
Im Südtiroler Villnößtal greift eines der bekanntesten Foto-Dörfer der Dolomiten zur drastischen Maßnahme: St. Magdalena sperrt Touristen aus. Von Mitte Mai bis November blockieren zwei neue Schranken die Zufahrten — Tagesgäste mit Auto oder Bus kommen nicht mehr ins Dorf hinein. Die Bewohner haben genug von Selfie-Touristen, die ihre Privatsphäre missachten.
Das idyllische Bergdorf St. Magdalena im Südtiroler Villnößtal ist seit Jahren ein Magnet für Reisende aus aller Welt. Vor allem das ikonische Foto der barocken Kirche mit den schroffen Geislerspitzen im Hintergrund hat sich auf sozialen Plattformen weltweit verbreitet. Diese Beliebtheit wird der Gemeinde nun zum Problem: Bis zu acht Reisebusse täglich rollen in den Sommermonaten in den kleinen Ort, dazu kommen unzählige Privatfahrzeuge. Mit zwei neuen Schranken zieht die Gemeinde nun einen Schlussstrich.
Die beiden Sperranlagen werden ab Mitte Mai bis November aktiviert und blockieren die Zufahrtsstraßen für Tagestouristen. Wer das berühmte Fotomotiv ablichten möchte, muss künftig rund 15 Minuten zu Fuß ins Dorf laufen. Mit dem Schritt soll vor allem der ungebremste Auto- und Busverkehr eingeschränkt werden, der den Einheimischen seit Jahren zu schaffen macht. Auch die Privatsphäre der Anwohner soll wieder besser geschützt werden.
Auch andere bekannte Reiseregionen kämpfen mit dem Andrang, beispielsweise im Zusammenhang mit Ryanair-Flugstreichungen im Reise-Sommer 2026.
Wer mit dem Reisebus dennoch nach St. Magdalena fahren möchte, muss tief in die Tasche greifen. Ein Bus-Stellplatz im Dorf kostet künftig 250 Euro und muss zwingend online im Voraus reserviert werden. Maximal vier Busse pro Tag dürfen in den Ort hineinfahren. Damit ist klar: Spontane Stopps des Massentourismus an der berühmten Kirche werden ab Mitte Mai praktisch unmöglich.
Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung schildert ein Anwohner die Lage drastisch: In den Monaten Mai, Juni und Oktober erreichten bis zu acht Reisebusse täglich St. Magdalena, dazu komme der Pkw-Verkehr. Touristen würden dabei immer wieder die Privatsphäre der Bewohner missachten — etwa indem sie Höfe betreten, durch Fenster fotografieren oder Vieh stören. Diese Klagen ziehen sich nach Angaben der Gemeinde durch viele Saisons.
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Bereits 2023 hatte St. Magdalena erste Schritte gegen den Massentourismus eingeleitet. Damals wurden die Parkgebühren erhöht und Verbotsschilder aufgestellt. Spürbare Wirkung blieb aber aus. Viele Tourenfahrer und Reisebusunternehmen ignorierten die Hinweise oder kalkulierten die höheren Gebühren ein. Die Gemeinde sah sich daraufhin gezwungen, jetzt zu deutlich härteren Mitteln zu greifen.
St. Magdalena ist kein Einzelfall. In ganz Südtirol kämpfen Bergdörfer mit dem Overtourism. Bekannte Orte wie das Pragser Tal, das Grödnertal oder die Sellaronda haben in den vergangenen Jahren ähnliche Maßnahmen ergriffen — von Reservierungspflicht für Parkplätze bis zu temporären Fahrverboten. Auch am Grödner Joch ist ab September 2026 ein erweitertes Fahrverbot für motorisierte Tagesgäste geplant.
Wer im Sommer 2026 das Villnößtal besuchen will, sollte sich gut vorbereiten. Reisebusse müssen Stellplätze online buchen, Pkw-Touristen weichen am besten auf Parkplätze außerhalb von St. Magdalena aus und planen Zeit für den Fußweg ein. Die Gemeinde betont, dass sie Gäste weiterhin willkommen heißt — sie sollen sich aber rücksichtsvoll verhalten. Alle, die einfach nur das berühmte Foto schießen wollen, müssen sich künftig deutlich mehr Mühe geben.
Quellen: t-online, Süddeutsche Zeitung, Falstaff, blue News, NADR
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