
Berlin. Generalinspekteur Carsten Breuer steht im Zentrum der aktuellen Neuaufstellung der Bundeswehr. Anlass ist der Kabinettsbeschluss zum Reservestärkungsgesetz vom 1. Juli 2026. Der Gesetzentwurf knüpft an die Verteidigungsaufstellung 2029 an, die Breuer am 9. Juni gebilligt hatte und die am 24. Juni im Verteidigungsausschuss des Bundestags vorgestellt wurde. Das Dokument selbst ist aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich. Belastbar ist daher vor allem, was das Verteidigungsministerium offiziell dazu veröffentlicht hat.
Das Reservestärkungsgesetz soll die Verfügbarkeit der Reserve schneller und planbarer machen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums soll die Reserve bis 2033 auf mindestens 200.000 Männer und Frauen anwachsen. Ein Kernpunkt des Entwurfs ist die mögliche verpflichtende Heranziehung von Reservistinnen und Reservisten. Damit soll die bisherige „doppelte Freiwilligkeit“ entfallen, bei der sowohl die Betroffenen als auch ihre Arbeitgeber zustimmen mussten. Das Gesetz ist noch nicht endgültig beschlossen. Nach dem Kabinettsbeschluss folgt das parlamentarische Verfahren im Bundestag. Änderungen sind dabei möglich.
Die Verteidigungsaufstellung 2029 beschreibt, mit welchen Kräften und in welcher Gliederung die Bundeswehr Deutschland im Ernstfall verteidigen soll. Sie verbindet die neue Militärstrategie, das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr, NATO-Vorgaben und den Operationsplan Deutschland. Der Schwerpunkt liegt auf dem Jahr 2029, weil die Bundesregierung und die Bundeswehr davon ausgehen, dass Russland ab diesem Zeitpunkt militärisch zu einem Angriff auf NATO-Gebiet in der Lage sein könnte. Das ist keine Feststellung, dass ein Angriff bevorsteht, sondern eine sicherheitspolitische Planungsannahme.
Carsten Breuer hatte bereits im April die erste Militärstrategie der Bundeswehr gezeichnet. Sie bildet zusammen mit dem neuen Fähigkeitsprofil die Grundlage für den langfristigen Umbau der Streitkräfte. Öffentlich bekannt ist, dass die Bundeswehr von derzeit rund 186.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre auf mindestens 260.000 Aktive wachsen soll. Zusammen mit mindestens 200.000 Reservistinnen und Reservisten ergibt sich das Ziel von mindestens 460.000 kampfbereiten Soldatinnen und Soldaten.
Der Generalinspekteur ist der ranghöchste Soldat der Bundeswehr, militärischer Berater der Bundesregierung und Teil der Leitung des Verteidigungsministeriums. Breuer ist seit dem 17. März 2023 im Amt. Er ist unter anderem für die Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung, die Weiterentwicklung der Streitkräfte und die Einsatzbereitschaft verantwortlich. Seine aktuelle Linie zielt darauf, die Bundeswehr von einer vor allem auf Auslandseinsätze ausgerichteten Armee wieder stärker auf Landes- und Bündnisverteidigung auszurichten.
Zugleich hat Breuer eine wachsende NATO-Bedeutung. Die Bundesregierung hat ihn im Februar 2026 für den Vorsitz des NATO-Militärausschusses nominiert. Die Entscheidung über die Nachfolge soll im September fallen. Bis dahin bleibt Breuer vor allem der zentrale militärische Planer des deutschen Bundeswehr-Aufwuchses. Bestätigt ist: Die neue Reservepolitik, die Verteidigungsaufstellung 2029 und die strategische Ausrichtung der Streitkräfte tragen maßgeblich seine Handschrift.
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