Thyssenkrupp Stahlsparte: Verkauf an Jindal gestoppt — Konzern saniert selbst

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der Industriekonzern Thyssenkrupp behält seine Stahlsparte vorerst doch im eigenen Haus. Die seit September laufenden Verkaufsverhandlungen mit dem indischen Stahlkonzern Jindal werden ausgesetzt. Beide Unternehmen wollen die Gespräche zunächst auf Eis legen — Thyssenkrupp setzt stattdessen auf eine Sanierung in Eigenregie.

Thyssenkrupp behält Stahlsparte vorerst — Verhandlungen mit Jindal ausgesetzt

Wie der Konzern am Wochenende mitteilte, werden die Verkaufsverhandlungen mit dem indischen Stahlhersteller Jindal vorerst nicht fortgeführt. Beide Seiten hatten seit September des Vorjahres über einen Verkauf der Stahlsparte verhandelt. Thyssenkrupp begründete den Schritt mit verbesserten Rahmenbedingungen in Europa und mit den deutlichen Fortschritten bei der eigenen Restrukturierung. Mittelfristig wolle das Essener Unternehmen aber weiterhin die Trennung vom Stahlgeschäft umsetzen.

EU stärkt europäische Stahlbranche — bessere Marktbedingungen

Ausschlaggebend für die Entscheidung waren nach Konzernangaben vor allem politische Signale aus Brüssel. Die Europäische Union hat angekündigt, die europäische Stahlindustrie besser vor globalen Überkapazitäten und Dumping-Importen zu schützen. Gleichzeitig sollen Programme für die Umstellung auf eine klimafreundliche Stahlproduktion ausgebaut werden. Beides verbessert die wirtschaftliche Perspektive der Branche und macht die Sparte für Thyssenkrupp wieder attraktiver.

Die Wirtschaftsdebatte beschäftigt derzeit auch andere Konzerne, etwa beim geplanten Übernahmeversuch von eBay durch GameStop.

Eigenständige Sanierung statt Verkauf

Statt eines Verkaufs an einen ausländischen Investor will Thyssenkrupp die Stahlsparte nun konsequent über eigene Anstrengungen restrukturieren. Ziel ist es, das Geschäft erfolgreich und profitabel im Markt zu positionieren. Der Konzern setzt dabei auf eine schlankere Struktur, Effizienzsteigerungen und auf den Übergang zu grünem Stahl, der mit Wasserstoff statt Kohle hergestellt wird. Die Investitionen in diese Transformation sind weiterhin in Milliardenhöhe geplant.

Mittelfristig bleibt das Ziel: Trennung vom Stahlgeschäft

Vom langfristigen Plan einer Verselbstständigung rückt Thyssenkrupp nicht ab. Mittelfristig wolle der Konzern die Stahlsparte als eigenständige Einheit aufstellen — möglicherweise mit einer Minderheitsbeteiligung der Thyssenkrupp AG. Damit könnte aus dem traditionsreichen Bereich „Thyssenkrupp Steel Europe“ ein eigenständiges Unternehmen werden, das später mit anderen Stahlproduzenten kooperieren oder fusionieren kann.

Auch andere Wirtschaftsfragen prägen derzeit die Schlagzeilen, etwa die geopolitischen Spannungen rund um die Straße von Hormus.

Hintergrund: Lange Verhandlungsphase mit Jindal

Die Gespräche mit Jindal hatten im September begonnen und galten als möglicher Schlüssel zur Zukunft des deutschen Stahlgiganten. Jindal wollte über den Erwerb der Sparte zum großen europäischen Stahlplayer aufsteigen, Thyssenkrupp wollte sich auf andere Geschäftsfelder fokussieren. Doch beide Seiten konnten sich offenbar nicht abschließend auf Konditionen einigen — und mit den verbesserten Rahmenbedingungen in Europa fehlt nun auch der wirtschaftliche Druck zum Verkauf.

Reaktionen aus Politik, Gewerkschaft und Belegschaft

In NRW dürften vor allem die Belegschaft und die IG Metall die Entscheidung mit Erleichterung aufnehmen. Die Standorte in Duisburg, Bochum und an der Ruhr beschäftigen tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gelten als industrieller Anker des Reviers. Politiker hatten in den vergangenen Monaten mehrfach betont, dass sie eine deutsche Stahlproduktion strategisch für unverzichtbar halten und den Verkauf an einen ausländischen Investor kritisch sähen.

Ausblick: Investoren reagieren — Aktie unter Beobachtung

An der Börse dürfte die Mitteilung in den kommenden Tagen für Bewegung sorgen. Analysten erwarten eine differenzierte Reaktion: Während Anleger die kurzfristige Klarheit begrüßen, fragen viele weiter nach einer langfristigen Perspektive für die Stahlsparte. Die Thyssenkrupp-Aktie steht damit erneut im Fokus — gerade weil der Konzern seit Jahren versucht, sich neu aufzustellen.

Quellen: Thyssenkrupp, Wirtschaftsticker, Rhein-Neckar-Zeitung, Badische Zeitung, finanzen.net, GEWINNERmagazin

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu