
Die Preise an den Tankstellen haben innerhalb weniger Wochen deutlich angezogen. Ein Liter Super E10 kostet laut einem aktuellen Bericht inzwischen etwa 2,15 Euro, für Diesel werden rund 2,20 Euro verlangt. Im Juni lagen die Durchschnittspreise noch bei ungefähr 1,87 Euro für E10 und 1,82 Euro für Diesel.
Das Ende des staatlichen Tankrabatts hat Kraftstoff zwar bereits zum 1. Juli 2026 rechnerisch um rund 17 Cent je Liter verteuert. Es erklärt jedoch nicht vollständig, warum die Preise anschließend weiter gestiegen sind und trotz zwischenzeitlich sinkender Rohölnotierungen auf einem hohen Niveau bleiben.
Ein entscheidender Faktor ist offenbar die ungewöhnlich große Differenz zwischen den Kosten für Rohöl und den Verkaufspreisen der daraus hergestellten Kraftstoffe. Nach Angaben des Energieexperten Steffen Bukold kostet ein Fass Rohöl derzeit etwa 80 bis 90 Dollar. Diesel werde von Raffinerien hingegen für rund 150 bis 160 Dollar je Fass verkauft.
Damit liege der Raffinerieaufschlag derzeit bei ungefähr 70 Dollar pro Fass. Unter normalen Bedingungen seien eher etwa 20 Dollar üblich. Die Raffinerien erzielen demnach momentan besonders hohe Margen, die sich unmittelbar auf die Preise für Benzin und Diesel auswirken.
Dass das Raffineriegeschäft derzeit besonders profitabel ist, zeigt nach den vorliegenden Angaben auch die Geschäftsentwicklung großer Energiekonzerne. TotalEnergies meldete demnach für ein Quartal einen Gewinn von rund sechs Milliarden Dollar.
Zusätzlichen Druck auf die Kraftstoffpreise erzeugen offenbar Exporte aus Europa. Seit Beginn der Iran-Krise lieferten europäische Raffinerien größere Mengen Benzin und Diesel in Märkte, die schlechter versorgt seien, unter anderem nach Asien.
Werden mehr Kraftstoffe exportiert, steht zugleich weniger Ware für den europäischen und deutschen Markt zur Verfügung. Ein knapperes Angebot kann die Preise erhöhen, auch wenn ausreichend Rohöl vorhanden ist und dessen Weltmarktpreis wieder nachgibt.
Auch die anhaltenden militärischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran belasten die Energiemärkte. Die Unsicherheit über mögliche Lieferausfälle, Transportwege und eine weitere Eskalation führt zu Risikoaufschlägen.
Der Rohölpreis war zeitweise auf rund 100 Dollar je Barrel gestiegen, sank danach jedoch wieder. An den Tankstellen kam diese Entspannung bislang offenbar nur teilweise an. Der ADAC kritisiert insbesondere beim Benzin, dass niedrigere Rohölpreise nicht ausreichend oder erst mit Verzögerung an die Verbraucher weitergegeben würden.
Der Beginn der Sommerferien gilt dagegen offenbar nicht als entscheidender Auslöser. Nach Einschätzung des ADAC ist der früher häufig beobachtete Ferieneffekt inzwischen schwächer ausgeprägt.
Durch die größere Preistransparenz könnten Autofahrer Preise leichter vergleichen und besonders teure Tankstellen meiden. Dadurch seien starke Preissprünge allein zum Beginn der Ferien seltener geworden. Die derzeitige Entwicklung lässt sich deshalb eher mit den internationalen Energiemärkten, den Exporten und den hohen Raffineriemargen erklären.
Zusätzlich beeinflusst die sogenannte Zwölf-Uhr-Regel den Tagesverlauf der Preise. Tankstellen dürfen ihre Preise nach den vorliegenden Angaben nur einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Deshalb kann Kraftstoff kurz vor zwölf Uhr günstiger sein als unmittelbar danach.
Sparen lässt sich außerdem durch Super E10. Viele Fahrzeuge ab dem Baujahr 2010 sind für den Kraftstoff geeignet. E10 kostet in der Regel etwa fünf Cent weniger pro Liter als Super E5. Vor dem Tanken sollten Fahrzeughalter jedoch prüfen, ob ihr Modell für E10 freigegeben ist.
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