UBS unter Druck: Berichte über Interesse großer Auslandsbanken

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Bei der Schweizer Großbank UBS rückt nach dem Streit um strengere Eigenkapitalregeln ein bislang eher theoretisches Szenario stärker in den Mittelpunkt. Mehrere große ausländische Banken sollen grundsätzlich Interesse an einem möglichen Zusammenschluss mit dem Schweizer Institut signalisiert haben. Eine konkrete Transaktion oder bestätigte Verhandlungen gibt es bislang allerdings nicht.

Die Schweizer Zeitung „Blick“ berichtete am Sonntag, mindestens acht weltweit tätige Banken hätten gegenüber der UBS-Spitze Offenheit für Gespräche erkennen lassen. Das Blatt beruft sich dabei auf eine nicht namentlich genannte Quelle mit Kenntnis der Vorgänge. Eine unabhängige Bestätigung für die Zahl von acht Instituten lag zunächst nicht vor. UBS erklärte auf Anfrage lediglich, Spekulationen und Meinungsäußerungen zu diesem Thema nicht zu kommentieren.

Damit erhält die Debatte über die künftige Aufstellung der größten Schweizer Bank neue Nahrung. Hintergrund ist vor allem der politische Streit darüber, wie viel zusätzliches Eigenkapital UBS nach der Übernahme der Credit Suisse vorhalten soll.

Strengere Kapitalregeln erhöhen den Druck auf UBS

Der Schweizer Ständerat stellte sich am 23. September hinter eine Regelung, nach der UBS ihre Beteiligungen an ausländischen Tochtergesellschaften künftig zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital, dem sogenannten CET1-Kapital, absichern müsste. Damit setzte sich eine strengere Variante gegen einen von UBS bevorzugten Ansatz durch, der eine Mischung aus CET1-Kapital und Additional-Tier-1-Kapital vorgesehen hätte.

UBS beziffert die zusätzliche Belastung aus der 90-Prozent-Regel auf rund 16 Milliarden US-Dollar CET1-Kapital. Weitere rund zwei Milliarden Dollar würden nach Angaben der Bank durch bereits beschlossene Änderungen auf Verordnungsstufe hinzukommen. Die endgültigen Regeln stehen jedoch noch nicht fest, da das parlamentarische Verfahren nicht abgeschlossen ist.

Die Bank bezeichnete den Beschluss des Ständerats als übermäßige Verschärfung der Kapitalanforderungen. UBS kündigte an, sich im weiteren politischen Verfahren für eine aus ihrer Sicht verhältnismäßigere und stärker international abgestimmte Regulierung einzusetzen.

UBS-Führung hatte Standortfrage bereits öffentlich angesprochen

Schon vor der jüngsten Entscheidung hatte Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher deutlich gemacht, dass UBS ihre langfristige Position in der Schweiz überprüfen müsste, falls die Bank unter den neuen Bedingungen international nicht mehr wettbewerbsfähig sein sollte. Vorrangiges Ziel bleibe jedoch eine Lösung, die es UBS ermögliche, von der Schweiz aus erfolgreich tätig zu sein.

Damit ist zumindest die grundsätzliche Prüfung verschiedener strategischer Optionen keine völlig neue Entwicklung. Zusätzlich berichtete das US-Medium Semafor Ende vergangener Woche unter Berufung auf mit den Überlegungen vertraute Personen, die UBS-Führung befasse sich wieder mit Möglichkeiten, ihre Abhängigkeit vom Schweizer Regulierungsrahmen zu verringern. Zu den diskutierten Varianten gehöre demnach auch eine Verbindung mit einem ausländischen Institut. Reuters griff diese Darstellung anschließend auf.

Offiziell bestätigt hat UBS solche Gespräche bislang nicht.

Morgan Stanley, Deutsche Bank und Standard Chartered im Gespräch

In Zusammenhang mit möglichen Zusammenschlüssen werden verschiedene Namen genannt. „Blick“ verweist unter anderem auf Morgan Stanley, Deutsche Bank und Standard Chartered, die bereits auf Finanzplattformen als mögliche Partner diskutiert würden. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass diese Institute tatsächlich zu den angeblich mindestens acht Banken gehören, die unmittelbar gegenüber UBS Interesse bekundet haben sollen.

Konkrete bestätigte Angebote, Verhandlungen über Unternehmensbewertungen oder Vereinbarungen über die Struktur eines Zusammenschlusses waren zunächst nicht bekannt. Auch ein Beschluss des UBS-Verwaltungsrats über eine Fusion oder einen Verkauf wurde nicht öffentlich gemacht.

Gerade diese Unterscheidung ist bedeutsam. Zwischen einer grundsätzlichen Gesprächsbereitschaft, strategischen Planspielen und tatsächlichen Fusionsverhandlungen liegen bei Transaktionen dieser Größenordnung mehrere Schritte. Hinzu kämen umfangreiche regulatorische Prüfungen in der Schweiz sowie möglicherweise in den USA, Großbritannien, der Europäischen Union und weiteren Märkten.

Schweizer Regierung hält einen Wegzug für wenig wahrscheinlich

Die Schweizer Finanzministerin Karin Keller-Sutter bewertet einen möglichen Wegzug der UBS aus der Schweiz skeptisch. Sie erklärte nach der Entscheidung des Ständerats, eine Verlagerung des Sitzes wäre nach ihrer Einschätzung rechtlich komplex und für die Bank teurer als die zusätzlichen Kapitalanforderungen.

Damit stehen sich derzeit zwei Sichtweisen gegenüber. UBS warnt davor, dass sehr hohe Kapitalanforderungen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen könnten. Die Schweizer Regierung begründet strengere Vorgaben dagegen mit dem Ziel, die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems zu erhöhen und Risiken für den Staat im Fall einer Bankenkrise zu begrenzen. Die Reform ist eine Konsequenz aus dem Zusammenbruch der Credit Suisse im Jahr 2023 und deren anschließender Übernahme durch UBS.

Credit-Suisse-Integration nähert sich dem Abschluss

Parallel zu der politischen Auseinandersetzung arbeitet UBS weiter an der Integration der übernommenen Credit Suisse. Ende Juni waren nach Angaben des Konzerns mehr als 90 Prozent der früheren Credit-Suisse-Anwendungen nicht mehr im Einsatz. Rund 70 Prozent waren bereits vollständig abgeschaltet. Die Integration soll im Wesentlichen bis Ende 2026 abgeschlossen werden.

UBS meldete für das zweite Quartal zudem eine harte Kernkapitalquote von 14,4 Prozent. Die Bank kündigte ein weiteres Aktienrückkaufprogramm im Volumen von drei Milliarden US-Dollar an, das spätestens bis zum Ende des zweiten Quartals 2027 abgeschlossen werden soll. Umfang und Tempo der Rückkäufe hängen allerdings auch von der weiteren Entwicklung der Schweizer Kapitalregeln ab.

Die neuen Fusionsberichte fallen damit in eine Phase, in der sich für UBS zwei zentrale Fragen überlagern: die weitgehend abgeschlossene Eingliederung der Credit Suisse und die künftigen regulatorischen Anforderungen am Heimatstandort Schweiz.

Ob daraus tatsächlich Gespräche über einen Zusammenschluss mit einer ausländischen Großbank entstehen, war zunächst offen. Bestätigt ist bislang weder die Identität konkreter Interessenten noch eine laufende Fusionsverhandlung. Die Meldung über mindestens acht gesprächsbereite Institute stützt sich weiterhin auf einen einzelnen Bericht mit anonymer Quelle.

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