Tod von Henry Nowak: Warum ein Mordfall Großbritannien erschüttert

Brand Mühlhausen Symbolbild
Symbolbild Feuerwehreinsatz

Teilen:

Der Mord an dem 18-jährigen Studenten Henry Nowak beschäftigt Großbritannien weit über Southampton hinaus. Vickrum Digwa wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Zugleich steht der Polizeieinsatz in den Minuten nach der Tat im Fokus einer unabhängigen Untersuchung. Ein von Hampshire Police veröffentlichtes Bodycam-Video zeigt, wie der schwer verletzte Nowak am Boden lag, mehrfach sagte, er sei erstochen worden und nicht atmen könne, während er zunächst gefesselt wurde.

Henry Nowak war allein und unbewaffnet unterwegs

Nach den Feststellungen des Gerichts war Henry Nowak kurz nach 23 Uhr auf dem Rückweg zu seiner Unterkunft in Southampton. Er war Student an der University of Southampton, allein unterwegs und unbewaffnet. Auf der Belmont Road begegnete er Vickrum Digwa, der einen größeren Dolch bei sich trug.

Das Gericht stellte fest, dass Digwa den Studenten fünfmal stach. Eine Verletzung im Brustbereich führte zu starken inneren Blutungen. Nowak starb noch in der Nacht. Digwa wurde am 28. Mai 2026 schuldig gesprochen und am 1. Juni 2026 zu lebenslanger Haft mit einer Mindeststrafe von 21 Jahren verurteilt.

Digwa täuschte Polizei und verschwieg den Messerangriff

Nach der Tat schilderte Digwa den Ablauf gegenüber der Polizei falsch. Er behauptete, Nowak habe ihn rassistisch beleidigt, angegriffen und ihm den Turban vom Kopf geschlagen. Das Gericht bewertete diese Darstellung als Lüge. Nach den richterlichen Feststellungen hatte Nowak nichts Rassistisches gesagt und Digwa nicht angegriffen.

Digwa verschwieg außerdem, dass er den Studenten mit dem Dolch verletzt hatte. Die Tatwaffe wurde durch Digwas Mutter vom Ort entfernt. Auch sie wurde später verurteilt, weil sie einem Straftäter geholfen hatte.

Bodycam-Video zeigt umstrittene Minuten nach der Tat

Als Polizeibeamte von Hampshire and Isle of Wight Constabulary eintrafen, herrschte eine unübersichtliche Lage. Digwa und andere Anwesende schilderten den Studenten als mutmaßlichen Angreifer. Die Beamten nahmen Henry Nowak zunächst fest und legten ihm Handschellen an.

Das veröffentlichte Bodycam-Material zeigt, dass Nowak sagte, er sei erstochen worden und könne nicht atmen. Ein Beamter reagierte sinngemäß mit der Äußerung, er glaube nicht, dass Nowak gestochen worden sei. Kurz darauf erkannten die Einsatzkräfte die Schwere der Lage, entfernten die Handschellen und begannen mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Nowak starb noch am Einsatzort.

Hampshire Police entschuldigt sich und verweist auf fehlende Informationen

Hampshire Police hat nach der Verurteilung erklärt, man bedauere zutiefst, dass Henry Nowak in den Momenten vor seinem Bewusstseinsverlust gefesselt und festgenommen worden sei. Die Behörde betonte, die Einsatzkräfte hätten in der Situation nicht über die Informationen verfügt, die heute bekannt seien, und seien mit einer verwirrenden Lage konfrontiert gewesen.

Temporary Deputy Chief Constable Robert France erklärte, der Täter habe die Beamten durch seine falschen Angaben getäuscht, ihre Ermittlungen behindert und die schwere Verletzung verschwiegen. Auf Anfrage zu den Einzelheiten des Einsatzes verwies die Behörde auf die laufende IOPC-Untersuchung. Die Behörde betonte, die Beamten hätten innerhalb weniger Minuten Erste Hilfe geleistet.

IOPC untersucht Handschellen und Erste-Hilfe-Maßnahmen

Die unabhängige Polizeiaufsicht IOPC untersucht den Kontakt der Beamten mit Henry Nowak unmittelbar vor seinem Tod. Dazu gehören ausdrücklich der Einsatz der Handschellen und die geleistete Erste Hilfe. Die Untersuchung wertet umfangreiches Bodycam-Material sowie Beweismittel aus dem Mordprozess aus.

Eine amtliche Feststellung, ob einzelne Beamte gegen Dienstpflichten verstoßen haben, liegt noch nicht vor. Schuldzuweisungen an die Einsatzkräfte sind deshalb nur im Rahmen dieser laufenden Prüfung zulässig.

Richter: Digwas Lügen beeinflussten das Handeln der Polizei

In den Strafzumessungsgründen stellte das Gericht fest, dass Digwas Lügen dazu beitrugen, dass Nowak zunächst als Verdächtiger behandelt und gefesselt wurde. Der Richter hielt fest, dass die Beamten mit einer schnellen Entscheidung in einer angespannten Lage konfrontiert gewesen seien.

Erschwerend wertete das Gericht unter anderem die wiederholten Stiche, das Filmen des verletzten Nowak, die Vertuschungsversuche und die falsche Belastung des Opfers. Mildernd berücksichtigt wurden Digwas Alter, fehlende Vorstrafen und die fehlende Vorplanung der Tat.

Debatte über Polizeiverhalten und Messerkriminalität in Großbritannien

Der Fall hat in Großbritannien eine breite Debatte ausgelöst. Polizeibeauftragte Donna Jones sprach von ernsten Fragen zur Unparteilichkeit und Urteilsfähigkeit der Polizei und kündigte eine Überprüfung der gesetzlichen Ausnahmen für religiös getragene Klingen an.

Eine amtliche Feststellung, dass Rassismus das Handeln der Beamten bestimmt habe, liegt nicht vor. Gesichert ist nach dem Urteil: Digwa ermordete Henry Nowak, täuschte die Polizei und stellte den sterbenden Studenten fälschlich als Angreifer dar. Die unabhängige Aufarbeitung des Polizeieinsatzes ist noch nicht abgeschlossen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu