Nach 166 Jahren endet die Produktion bei H. Heydt

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die traditionsreiche Kornbrennerei H. Heydt in Haselünne stellt ihre Produktion zum Jahresende 2026 ein. Damit endet an dem niedersächsischen Standort eine Unternehmensgeschichte, die bis ins Jahr 1860 zurückreicht. Von der Entscheidung sind nach übereinstimmenden Berichten rund 35 Beschäftigte betroffen, darunter 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Produktion. Die Kornbrennerei Heydt schließt allerdings nicht im Zuge eines Insolvenzverfahrens. Das Unternehmen verweist vielmehr auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre und einen erheblichen Investitionsbedarf.

Marken sollen ab 2027 weitergeführt werden

Mit dem Ende der Produktion in Haselünne verschwinden die bekannten Marken nicht automatisch vom Markt. Das Markengeschäft wird nach den bislang veröffentlichten Angaben auf zwei andere deutsche Spirituosenhersteller verteilt. Schwarze und Schlichte aus Oelde soll den überwiegenden Teil übernehmen. Dazu zählen unter anderem Heydt Korn, die Heydt Manufaktur, Wippermann Wacholder, Schinkenhäger und Hell Yeah Butterscotch.

Weitere Marken sollen an die Feinbrennerei Sasse aus Schöppingen gehen. Genannt werden Hullmann, Ostfriesenwhisky, Ammerländer Löffeltrunk, White Frisian und Abel. Vorgesehen ist, dass die neuen Eigentümer die jeweiligen Produkte ab dem 1. Januar 2027 weiterführen. Damit endet zwar die Herstellung durch H. Heydt am bisherigen Standort, ein Teil des jahrzehntelang aufgebauten Markenportfolios bleibt jedoch erhalten. Unklar blieb zunächst, welche konkreten Folgen die Übertragung der Marken für Herstellung, Rezepturen und langfristige Vertriebsstrukturen haben wird.

Hohe Investitionen treffen auf schwieriges Marktumfeld

Als Gründe für die Geschäftsaufgabe werden steigende Kosten und ein hoher Modernisierungsbedarf genannt. Nach Unternehmensangaben wären Investitionen in Gebäude und Produktionsanlagen in Millionenhöhe notwendig gewesen. Hinzu kommt ein Markt, in dem Spirituosenhersteller seit mehreren Jahren mit einer schwächeren Nachfrage und gestiegenen Kosten umgehen müssen.

Die mengenmäßige Nachfrage nach Spirituosen im deutschen Lebensmittelhandel ging 2025 gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent zurück. Der Umsatz im Lebensmittelhandel sank um rund vier Prozent. Gleichzeitig verringerte sich der Pro-Kopf-Konsum um etwa drei Prozent auf 4,85 Liter Spirituosen im Jahr. Innerhalb von drei Jahren ging die Nachfrage nach Angaben des Branchenverbandes insgesamt um elf Prozent zurück.

Der Gesamtmarkt bleibt dennoch bedeutend. 2025 wurden in Deutschland rund 654 Millionen Flaschen mit jeweils 0,7 Litern angeboten. Der Umsatz der Spirituosenbranche einschließlich der Importeure wurde auf etwa 4,6 Milliarden Euro geschätzt. Rund 61 Prozent der Haushalte kauften im Laufe des Jahres mindestens einmal Spirituosen.

Korn bleibt wichtiger Teil des Spirituosenmarktes

Für traditionelle Kornbrennereien ist die Entwicklung besonders interessant. Korn gehört gemeinsam mit anderen klaren Spirituosen weiterhin zu den größeren Segmenten des deutschen Marktes. 2025 entfielen rund 15 Prozent des Spirituosenabsatzes auf Korn und andere klare Spirituosen. Liköre lagen mit etwa 28 Prozent an der Spitze, gefolgt von Wodka mit rund 16 Prozent.

Die Entwicklung verläuft innerhalb der einzelnen Produktgruppen allerdings nicht einheitlich. Doppelkorn gehörte 2025 sogar zu den Kategorien mit positiver Absatzentwicklung. Das Ende der Produktion bei H. Heydt lässt sich deshalb nicht allein mit einem allgemeinen Rückgang bei Korn erklären. Nach Darstellung des Unternehmens treffen vielmehr veränderte Konsumgewohnheiten und ein anspruchsvolles Marktumfeld auf steigende Betriebskosten und notwendige Investitionen in den Standort.

Für mittelständische Spirituosenhersteller sind diese Faktoren von besonderer Bedeutung. Neben einer zurückhaltenden Nachfrage spielen unter anderem Energie- und Rohstoffkosten, regulatorische Anforderungen und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit eine Rolle. Gerade kleinere und mittelgroße Produzenten müssen Investitionen in bestehende Anlagen auf deutlich geringere Stückzahlen verteilen als große internationale Anbieter.

Brennerei wurde 1860 in Haselünne gegründet

H. Heydt gehört zu den traditionsreichen Namen der deutschen Kornbranche. Heinrich Heydt gründete die Brennerei 1860 in Haselünne. Das Familienunternehmen wurde zuletzt in fünfter Generation geführt. Neben klassischen Kornbränden baute Heydt sein Sortiment im Laufe der Jahrzehnte um Liköre, Wacholder, Produkte auf Wodka-Basis und fassgelagerte Spezialitäten aus. In der Heydt Manufaktur entstanden zudem hochwertige Brände und weitere Spezialitäten.

Haselünne selbst ist historisch eng mit der Herstellung von Korn verbunden. Im 18. Jahrhundert gab es in der Stadt zeitweise 26 Brennereien. Zu den prägenden Traditionsunternehmen gehörten in jüngerer Zeit neben Heydt auch Berentzen und Rosche, wobei Berentzen bereits nicht mehr in Haselünne produziert.

Mit dem Produktionsende bei H. Heydt verliert die deutsche Spirituosenbranche damit einen traditionsreichen eigenständigen Brennereistandort. Die Marken sollen dagegen auch nach dem Jahreswechsel 2026/2027 im Handel bleiben. Für die rund 35 Beschäftigten bedeutet die Entscheidung nach bisherigem Stand das Ende ihrer Tätigkeit bei der bisherigen Brennerei.

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