Tesla Gigafabrik Grünheide: Krankenstand gedrittelt – 1000 neue Jobs geplant

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Tesla Gigafabrik Grünheide steht dieser Tage im Mittelpunkt widersprüchlicher Nachrichten: Einerseits hat der US-Elektroautobauer den Krankenstand im brandenburgischen Werk auf rund ein Drittel des früheren Wertes gedrückt – andererseits sieht sich Tesla mit massiver Kritik konfrontiert, weil der Konzern die Lohnfortzahlung für erkrankte Mitarbeiter zeitweise gestoppt und Arbeitnehmer zur Offenlegung ihrer Diagnosen aufgefordert hat. Gleichzeitig verkündet Werksleiter André Thierig die Einstellung von 1.000 neuen Mitarbeitern bis Ende Juni 2026.

Tesla Gigafabrik Grünheide: Wie der Krankenstand auf ein Drittel sank

Noch vor rund zwei Jahren lag die Krankheitsquote in der Gigafabrik Grünheide bei rund 17 Prozent – ein Wert, der das Tesla-Management zunehmend beunruhigte. Mittlerweile ist der Krankenstand nach Unternehmensangaben auf etwa fünf bis sechs Prozent gesunken, also auf ein Drittel des einstigen Höchstwerts. Dieser drastische Rückgang ist jedoch nicht ohne Kontroverse.

Berichte von Business Insider und dem Handelsblatt zeigen, dass Tesla gezielt Druck auf erkrankte Mitarbeiter ausgeübt hat: In mehreren Fällen behielt der Konzern die Lohnfortzahlung für Kranke ein oder drohte damit, bereits ausgezahlte Beträge zurückzufordern. Besonders brisant: Das Tesla-Management in Grünheide forderte Beschäftigte schriftlich auf, ihre Diagnose gegenüber dem Unternehmen offenzulegen und ihren Arzt von der Schweigepflicht zu entbinden. Arbeitsrechtler bewerteten diese Praxis als unzulässig.

Die IG Metall spricht von gezielter Einschüchterung. Die Gewerkschaft wirft Tesla vor, systematisch auf die Belegschaft Druck auszuüben, um Fehlzeiten zu reduzieren – und sieht darin einen klaren Verstoß gegen das Arbeitsrecht. Ähnliche Praktiken kennt man aus der deutschen Automobilindustrie, etwa beim Stellenabbau bei Stellantis und Opel in Rüsselsheim, wo ebenfalls Arbeitnehmerrechte in den Fokus rückten.

1000 neue Stellen: Tesla fährt Produktion in Grünheide hoch

Trotz der Spannungen zwischen Management und Belegschaft kündigt Werksleiter André Thierig gleichzeitig eine erhebliche Ausweitung des Betriebs an. Demnach sollen bis Ende Juni 2026 rund 1.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt werden, die ersten Neuankömmlinge ab Mai. Nach der Erweiterung würde die Gigafabrik Berlin-Brandenburg laut Unternehmensangaben etwa 11.700 Beschäftigte zählen.

Der Hintergrund: Ab Juli soll die Produktion um rund 20 Prozent auf mehr als 6.000 Einheiten pro Woche steigen. Aktuell rollen wöchentlich rund 5.000 Fahrzeuge – ausschließlich das Modell Model Y – vom Band. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Werk einen Produktionsrekord von fast 62.000 Fahrzeugen. Außerdem hat Tesla bereits damit begonnen, mehrere hundert neue Mitarbeiter für die Batteriezellfertigung zu suchen, die in der ersten Jahreshälfte 2027 anlaufen soll. Für die weitere Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland sind auch der VW- und Cupra-Rückruf wegen Batteriefehlern ein Hinweis auf die technischen Herausforderungen der Branche.

Mitarbeiter-Petition und Betriebsratswahl: Der Streit geht weiter

Die Spannungen zwischen der Belegschaft und dem Tesla-Management sind nicht neu. Im vergangenen Jahr unterzeichneten über 3.000 Beschäftigte – rund ein Viertel der damaligen Belegschaft – eine Petition, in der sie bessere Arbeitsbedingungen forderten: mehr Pausen, eine Entlastung von der hohen körperlichen Belastung und ein Ende der als einschüchternd empfundenen Managementpraktiken. Eine IG-Metall-Umfrage offenbarte, dass mehr als 80 Prozent der Befragten sich chronisch überlastet fühlen, neun von zehn berichteten von arbeitsbedingten körperlichen Beschwerden.

Bei der Betriebsratswahl im März 2026 verfehlte die IG Metall ihr strategisches Ziel einer Mehrheit deutlich: Sie erzielte 13 Sitze und wurde zweitstärkste Kraft hinter der managementnahen Liste Giga United, die 16 Sitze gewann. Die Gewerkschaft kritisierte einen unfairen Wahlkampf und warf dem Unternehmen erneut Einschüchterung vor. Tesla wies die Vorwürfe zurück.

Das Spannungsfeld zwischen maximaler Effizienz und fairen Arbeitsbedingungen dürfte in Grünheide bestehen bleiben – erst recht, wenn ab Sommer Tausende neuer Kolleginnen und Kollegen hinzukommen und die Produktion weiter hochgefahren wird.

Quellen: Handelsblatt (26.04.2026), Business Insider Deutschland, Tagesspiegel, IG Metall Brandenburg, electrive.net

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