PFOF-Verbot trifft Neobroker: Was Anleger jetzt wissen müssen

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot von Payment for Order Flow auch für deutsche Kunden. Damit endet eine Übergangsfrist, die Deutschland im Rahmen der europäischen Finanzmarktregeln genutzt hatte. Betroffen ist ein Geschäftsmodell, das Neobrokern lange besonders günstige Wertpapierorders und kostenlose Sparpläne erleichtert hat. Für Anleger bedeutet das nicht automatisch höhere Gebühren. Es verschiebt aber den Blick auf Ausführungsqualität, Spreads und neue Preismodelle.

Was die EU jetzt verbietet

Payment for Order Flow, kurz PFOF, beschreibt Rückvergütungen, die Broker von einem Handelsplatz oder einem anderen Dritten erhalten, wenn sie Kundenorders dorthin leiten. Genau diese Zahlungen sind nach Artikel 39a der europäischen MiFIR-Regelung grundsätzlich untersagt. Verboten ist demnach, dass Wertpapierfirmen eine Gebühr, Provision oder einen nicht monetären Vorteil von Dritten dafür erhalten, Kundenaufträge an einen bestimmten Ausführungsplatz weiterzugeben oder dort auszuführen.

Deutschland hatte bei der europäischen Aufsicht ESMA eine Übergangsregel genutzt. Das Bundesfinanzministerium teilte bereits im März 2024 mit, dass inländische Wertpapierfirmen die PFOF-Praxis gegenüber inländischen Kunden bis zum 30. Juni 2026 fortführen durften. Seit dem Ende dieser Frist gilt das Verbot auch für deutsche Kunden.

Trade Republic reagiert mit neuer Handelslogik

Der sichtbarste Umbau kommt von Trade Republic. Der Berliner Neobroker stellte am 2. Juli 2026 eine neue Handelstechnologie vor. Orders sollen automatisch zum Bestpreis unter allen relevanten Börsen gegen Trade Republic ausgeführt werden. Grundlage ist nach Unternehmensangaben ein aggregiertes Orderbuch, das Kurse über liquide Börsen zusammenführt. Für diese automatische Ausführung bleibt es bei 1 Euro Abwicklungspauschale pro Trade, zuzüglich möglicher Fremdkosten und Spreads.

Neu ist zusätzlich eine Direktpreis-Order. Kunden können damit gezielt aus 30 Börsen wählen, darunter Xetra, Euronext, NYSE und Nasdaq. Diese Order kostet 2 Euro pro Trade. Außerdem startet Trade Republic ein Web Terminal mit Charting, Screenern, Portfolio-Analysen und Live-Marktdaten ohne zusätzliche Kosten. Damit ersetzt der Anbieter das frühere Modell nicht durch eine einfache Gebührenerhöhung, sondern durch eine neue Ausführungsstruktur und ein zweistufiges Preismodell.

Scalable Capital setzt auf eigene Börseninfrastruktur

Scalable Capital hatte den Umbau früher begonnen. Das Unternehmen startete im Dezember 2024 gemeinsam mit der Börse Hannover die European Investor Exchange. Scalable stellt dort nach eigenen Angaben die Technologie und Liquidität bereit, während die Börse Hannover für den öffentlich-rechtlichen Teil und die Handelsüberwachung zuständig ist.

In der aktuellen Preisübersicht nennt Scalable für den Free-Tarif 0 Euro Grundpreis und für Prime+ 4,99 Euro pro Monat. Sparpläne kosten in beiden Modellen 0 Euro. Trades über European Investor Exchange und gettex kosten im Free-Modell meist 0,99 Euro, im Prime+-Modell ab 250 Euro Ordervolumen 0 Euro. Xetra-Orders kosten 3,99 Euro plus Handelsplatzgebühr von 0,01 Prozent, mindestens 1,50 Euro.

Justtrade nennt neue Preisstruktur im Verzeichnis

Auch Justtrade arbeitet mit einer klar ausgewiesenen Gebührenstruktur. Im aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnis der Sutor Bank für den Justtrade-Service ist für Aktien, ETFs, ETCs und sonstige ETPs eine Orderprovision von 2,90 Euro genannt. Für LS Exchange und Tradegate BSX reduziert sich diese auf 1 Euro. Sparpläne in ETFs, ETCs und sonstigen ETPs bleiben ohne Orderprovision. Zusätzlich weist Justtrade darauf hin, dass beim Handel Spreads anfallen.

Auf der Website beschreibt Justtrade den Handel mit Aktien und ETFs an LS Exchange, Quotrix und Tradegate Exchange. Der Anbieter hebt hervor, dass Kunden die Kurse der Handelsplätze vergleichen und den angezeigten Quote-Request-Preis bestätigen können. Für Aktien und ETFs wird dort eine Orderprovision ab 1 Euro zuzüglich Handelsplatzspread genannt.

Was das für Anleger bedeutet

Für langfristige Anleger mit ETF-Sparplänen ändert sich nach den veröffentlichten Preisangaben vieler Anbieter zunächst wenig. Trade Republic hält an kostenlosen Sparplänen fest, Scalable weist Sparpläne mit 0 Euro aus, und Justtrade verzichtet bei ETF-, ETC- und ETP-Sparplänen ebenfalls auf eine Orderprovision. Entscheidend ist aber nicht nur die sichtbare Ordergebühr.

Anleger sollten künftig stärker auf das Gesamtentgelt achten. Dazu zählen Orderprovision, Abwicklungspauschale, Handelsplatzgebühr, Spread und Ausführungskurs. Besonders bei kleineren Orders kann ein Euro mehr oder weniger deutlich ins Gewicht fallen. Bei größeren Orders kann dagegen der Spread wichtiger sein als die sichtbare Pauschale.

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