
In Kiel-Suchsdorf steht am Sonntag eine umfangreiche Bombenentschärfung an. Weil eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht werden muss, müssen mehrere Tausend Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Betroffen sind neben Teilen der Landeshauptstadt Kiel auch Bereiche der Nachbargemeinde Kronshagen.
Nach Angaben der Polizei soll die Entschärfung am Sonntagvormittag stattfinden. Bis spätestens 10 Uhr müssen alle Bewohner im Evakuierungsgebiet ihre Wohnungen verlassen haben. Insgesamt sind mehrere Tausend Menschen betroffen, während Polizei, Feuerwehr und Kampfmittelräumdienst den Einsatz vorbereiten.
Auslöser für den Großeinsatz ist eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die im Kieler Stadtteil Suchsdorf entdeckt wurde. Der Fundort liegt auf einer Grünfläche in Siedlungsnähe. Die Bombe befindet sich mehrere Meter unter der Erde und muss deshalb direkt vor Ort entschärft werden.
Nach Angaben der Behörden handelt es sich um eine rund 250 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe mit Aufschlagzündern an Kopf und Heck. Da solche Zünder auch Jahrzehnte nach dem Krieg noch gefährlich sein können, gelten bei der Entschärfung strenge Sicherheitsvorgaben.
Der Sicherheitsradius um den Fundort beträgt etwa einen Kilometer. Innerhalb dieses Bereichs müssen alle Bewohner ihre Häuser verlassen. Insgesamt betrifft die Maßnahme 4.745 Menschen aus 2.854 Haushalten in Kiel. In der benachbarten Gemeinde Kronshagen müssen zusätzlich 701 Menschen aus 187 Haushalten evakuiert werden.
Insgesamt liegen nach Angaben der Einsatzkräfte 988 Adresspunkte innerhalb des Sperrbereichs. Dazu zählen Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude sowie weitere Gebäude. Außerdem befinden sich rund 20 Kleingartenanlagen innerhalb des betroffenen Gebietes.
Der Hinweis auf den möglichen Bombenfund war zunächst bei Arbeiten eines zivilen Kampfmittelräumdienstes entstanden. Mithilfe von Luftbildern wurde die Stelle anschließend genauer untersucht, bevor Experten schließlich bestätigten, dass sich dort tatsächlich eine Bombe befindet.
Mit der Evakuierung sind auch umfangreiche Verkehrseinschränkungen verbunden. Besonders betroffen ist der Bereich rund um die Bundesstraße 76 am Olof-Palme-Damm.
Die Bundesstraße wird zwischen den Anschlussstellen Holsteinknoten und Steenbeker Weg vollständig gesperrt. Auch der Steenbeker Weg ist teilweise betroffen. Zwischen der Abfahrt der Bundesstraße 76 und der Projensdorfer Straße wird die Straße gesperrt, allerdings bleibt eine Fahrtrichtung zur Eckernförder Straße weiterhin passierbar.
Die Eckernförder Straße selbst bleibt laut Polizei in beide Richtungen geöffnet. Damit soll verhindert werden, dass der Verkehr in diesem Teil der Stadt komplett zum Erliegen kommt.
Der Bahnverkehr ist von der Maßnahme hingegen nicht betroffen. Die Strecke zwischen Kiel und Eckernförde kann weiterhin genutzt werden.
Die Polizei richtet parallel Straßensperren rund um den Evakuierungsbereich ein. Erst wenn sichergestellt ist, dass sich keine Personen mehr im Sperrgebiet aufhalten, dürfen die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes mit der eigentlichen Entschärfung beginnen.
Wie lange der Einsatz dauern wird, lässt sich derzeit nicht genau vorhersagen. Erfahrungsgemäß können solche Arbeiten mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Für Menschen, die während der Evakuierung keine andere Unterkunft haben, wird eine Ersatzunterkunft eingerichtet. Ab 9 Uhr stehen Räumlichkeiten im Ernst-Barlach-Gymnasium in Kiel zur Verfügung.
