
Volkswagen steht vor einem der größten Umbauprogramme seiner Geschichte. Der Konzern will seine Kosten deutlich senken, Produktionskapazitäten verkleinern und weltweit rund 50.000 weitere Stellen abbauen. Der Betriebsrat warnt unterdessen vor wesentlich größeren Folgen für Deutschland. In einem Extremszenario könnten nach seiner Rechnung bis zu 115.000 Arbeitsplätze betroffen sein. Diese Zahl ist jedoch kein beschlossenes Abbauziel des Konzerns.
Der Aufsichtsrat von Volkswagen hatte dem sogenannten Zukunftsplan 2030 am 3. September einstimmig zugestimmt. Danach soll die Beschäftigtenzahl konzernweit um rund 50.000 weitere Stellen sinken. Nach Angaben des Unternehmens betrifft der Anpassungsbedarf ungefähr zur Hälfte Deutschland und zur Hälfte Standorte im Ausland. Eingerechnet sind auch Managementpositionen.
Dieser Stellenabbau bei Volkswagen kommt zu bereits vereinbarten Personalprogrammen hinzu. Ende 2024 hatten Arbeitnehmerseite und Konzern unter anderem für die Kernmarke VW einen sozialverträglichen Abbau von mehr als 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vereinbart. Weitere Einschnitte laufen bei anderen Konzerngesellschaften.
Konzernchef Oliver Blume hatte die Beschäftigten bereits Ende August bei Betriebsversammlungen auf zusätzliche Einschnitte vorbereitet. Rund die Hälfte des damals mit etwa 50.000 Stellen bezifferten weiteren Anpassungsbedarfs könne auf Deutschland entfallen. Damit stehen rechnerisch zusätzlich etwa 25.000 deutsche Arbeitsplätze zur Disposition.
Die deutlich höhere Zahl des Betriebsrats ergibt sich aus mehreren Posten. Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo addiert rund 50.000 bereits vereinbarte Stellenreduzierungen in Deutschland, etwa 25.000 mögliche weitere Stellen aus dem neuen Konzernprogramm und rund 40.000 Arbeitsplätze an vier Standorten, deren langfristige Zukunft derzeit nicht gesichert ist. Daraus ergibt sich im äußersten Szenario eine Größenordnung von bis zu 115.000 Stellen.
Die Rechnung beschreibt damit eine mögliche Entwicklung und keinen beschlossenen Personalabbau in dieser Höhe. Insbesondere die rund 40.000 Arbeitsplätze an den betroffenen Werken würden nur dann vollständig in dieses Szenario fallen, wenn dort keine tragfähige Anschlussnutzung gefunden würde.
Im Mittelpunkt stehen die Volkswagen-Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Volkswagen erklärte Anfang September, dass für diese Standorte gestaffelt ab 2031 bis 2034 derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gewährleistet werden könne. Alternative Nutzungsmöglichkeiten sollen deshalb geprüft werden. Werksschließungen sind bislang nicht beschlossen.
Für die Beschäftigten ist diese Unterscheidung entscheidend. Der Konzern hat zwar einen erheblichen Personalabbau beschlossen, über die langfristige Zukunft der vier Werke sollen aber weitere Konzepte entwickelt werden.
Für den Standort Osnabrück gibt es bereits eine andere Perspektive. Volkswagen verständigte sich Anfang September mit dem Land Niedersachsen und dem Finanzinvestor Aurelius auf Eckpunkte für eine mögliche Übernahme der Volkswagen Osnabrück GmbH. Nach Angaben von Betriebsrat und IG Metall könnte damit für einen großen Teil der dortigen Beschäftigten eine industrielle Anschlussperspektive entstehen.
Der Personalabbau ist Bestandteil einer breiteren Neuausrichtung. Volkswagen richtet seine Planungen künftig auf einen weltweiten Absatz von rund neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr aus. Bis 2030 soll die operative Umsatzrendite auf neun Prozent steigen. Die Gemeinkosten sollen auf rund 37 Milliarden Euro sinken. Für Investitionen sowie Forschung und Entwicklung sind für die Jahre 2027 bis 2031 rund 135 Milliarden Euro vorgesehen.
Zudem soll die Modellpalette um bis zu 50 Prozent verkleinert werden. Auch die Zahl von Ausstattungsvarianten soll deutlich sinken. Volkswagen will Entwicklungs- und Produktionsressourcen stärker bündeln und die Konzernstruktur vereinfachen. Im Management sieht der Konzern einen Abbau von rund einem Viertel der Stellen vor. Weltweit soll die Zahl der Managementpositionen von etwa 21.500 auf rund 16.000 sinken.
Hintergrund sind nach Angaben des Konzerns verschärfter internationaler Wettbewerb, veränderte Nachfragestrukturen und der technologische Wandel in der Autoindustrie. Besonders der Wettbewerb mit chinesischen Herstellern, hohe Kosten in Europa und Handelsbarrieren setzen europäische Autobauer unter Druck.
Nach dem Beschluss des Zukunftsplans hat die IG Metall eine Klausel aus dem Ende 2024 geschlossenen Zukunftstarifvertrag aktiviert. Sie verpflichtet beide Seiten auf Verlangen zu Gesprächen. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem die Beschäftigungssicherung und die Perspektiven der deutschen Standorte. Volkswagen hat sich zu Gesprächen bereit erklärt.
Damit steht zwar die grundsätzliche Richtung des Konzernumbaus fest, zahlreiche Einzelheiten müssen jedoch noch zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretern ausgearbeitet werden. Vor allem die tatsächliche Verteilung der zusätzlichen Stellenreduzierungen und die Zukunft der vier Werke sind noch nicht abschließend entschieden.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu