
Bei Škoda Auto steht ein Wechsel an der Unternehmensspitze bevor. Vorstandsvorsitzender Klaus Zellmer wird den tschechischen Autobauer verlassen und seine Karriere außerhalb des Volkswagen-Konzerns fortsetzen. Volkswagen und Škoda bestätigten den Schritt am Montag, 21. September 2026. Bereits einen Tag zuvor hatte Volvo Cars mitgeteilt, Zellmer zum künftigen Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden ernannt zu haben. Den neuen Posten soll er spätestens zum 1. Oktober 2027 übernehmen.
Der Klaus Zellmer Abschied bei Skoda erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Marke wirtschaftlich eine vergleichsweise starke Position erreicht hat. Zellmer steht seit dem 1. Juli 2022 an der Spitze des Unternehmens. Nach Angaben des Volkswagen-Konzerns verbesserte sich Škoda während seiner Amtszeit vom zehnten Platz der europäischen Zulassungsstatistik 2022 auf Rang zwei im ersten Halbjahr 2026. Wann genau Zellmer seine derzeitige Funktion abgibt und wer ihm nachfolgt, war am Montag zunächst nicht bekanntgegeben worden.
Volvo Cars hatte Zellmers Verpflichtung am 20. September offiziell veröffentlicht. Er soll Håkan Samuelsson ablösen, der 2025 noch einmal an die Unternehmensspitze des schwedischen Autobauers zurückgekehrt war. Volvo erklärte, Zellmer werde seine neue Aufgabe spätestens am 1. Oktober 2027 antreten. Damit steht das Ziel seines Abschieds aus dem Volkswagen-Konzern fest.
Der Wechsel führt Zellmer zu einem Hersteller, der selbst vor einem umfangreichen Umbau steht. Volvo Cars arbeitet unter anderem an einer stärkeren regionalen Ausrichtung seiner Produktion und Modellpalette. Das Unternehmen muss zugleich mit hohen Kosten, schwankender Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, Handelsbarrieren und einem schwierigen Geschäftsumfeld in China umgehen. Volvo befindet sich mehrheitlich im Besitz des chinesischen Geely-Konzerns.
Zellmer bringt Erfahrungen aus mehreren Marken des Volkswagen-Konzerns mit. Vor seiner Zeit bei Škoda war er unter anderem bei Porsche tätig und gehörte später dem Markenvorstand von Volkswagen an. Die Berufung zu Volvo beendet damit eine langjährige Karriere innerhalb des VW-Konzerns.
Der Führungswechsel fällt bei Škoda nicht mit einer wirtschaftlichen Schwächephase zusammen. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte der Hersteller nach eigenen Angaben weltweit 555.700 Fahrzeuge aus. Das waren 9,1 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. In Europa erreichte Škoda damit den zweiten Platz unter den Automarken.
Auch die Finanzzahlen entwickelten sich positiv. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 6,3 Prozent auf 16,0 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis erhöhte sich ebenfalls um 6,3 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite lag bei 8,5 Prozent. Der Netto-Cashflow erreichte 1,7 Milliarden Euro und lag damit 14,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Als Faktoren nannte das Unternehmen unter anderem höhere Verkaufszahlen, Kostendisziplin sowie Synergien innerhalb des Volkswagen-Konzerns und der Markengruppe Core.
Bereits 2025 hatte Škoda einen Umsatz von 30,1 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro erzielt. Die Umsatzrendite lag damals bei 8,3 Prozent. Weltweit wurden 1,0439 Millionen Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert, 12,7 Prozent mehr als 2024. Damit überschritt Škoda erstmals seit sechs Jahren wieder die Marke von einer Million ausgelieferten Autos.
Ein wichtiger Teil der Entwicklung ist die Elektrifizierung der Modellpalette. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Auslieferungen vollelektrischer Škoda-Modelle um 48,3 Prozent auf 108.200 Fahrzeuge. Hinzu kamen 24.100 Plug-in-Hybride. Škoda belegte nach Unternehmensangaben damit bei rein batterieelektrischen Fahrzeugen in Europa den vierten Rang.
Neben Enyaq und Elroq hat die Marke ihre elektrische Modellpalette 2026 mit Epiq und Peaq erweitert. Für die beiden neuen Modelle lagen bis Ende des ersten Halbjahres zusammen bereits mehr als 30.000 Bestellungen vor. Gerade der Epiq ist auch konzernstrategisch wichtig. Das Modell gehört zur Electric Urban Car Family des Volkswagen-Konzerns, in der mehrere Marken gemeinsam technische Grundlagen und Entwicklungsressourcen nutzen.
Diese Zusammenarbeit ist Teil eines grundlegenderen Umbaus bei den Volumenmarken von Volkswagen. Zur Brand Group Core gehören Volkswagen Pkw, Škoda, Seat/Cupra und Volkswagen Nutzfahrzeuge. Seit Anfang 2026 werden mehrere Aufgaben stärker markenübergreifend organisiert. Dazu gehören insbesondere Produktion, Technische Entwicklung und Beschaffung. Entscheidungen sollen stärker auf Ebene der Markengruppe gebündelt werden, während die einzelnen Markenvorstände schlanker aufgestellt werden. Volkswagen beziffert allein das kumulierte Einsparpotenzial bei der Produktion bis 2030 auf rund eine Milliarde Euro.
Neben Europa hat Škoda unter Zellmer seine Aktivitäten außerhalb der traditionellen Kernmärkte verstärkt. Besonders wichtig ist Indien. Dort lieferte die Marke 2025 rund 70.600 Fahrzeuge aus und damit 96,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Einen großen Anteil daran hatte der speziell für den indischen Markt entwickelte und dort produzierte Kylaq.
Indien soll für Škoda zunehmend als zweites Standbein neben Europa dienen. Gleichzeitig nutzt Volkswagen die Marke bei der Expansion in weitere asiatische Märkte. In Vietnam begann 2025 die lokale Fertigung von Kushaq und Slavia mit dem Partner Thanh Cong Group. Škoda baute zudem seine Präsenz im Nahen Osten sowie in weiteren Märkten Südostasiens aus.
Diese Rolle geht über den klassischen Verkauf von Škoda-Modellen hinaus. Das Unternehmen produziert zudem Komponenten für andere Marken des Volkswagen-Konzerns. Im Jahr 2025 entstanden bei Škoda unter anderem mehr als 329.000 Batteriesysteme, mehr als eine Million Getriebe und über 500.000 Motoren.
Die gute Entwicklung von Škoda steht zugleich einem deutlich schwierigeren Umfeld für den Mutterkonzern gegenüber. Volkswagen korrigierte im September seine Erwartungen für 2026 erheblich nach unten. Belastungen entstehen unter anderem durch die schwache Entwicklung bei Porsche, Probleme auf dem chinesischen Markt, höhere Kosten sowie den internationalen Wettbewerbsdruck.
Damit erhält die Entwicklung der margenstarken Volumenmarken zusätzliche Bedeutung. Die Brand Group Core erzielte 2025 ein operatives Ergebnis von 6,8 Milliarden Euro. Volkswagen setzt deshalb auf eine engere Zusammenarbeit der einzelnen Marken, gemeinsame Fahrzeugprojekte und geringere Entwicklungs- und Produktionskosten.
Für Škoda beginnt der bevorstehende Führungswechsel somit aus einer wirtschaftlich starken Position. Die grundlegenden strategischen Projekte sind bereits angelaufen: weitere Elektrifizierung, eine engere Verzahnung mit den anderen Volumenmarken des Volkswagen-Konzerns und die Expansion in Indien und Südostasien. Offen war am 21. September zunächst, wer diese Aufgaben nach Zellmers Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender weiterführen wird.






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