Tomahawk Deutschland abgesagt: Trump kippt Raketenplan fuer Wiesbaden

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Die geplante Stationierung von US-amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland wird nicht stattfinden. Das berichtet Reuters unter Berufung auf einen hochrangigen Pentagon-Mitarbeiter. Damit bläst die Trump-Regierung einen zentralen Teil der Verteidigungsvereinbarung ab, die noch unter Präsident Joe Biden und dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz geschlossen worden war. Die Nachricht überraschte Verteidigungsexperten und Berliner Regierungskreise gleichermaßen – und wirft ernste Fragen über die Zukunft der deutschen Sicherheitsarchitektur auf.

Was war geplant – und was wurde jetzt abgesagt?

Im Juli 2024 hatten die USA und Deutschland beim NATO-Gipfel in Washington vereinbart, dass ab 2026 weitreichende US-Waffensysteme dauerhaft auf deutschem Boden stationiert werden sollten. Konkret handelte es sich um lastwagengestützte Typhon-Abschussvorrichtungen mit Tomahawk-Marschflugkörpern, die eine Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern haben und damit bis tief in russisches Territorium reichen können. Außerdem war die Stationierung der Hyperschallwaffe Dark Eagle vorgesehen – ein System, das noch in der Entwicklung ist und Ziele in über 2.700 Kilometern Entfernung treffen kann.

Laut Pentagon-Angaben soll nun kein Bataillon für die Tomahawk-Stationierung nach Deutschland verlegt werden. Das Batalion war für den Standort Wiesbaden vorgesehen. Ein ranghöherer Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bestätigte entsprechende Berichte amerikanischer Medien. Bundeskanzler Friedrich Merz reagierte auffallend ruhig: Er rechne „aktuell nicht“ mit einer Stationierung der US-Mittelstreckenraketen, sagte er auf Nachfragen.

Sicherheitsexperten warnen vor ernsthafter Fähigkeitslücke

Militärexperte Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität München sieht in dem Raketenrückzieher das eigentliche Problem – das in der öffentlichen Debatte bislang weniger Aufmerksamkeit erhält als der parallele Abzug von US-Soldaten. „Die Absage der Tomahawk-Stationierung ist das viel größere strategische Problem“, erklärte Masala. Bis Europa eigene Mittelstreckensysteme entwickelt habe, werde eine empfindliche Abschreckungslücke entstehen.

Europa arbeitet im Rahmen des ELSA-Projekts (European Long-range Strike Approach) an eigenen Mittelstreckenraketen, die zwischen 2030 und 2032 einsatzbereit sein sollen. Bis dahin klafft nach Einschätzung von Experten eine erhebliche Lücke in der NATO-Abschreckung gegenüber Russland. Deutschland und seine Verbündeten müssten nun schnell reagieren, um diese Lücke zu schließen – etwa durch beschleunigte Beschaffung eigener Systeme oder durch veränderte Truppendispositionen anderer NATO-Mitglieder.

Besorgniserregend ist auch der Zusammenhang mit dem gleichzeitig angekündigten Abzug von mehr als 5.000 US-Soldaten aus Deutschland. Beobachter sprechen von einer „doppelten Schwächung“ der deutschen Sicherheitsarchitektur. Im Artikel über den Trump Truppenabzug aus Deutschland hatten wir bereits berichtet, dass die Zahl der abzuziehenden Soldaten „weit über“ die ursprünglich angekündigten 5.000 hinausgehen könnte.

Hintergrund: Politischer Konflikt zwischen Trump und Merz

Im Hintergrund steht offenbar ein handfester politischer Konflikt zwischen Bundeskanzler Merz und US-Präsident Trump. Auslöser war eine Äußerung von Merz während des Iran-Krieges: Er hatte gesagt, die USA würden von Teheran „gedemütigt“. Trump reagierte darauf mit verstärkten Ankündigungen über Truppenabzug und scheinbar nun auch mit der Absage der Raketenvereinbarung. Deutsche Medien sprechen von einer „Bestrafung“ des Kanzlers für seine Kritik an Trumps Nahostpolitik.

Politisch ist das eine heikle Situation: Deutschland steht dem NATO-Zerfall-Szenario, vor dem Polens Ministerpräsident Donald Tusk gewarnt hatte, etwas näher. Wenn die USA schrittweise ihre militärischen Verpflichtungen gegenüber Europa zurückfahren, entsteht eine strukturelle Sicherheitslücke, die kurzfristig nicht durch europäische Eigeninitiative geschlossen werden kann.

Reaktionen und Ausblick

Die Bundesregierung hat sich bislang zurückhaltend geäußert. Außer der nüchternen Feststellung von Merz, er rechne nicht mehr mit den Raketen, gab es keine offizielle Reaktion. Hinter den Kulissen soll die Bundeswehrführung jedoch in enger Abstimmung mit NATO-Partnern über Ausweichlösungen beraten. Eine Möglichkeit: Andere NATO-Mitglieder könnten eigene Systeme verstärkt in die Region verlegen, um die entstehende Lücke zumindest teilweise zu schließen.

Klar ist: Die Absage der Tomahawk-Stationierung in Deutschland ist mehr als eine technische Verschiebung. Sie ist ein politisches Signal – und es wird darüber entscheiden, wie verlässlich die USA als NATO-Partner in den Augen Europas künftig gelten. Für Deutschland, das seit Jahren auf die US-Verteidigungsgarantie setzt, beginnt damit eine neue sicherheitspolitische Zeitrechnung.

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