor allem auf den weiteren Hochlauf seiner Blackwell-Ultra-Infrastruktur zurück.
Der Nettogewinn nach US-Rechnungslegung lag im zweiten Geschäftsquartal bei 59,7 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 26,4 Milliarden Dollar gewesen. Die Bruttomarge lag bei 75,0 Prozent. Für das dritte Geschäftsquartal erwartet Nvidia einen Umsatz von rund 108 Milliarden Dollar, wobei das Unternehmen eine Abweichung von zwei Prozent nach oben oder unten einkalkuliert.
Ob Nvidia seine Chipstückzahlen tatsächlich wie von Huang erwartet verdoppeln kann, hängt nicht allein von der Nachfrage ab. Der Konzern erklärte bei der Vorlage seiner Quartalszahlen, dass die Versorgung mit Bauteilen weiterhin ein Engpass bleiben dürfte. Besonders angespannt ist die Situation bei Speicherchips, die für leistungsfähige KI-Beschleuniger benötigt werden.
Nvidia erwartet, dass das Angebot mindestens bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 ein begrenzender Faktor bleibt. Das Unternehmen sprach zudem von außergewöhnlich hohen Preisen für Speicherkomponenten. Diese Entwicklung belastet die Kosten und dürfte nach der aktuellen Unternehmensplanung auch die Bruttomarge beeinflussen. Für das dritte Geschäftsquartal rechnet Nvidia mit einer Bruttomarge von rund 74 Prozent. Im vierten Quartal erwartet der Konzern derzeit einen Rückgang auf etwa 71 bis 72 Prozent.
Ein weiteres Risiko ist das Geschäft in China. Der Zugang amerikanischer Chipunternehmen zum chinesischen Markt wird seit Jahren durch Exportbeschränkungen für besonders leistungsfähige Halbleiter beeinflusst. Im zweiten Geschäftsquartal 2027 machten Lieferungen von Hopper-Produkten für Rechenzentren nach China weniger als ein Prozent des Data-Center-Umsatzes von Nvidia aus.
In seinem Ausblick für das dritte Geschäftsquartal berücksichtigt Nvidia keinen Umsatz mit Rechenzentrumsprozessoren in China. Damit hängt ein Teil des längerfristigen Wachstumspotenzials davon ab, welche Produkte das Unternehmen künftig in das Land liefern darf und wie schnell chinesische Anbieter eigene Alternativen entwickeln.
Huangs Aussage vom 17. September ist keine formelle Stückzahlprognose des Unternehmens. Nvidia hat weder eine konkrete Ausgangsmenge für 2026 veröffentlicht noch eine nach Produktgruppen aufgeschlüsselte Absatzplanung für 2027 vorgelegt. Die von Huang genannte Verdopplung beschreibt deshalb seine Erwartung an die Entwicklung des gesamten Chipabsatzes.
Die aktuellen Geschäftszahlen zeigen eine weiterhin außergewöhnlich hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Zugleich machen die von Nvidia selbst genannten Lieferengpässe, steigende Komponentenkosten und die Einschränkungen im China-Geschäft deutlich, von welchen Voraussetzungen die angekündigte Ausweitung der Produktion abhängt.
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