Dort können sich betroffene Anwohner während der Entschärfung aufhalten. Gleichzeitig empfehlen die Behörden, sich auf eine längere Abwesenheit vorzubereiten. Wer seine Wohnung verlassen muss, sollte ausreichend Getränke, Lebensmittel und notwendige Medikamente mitnehmen.
Auch Menschen, die Unterstützung beim Verlassen ihrer Wohnung benötigen, können Hilfe anfordern. Dafür hat die Kieler Berufsfeuerwehr ein Servicetelefon eingerichtet. Über diese Hotline können sich beispielsweise ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen melden.
Zusätzlich informieren die Behörden die Bevölkerung über Warn-Apps, Handzettel und soziale Medien. Mitarbeitende der Stadt verteilen dazu mehrsprachige Informationsblätter an alle Haushalte im Evakuierungsgebiet.
Die Polizei bittet zudem darum, Nachbarn und Bekannte über die Evakuierung zu informieren, insbesondere Menschen, die möglicherweise keine deutschsprachigen Informationen erhalten.
Im Evakuierungsbereich rund um den Bombenfund in Kiel-Suchsdorf liegen zahlreiche Straßen sowie einzelne Hausnummernbereiche. Nach Angaben der Behörden sind unter anderem folgende Adressen betroffen:
Am Botanischen Garten – gesamte Straße
Anneliese-Pinn-Weg – gesamte Straße
Baumgartenstraße – gesamte Straße
Bendixenstraße – Hausnummern 2 bis 38
Bremerskamp – gesamte Straße
Charles-Roß-Ring – Hausnummern 3 bis 45
Dorothea-Brede-Weg – gesamte Straße
Elfriede-Dietrich-Straße – gesamte Straße
Elisabeth-Vormeyer-Weg – gesamte Straße
Emma-Sorgenfrei-Weg – gesamte Straße
Feuerbachstraße – gesamte Straße
Ganswiese – Hausnummer 5
Gertrud-Savelsberg-Weg – Hausnummer 21
Hänelstraße – Hausnummer 1
Jacobystraße – Hausnummer 56
Johann-Fleck-Straße – Hausnummer 6
Klausbrook A – Hausnummer 8
Klausbrook B – Hausnummer 2
Klausbrooker Weg – Hausnummer 132
Kopperpahler Teich – Hausnummer 27
Leibnizstraße – Hausnummer 1
Lena-Schröder-Weg – Hausnummer 19
Lilli-Martius-Weg – Hausnummer 16
Mangoldtstraße – Hausnummer 1
Meyerhofstraße – Hausnummer 13
Moorkamp – Hausnummer 1
Musäusplatz – gesamter Platz
Olof-Palme-Damm (B76) – Teilbereich
Olshausenstraße –
ungerade Hausnummern 71 bis 99 sowie
gerade Hausnummern 70 bis 100
Radbruchstraße – Hausnummer 59
Reinhard-Demuth-Platz – gesamter Platz
Schückingstraße – Hausnummer 1
Sophie-Lützen-Weg – Hausnummer 14
Steenbeker Weg –
ungerade Hausnummern 23 bis 193 sowie
gerade Hausnummern 34 bis 58
Tönniesstraße – Hausnummer 17
Torfende – Hausnummer 1
Torfmoorkamp – Hausnummer 10
Zusätzlich befinden sich mehrere Kleingartenanlagen im Evakuierungsbereich.
Auch Teile der Nachbargemeinde Kronshagen sind betroffen. Dazu gehören unter anderem:
Am Knick – gesamte Straße
Eckernförder Straße – gerade Hausnummern 210 bis 334
Grenzweg – gesamte Straße
Hellerkoppel – gesamte Straße
Johann-Fleck-Straße – gesamte Straße
Klausbrooker Weg – gesamte Straße
Siedlung Lebensfreude – gesamte Straße
Teichhörn – gesamte Straße
Tulpenweg – gesamte Straße
Vulkanweg – gesamte Straße
Zusätzlich befinden sich 20 Kleingartenanlagen innerhalb des Evakuierungsgebiets.
Eine detaillierte Übersicht mit den genauen Hausnummernbereichen stellt die Stadt Kiel auf ihrer Website zur Verfügung.
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